Einsatz im Ampermoos

Der Brachvogel und seine Hebammen

Bleiben sie – oder ziehen sie weiter? Und wenn sie bleiben, brüten sie auch? Und gelingt es dann, die Brut vor den Feinden zu schützen? Viele Fragen beschäftigen die Naturschützer im Ampermoos in diesen Tagen: nämlich vor Brutbeginn des Großen Brachvogels.

Kottgeisering/Grafrath15 Brachvögel hat die Biologin Susanne Hoffmann in der Woche vor Ostern im Ampermoos gezählt. „Schwer zu sagen, ob sie weiterziehen oder da bleiben“, sagt die Vogelkundlerin, die seit vielen Jahren intensiv die Vogelwelt im Flora-Fauna-Habitat beobachtet. Jedenfalls seien sie von ihrem langen Flug aus den südlichen Winterquartieren ziemlich ausgehungert und stochern mit ihrem markanten, dünnen, langen Schnabel in den feuchten Wiesen nach Würmern. Sechs Vögel hat der Landesbund für Vogelschutz mit einem Sender versehen, deshalb kann man sagen, dass drei aus Portugal und Spanien kommen – und drei sogar in Nordafrika überwintert haben.

Trockenes MooserschwertNahrungssuche

Der Große Brachvogel zählt als „Bayerns Ur-Einwohner“ (siehe Kasten) zu den größten Wiesenbrütern und wird auf der Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“ geführt. Früher war er noch häufiger im Ampermoos anzutreffen. In den vergangenen 50 Jahren haben sich seine dortigen Lebensräume aber stark verändert. Hauptproblem: Das Moos wurde trockener. Weil ein trockener Boden auch härter ist, tut sich der Vogel schwer beim Stochern nach Würmern, Larven und anderen Bodenlebewesen.

Und noch eine unangenehme Begleiterscheinung hat ein trockenes Moos: Natürliche Feinde (Fuchs und Wildschweine) und künstliche Feinde (freilaufende Hunde) dringen weiter ins Moos vor und gefährden die unscheinbaren Nester mit dem meist aus vier Eiern bestehenden Gelege.

„Die Wiedervernässung des Ampermooses durch den Einbau der Sohlschwelle in Grafrath vor einigen Jahren zeigt aber erste Resultate“, stellt Christian Niederbichler, Gebietsbetreuer für das Ramsar-Schutzgebiet, zufrieden fest. Nach seinen Anweisungen mähen Landwirte jedes Jahr im Spätherbst neue Abschnitte in die feuchten Schilfwiesen, um den Bodenbrütern optimale Nistplätze anzubieten.

Doch damit ist es nicht getan. Ein Gelege muss auch vor den erwähnten Feinden geschützt werden. Das geschieht mit einem mobilen Weidezaun, den Niederbichler und seine Helfer flugs um ein Nest herum aufbauen und unter Strom setzen. Dabei ist Teamarbeit gefragt, denn die wenigen Nester sind durch ihre perfekt an die Wiesen angepasste Tarnung schwer zu finden. Deshalb dirigiert Susanne Hoffmann die Zaunbauer per Funk zu den Stellen, die sie nach intensiver Beobachtung mit dem Spektiv als Nistplatz identifiziert hat. „Wir müssen schnell sein, sonst kommt der Brachvogel nicht mehr zu seinem Nest zurück“, berichtet Niederbichler.

Fünf Zäune wollen die Vogelschützer auch heuer wieder in den nächsten Wochen aufbauen und können bei je vier Eiern 20 Jungvögeln einen guten Start ins Leben bieten – theoretisch. „Im vergangenen Jahr hatten wir vier flügge Jungvögel bei sieben Brutpaaren“, so Hoffmann. Eine Steigerung im Vergleich zum Jahr 2016. Aber immer noch nur ein kleiner Bruchteil gegenüber den Zahlen, mit denen die Vogelkundler am Flughafen im Erdinger Moos aufwarten können. Das dortige Gelände sei von Haus aus eingezäunt und deshalb attraktiver.

Doch auch im Ampermoos gibt es den Brachvogel. „Und das hilft mir, wenn ich den Leuten den Wert des Naturschutzgebietes erkläre und dann diesen seltenen Vogel vors Spektiv zaubern kann“, sagt Susanne Hoffmann.

Terminhinweis

Am Freitag, 27. April, findet eine Führung durch die Gebietsbetreuer Christian Niederbichler (Gebiet Ammersee) und Sebastian Böhm (Ampertal) sowie Petra Kotschi (Landschaftspflegeverband) von der Sohlschwelle in Grafrath bis zum Vogelturm in Kottgeisering statt. Infos auf www.lpv-ffb.de

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