Ein Mann steht hinter einer Eistheke und hält eine leere Waffel in der Hand.
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Es ist einfach eine schwierige Lage in einer schwierigen Branche. Max Schiller

Bella Martha in Grafrath

Café muss wegen Corona aufgeben

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Das Café Bella Martha beim Altenwerk Marthashofen steht ab Mitte Oktober wieder ohne Pächter da. Nach nicht einmal zwei Jahren wirft Max Schiller wieder das Handtuch. Die Corona-Krise sorgt dafür, dass ihm finanziell die Puste ausgeht.

  • Café Bella Martha steht ab Mitte Oktober ohne Pächter da
  • Betreiber muss wegen Corona-Krise aufgeben
  • Er hat viel versucht, um das Café doch noch halten zu können - vergeblich

Grafrath – Erst im November 2018 hatte Schiller das Bella Martha übernommen. Neben Mittagstisch, Kaffee und Kuchen verkaufte er auch selbst gemachtes Eis. Exotische Sorten waren sein Markenzeichen, schließlich hat der 34-jährige Grafrather sein Handwerk beim „Verrückten Eismacher“ in München erlernt und perfektioniert.

Obwohl das Bella Martha damit die einzige Eisdiele am Ort war, lief das Geschäft immer zäh. „Es ist einfach eine schwierige Lage in einer schwierigen Branche“, sagt Schiller. Zwar kommen die Besucher des Altenwerks und die Eltern der dortigen Kindertagesstätte am Café vorbei. Laufkundschaft gibt es aber keine.

Corona hat uns das Jahr 2020 verhagelt.

Max Schiller

Bereits Ende 2019, Anfang 2020 habe er gehadert, wie es weitergehen solle, sagt Schiller. Optimistisch machte ihn zunächst noch die Resonanz auf sein Brunch-Angebot. „Die Wochenenden vor Corona waren wir da immer komplett ausgebucht.“ Eigentlich glaubte Schiller deshalb, im Sommer voll durchstarten zu können. Doch dann kam die Pandemie. „Corona hat uns das Jahr 2020 verhagelt.“

Den Pachtvertrag hat er bereits gekündigt. Dabei hatte der Grafrather schnell auf die Corona-Krise reagiert. Nachdem die Gastronomie während des Lockdowns keine Gäste empfangen durfte, hat Schiller ein Online-Bestellformular eingerichtet und Kuchen sowie Eis zu den Menschen nach Hause geliefert. Erst gab es auch viele Online-Bestellungen. „Manche haben jede Woche eine Torte bestellt“, erzählt Schiller. Es seien sogar neue Freundschaften entstanden. Mit manchen Kunden treffe er sich seitdem auch in der Freizeit.

Doch auch dieses Geschäft hielt nur gute zwei Wochen an. „Dann ging auch meinen Kunden die Puste aus.“ Manche hätten sich sogar dafür entschuldigt, dass sie nicht weiter jedes Wochenende einen ganzen Kuchen kaufen könnten. Die Folge waren dramatische Umsatzeinbrüche zum Teil um mehr als 60 Prozent. Gerade einmal 1000 Euro netto bleiben im Monat noch übrig – trotz fast 70 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit. „Ich müsste Geld mitbringen, damit es weiterläuft“, sagt Schiller.

Als Vater zweier Kinder ist das auf Dauer natürlich nicht machbar. „Mir geht die Puste aus – finanziell wie persönlich.“ Dass er nun die Segel streichen muss, tue ihm unendlich weh, „weil so viel Herzblut in der Arbeit steckt“. Das Ende sei aber nötig und unabdingbar.

Mit der Gastronomie und vor allem der Eisproduktion will Schiller aber nicht abschließen. „Ich liebe, was ich tue“, sagt der Grafrather. Noch stehe nicht fest, wie es konkret weitergeht. „Ich habe aber schon Anfragen anderer Gastronomiebetriebe bekommen, wo ich eventuell einsteigen könnte.“ Außerdem sucht Schiller Räume, um weiter eine Eisdiele zu betreiben. Auch Kooperationen mit anderen Geschäften steht er dabei offen gegenüber.

Bis Oktober wird Schiller aber noch im Bella Martha zu finden sein. „Letzter Tag im Normalbetrieb wird am 11. Oktober sein“, sagt er. Bei trockenem Wetter plant er dann eine Art Abschiedsparty am 17. und 18. Oktober, bei der er seine Restbestände an Kuchen und Eis noch an den Mann bringen will. Und dann? „Ich bleibe der Gastronomie treu“, sagt Schiller und verspricht: „Man wird wieder von mir hören.“

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