Bedient hinter Plexiglas: Apotheken-Inhaberin Jutta Strasdat aus Grafrath.

Schutz vor Infektion

Corona: Apotheker hinter der Schutzwand

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Um die Medikamentenversorgung während der Corona-Krise zu gewährleisten, müssen die Apotheken-Mitarbeiter unbedingt vor einer Ansteckung geschützt werden. In der Rasso-Apotheke in Grafrath wurden Schutzwände aufgestellt.

Grafrath – Es erinnert ein wenig an Bankschalter aus früheren Zeiten: Die Mitarbeiter der Rasso-Apotheke stehen hinter einer Plexiglaswand, Geld und Medikamente wechseln durch eine kleine Durchreiche den Besitzer. An eben diese Bankschalter hat Apotheken-Inhaberin Jutta Strasdat auch gedacht, als der Coronavirus immer mehr um sich griff. „Mir kam die Idee, dass wir uns irgendwie einhausen müssen, um uns zu schützen.“ Bevor sie die Schutzwände in der Rasso-Apotheke und der ebenfalls von ihr betriebenen Lotus-Apotheke in Eching am Ammersee aufgestellt hat, hätten die Mitarbeiter versucht, Abstand zu den Kunden zu halten. Aber je weiter sie zurückgewichen sind, desto näher seien die Menschen an den Verkaufstisch gerückt. Unter der Belegschaft habe deswegen ein ungutes Gefühl geherrscht.

Umso begeisterter seien sie von den Plexiglasscheiben. Und auch Strasdat fühlt sich nun wohler: „Ich habe schließlich eine Verantwortung meinen Angestellten gegenüber.“ Ansonsten halten sich die Apotheker ebenfalls an die allgemeinen Verhaltensregeln: „Wir desinfizieren viel“, sagt Strasdat. Außerdem wird auf ausreichend Abstand zwischen den Kunden wert gelegt. „Ein großer Vorteil ist auch, dass wir eine Automatiktür haben“, sagt die Inhaberin. Dadurch entfällt der Griff zur Türklinke.

Einen in Apothekerkreisen prominenten Nachahmer hat Strasdat mit ihren Schutzwänden bereits gefunden: Thomas Benkert aus der Apotheke Mammendorf, der auch Präsident der Bayerischen Landesapothekerkammer und Sprecher der Apotheker im Landkreis ist. Er sagt: „Wir werden ebenfalls Plexiglaswände aufstellen.“ In der auch von ihm betriebenen Amper-Apotheke in Fürstenfeldbruck profitiert Benkert von den örtlichen Gegebenheiten: „Dadurch, dass wir zwei Eingänge haben, können wir eine Art Einbahnstraßenregelung machen.“ Soll heißen: Die Kunden können nur bei einer Tür rein und müssen zur anderen wieder raus. „Das entzerrt alles ein wenig“, sagt Benkert.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände habe außerdem ein 15-seitiges Schreiben an die Apotheken geschickt. Der Inhalt sind Verhaltensregeln in der Corona-Krise. Darin wird zum Beispiel dazu aufgefordert, Aushänge anzubringen, wie sich Kunden verhalten sollen, die Symptome einer Corona-Infektion aufweisen: nämlich die Apotheke nicht betreten und sich ans Gesundheitsamt wenden. Eine weitere Maßnahme: Mitarbeiter, die Medikamente zu den Kunden nach Hause bringen, sollen direkten Kontakt möglichst vermeiden. „Sie sollen außerdem ein Desinfektionsmittel im Auto haben“, sagt Benkert.

Eines ist für Strasdat klar: „Wir müssen uns schützen, damit wir möglichst lange durchhalten – für die Bürger.“ Denn ein Damoklesschwert hängt nicht nur über ihr und ihrem Team, sondern über allen Apotheken: „Wenn ein Fall nachgewiesen wird, wird die Apotheke geschlossen.“ Damit sei keinem geholfen – den Mitarbeitern nicht, und am allerwenigsten den Kunden.

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