Widerstand gegen größeres Gewerbegebiet

Weg zum Bürgerentscheid in Grafrath scheint frei

Grafrath - Initiative sammelt 955 Unterschriften gegen die Erweiterung des Gewerbegebietes.

Der Widerstand gegen die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets im Wahlfeld am Ende der Jesenwanger Straße ist riesig: 955 Unterschriften hat die Bürgerinitiative bislang gesammelt und nun Grafraths Rathauschef Markus Kennerknecht übergeben. Hält der Gemeinderat an der Planung fest, kommt es wohl zum Bürgerentscheid.

Rund ein Drittel der wahlberechtigten Grafrather hatte das Bürgerbegehren unterzeichnet. „Wir sind überwältigt von der Resonanz“, sagt Susanne Linder, die Sprecherin der Initiative. Und auch Kennerknecht muss eingestehen: „Das ist eine stattliche Zahl.“ Das nötige Quorum von zehn Prozent dürfte damit locker erreicht sein – auch wenn noch nicht geprüft ist, ob alle Unterzeichner auch wahlberechtigt sind.

Bei der Übergabe der Liste an den Rathauschef sagte Linder, dass die Bürgerinitiative „nicht auf Krieg aus ist“. Man hoffe immer noch, dass der Gemeinderat ein Einsehen hat. „Wir wollten mit dem Bürgerbegehren ein Zeichen setzen“, so Linder. Ihr Sprecherkollege Martin Hoffmann sagte, dass die Gemeinde das Begehren hätte vermeiden können, „wenn sie gleich am Anfang ein Stimmungsbild bei den Bürgern eingeholt hätte“.

Laut Kennerknecht befinde man sich aber erst am Anfang des Verfahrens. Zum einen müsse bereinigt werden, dass das Areal einerseits im Flächennutzungsplan als Gewerbegebiet, andererseits aber auch als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist. Beim Landratsamt werde derzeit alles geprüft, ein Ergebnis liege noch nicht vor. Linder kritisierte, dass bereits erste Aufträge für die Gewerbegebietsplanung vergeben wurden. Kennerknecht: „Das sind erste Voruntersuchungen, ob die Überlegungen der Gemeinde dort überhaupt umgesetzt werden können.“

Auch betonte Kennerknecht, dass er keine neuen Firmen anziehen, sondern bestehenden Unternehmen Erweiterungsmöglichkeiten bieten wolle. Dem hielt der dritte Initiativensprecher Oliver Detenhoff entgegen, dass Grafrath wohl eher als Wohn- denn als Gewerbestandort prädestiniert sei und seine Gelder deshalb aus der Einkommensteuer requirieren solle. „Wir befürchten, dass Gewerbeflächen wegen der ungünstigen Lage im Wahlfeld eine Totgeburt werden“, sagte Detenhoff weiter.

Angesprochen wurde auch noch einmal der ebenfalls geplante Ausbau der Jesenwanger Straße, den die Initiative im Zusammenhang mit der Gewerbegebietserweiterung sieht. Dies jedoch verneinte Kennerknecht strikt. „Der Straßenausbau ist schon seit Jahren in der Diskussion und wird nun eben angegangen.“ Ob es in Sachen Gewerbegebiet zum Bürgerentscheid kommt, wird sich wohl Anfang Mai klären. Dann wird das Begehren im Gemeinderat diskutiert.

von Andreas Daschner

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