Ich freue mich auf eine quicklebendige Gemeinde. Karl Mehl

Evangelische Kirche

Er ist der neue Pfarrer von Grafrath

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Seit gut einem Jahr ist die erste Pfarrstelle der evangelischen Kirchengemeinde im westlichen Landkreis verwaist. Aber das Warten auf einen Nachfolger für das Pfarrerehepaar Ulrike und Christian Dittmar hat bald ein Ende. Zum 1. September tritt Karl Mehl die Stelle an.

GrafrathDer 57-Jährige stammt aus Fürth und arbeitet derzeit noch in den zwei Münchner Kirchengemeinden Sendling und Westend. Der Wechsel von der Großstadt in die Diaspora, wo sich 3000 Gemeindemitglieder auf 26 Dörfer verteilen, dürfte trotzdem kein Kulturschock für ihn werden. Denn Mehl hat in der Vergangenheit schon eine Landpfarrei im Raum Dillingen innegehabt.

Auf die Arbeit im Brucker Landkreis freut er sich. „Ich habe mich sehr bewusst für Grafrath entschieden und freue mich auf die quicklebendige Gemeinde.“ Mehl hat die Gegend zwar vorher nicht gekannt („Wo Moorenweis liegt, hätten Sie mich vor einem Jahr nicht fragen dürfen.“), aber inzwischen bereits auf ausgedehnten Radtouren erkundet.

Fasziniert ist er vom unterschiedlichen Charakter der einzelnen Orte. „Jeder hat sein eigenes Gepräge.“ An der Kirchengemeinde reizen ihn unter anderem die von den Dittmars ins Leben gerufenen Bauwagengottesdienste und das reiche musikalische Leben mit zahlreichen Instrumentalgruppen und Kirchenkonzerten, den beliebten Michael-Musiken.

Der Vater zweier erwachsener Kinder kam selbst über die Musik zu seinem Beruf. Als Schüler spielte er Klavier und bald auch Orgel und landete zufällig als Organist in einer Kirchengemeinde der US Army, die damals noch in Franken stationiert war. Dort lernte er ein buntes kirchliches Leben kennen. „Manchmal ging es so fröhlich zu wie im Film ‘Sister Act’“, erinnert sich Mehl schmunzelnd.

Nach dem Theologiestudium in Erlangen und Wuppertal und einer Zeit als Gemeindepfarrer in Schwaben ging der Reformpädagoge in den Schuldienst, was ihm unerwartet viel Spaß gemacht habe. Doch nach zehn Jahren stellte er sich die Frage, ob er wirklich bis zur Rente Religionslehrer bleiben wolle – und nahm wieder eine Pfarrstelle an.

Moderne Gottesdienstformen

Mehl mag moderne Gottesdienstformen und hat eine Menge Erfahrung damit. Als Mitarbeiter der Nürnberger Stadtmission gestaltete er schon in jungen Jahren im Rahmen der „Kirche im Grünen“ Gottesdienste auf Campingplätzen – auch das ein Grund, warum ihn die hiesigen Bauwagengottesdienste sofort angesprochen haben. Als Tourismus-Pfarrer am Tegernsee feierte er Andachten am See und auf Bergen. „Diese Formate liegen mir sehr.“

Der Mitherausgeber eines Kindergesangbuchs und Multi-Instrumentalist – neben Klavier und Orgel spielt er Saxophon, Oboe, Querflöte und Gitarre – bringt ein starkes politisches Bewusstsein mit. Kurz vor der Corona-Krise veranstaltete er in einer seiner Münchner Kirchen eine Foto-Ausstellung zum Klimawandel. „Glaubensdinge und öffentliche Verantwortung müssen unbedingt verzahnt werden“, so seine Überzeugung.

Dass er gelegentlich „den einen oder anderen Satz raushaut“, für den er kritisiert wird, nimmt er in Kauf. Lieber diskutiert er kontrovers, als der Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen. „Ich empfinde Kirche manchmal als zu zurückhaltend.“

Privat liebt Mehl neben der Musik („mein Lebenselixier“) das Radeln und Wandern. Er engagiert sich im Verein WissenLeben der Klimaaktivistin und ehemaligen ÖDP-Landtagskandidatin Maiken Winter. Im Rahmen des Programms „anders wandern“ organisiert er zum Beispiel Touren zu abgeschmolzenen Gletschern, um die Folgen der Erderwärmung greifbar zu machen. „Es geht darum, die Schönheit der Naturerfahrung mit den schmerzhaften Punkten zu verbinden.“ Denn die, davon ist der Theologe überzeugt, darf man nicht ausblenden.

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