Bläser

Er baut Instrumente für die Profis

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Einen Exotenberuf übt der Grafrather Martin Wurm aus – so sagt er es zumindest über sich selbst. Der 54-Jährige baut, repariert und restauriert Blech- und Holzblasinstrumente. Vor allem Profimusiker schätzen seine Arbeit.

Grafrath – Beim weltbekannten Ritterturnier in Kaltenberg sind Blasinstrumente aus Kuhhörnern der letzte Schrei. Was wenige wissen: Einer der ersten, der so etwas angeboten hat, war Martin Wurm. „Wir waren auf Einladung des Prinzen dort und mussten etwas Mittelalterliches mitbringen“, erzählt Wurm. Weil er zufällig über einen Bekannten an Kuhhörner herankam, kam ihm die Idee zu den Blashörnern. Damit löste er einen Trend aus.

Allerdings sind derartige Blasinstrumente nur eine Nebenbeschäftigung für den Vater zweier Kinder. Hauptberuflich hat er vor allem mit Blechblasinstrumenten wie Trompete und Tuba oder Holzblasinstrumenten wie Saxophon, Klarinette oder Querflöte zu tun. Meist repariert oder restauriert er diese Instrumente und bessert Dellen oder andere Schäden aus. Und wenn die Zeit es zulässt, baut er sie auch selbst.

Zwei Meisterbriefe hängen in der Werkstatt des Grafrathers. Seit 10. November 1990 ist Wurm Meister im Metallblasinstrumenten- und Schlagzeugbau. „Den Schlagzeugmacher gibt es aber nicht mehr“, sagt Wurm. Der Beruf ist praktisch ausgestorben, und auch er beschäftigt sich nur noch selten mit dem Schlagzeugbau.

Am 11. Oktober 1995 machte der 54-Jährige schließlich noch den Meister im Holzblasinstrumentenbau. „Ich habe als Zehnjähriger den ersten Trompetenunterricht erhalten“, erzählt Wurm. Als ihm die Eltern ein neues Instrument kauften, kam es zur Initialzündung für die spätere Berufswahl. „In der Werkstatt haben halbfertige Trompeten von der Decke gehangen, das hat mir gefallen.“

So kam es dazu, dass er eine Ausbildung als Instrumentenbauer in München begann. Vor den Meisterprüfungen gab es noch einen beruflichen Schlenker. „Nach einem Jahr Arbeit bei seinem Ausbildungsbetrieb habe ich das Abitur nachgemacht und Landwirtschaft studiert“, erzählt Wurm. Als er aber 1988 von der Firma Meinl in Geretsried angeworben wurde, kehrte er zu seiner eigentlichen Leidenschaft zurück.

Lösungen auch für Menschen mit Handicap

Spätestens ab 1992 machte sich Wurm dann auch einen Namen in den Kreisen namhafter Profimusiker. Damals rief er gemeinsam mit seinem Kollegen Thomas Hahn das Unternehmen „Münchner Blech“ in Haidhausen ins Leben. Nahe der Philharmonie gelegen, gingen die dortigen Musiker in dem Geschäft ein und aus. Bis 2004 arbeitete Wurm in der Firma, bis der in Grafrath aufgewachsene und seit jeher dort lebende Instrumentenbauer seine Werkstatt in seiner Heimat wieder aufleben ließ.

Vier bis fünf Instrumente im Jahr baut Wurm noch selbst. „Darunter sind auch Spezialanfertigungen für Versehrte“, sagt er. Musiker, die zum Beispiel einen teilamputierten Finger haben, bekommen bei dem Grafrather ein Instrument mit verlängerten Klappen, sodass auch sie diese wieder betätigen können. Weil Wurm neben den Reparaturen nur selten zum Bau kommt, ist die Warteliste nicht ganz kurz. Zudem nimmt der Bau auch einiges an Zeit in Anspruch. „Für eine Basstrompete brauche ich um die 100 Stunden.“

Neben seiner Werkstatt übt der Grafrather auch noch andere Tätigkeiten aus, die unmittelbar mit seinem Beruf zusammenhängen. Seit 2009 ist er Fachlehrer an der Instrumentenbauschule in Mittenwald. „Einmal in der Woche fahre ich dort hin und gebe Unterricht“, sagt er. Außerdem wurde Wurm von der Handwerkskammer München zum Sachverständigen bestellt. Unter anderem bei Streitigkeiten nach Instrumentenkäufen über die Internetplattform E-Bay oder bei Versicherungsfällen ist seine Expertise vor Gericht gefragt.

In seiner Freizeit musiziert er als Baritonist in der Blaskapelle Grafrath-Kottgeisering. Außerdem hat Wurm sein Beruf auch in ferne Länder geführt. Für die international tätige Boosey & Hawkes Gruppe war er als Berater für den Bereich Trompetenbau in England und siebenmal sogar in Indien. „Ohne meinen Exotenberuf wäre ich nie dort hin gekommen“, sagt er. „Jetzt kann ich meinen Enkeln noch davon erzählen.“

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