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Vom Rathaus aus – hier an einer Flurkarte – erklärt Markus Kennerknecht den Bürgern, was geplant ist.  

Serie: DIE NEUEN BÜRGERMEISTER IM WESTLICHEN LANDKREIS – HALBZEIT IM AMT 

„Erklären ist in Grafrath ganz wichtig“

Dass Grafrath kein einfaches Pflaster für einen Bürgermeister ist, das war Markus Kennerknecht (parteifrei) klar. 

GrafrathTrotzdem macht der Hattenhofener seinen Job sehr gerne. Vor drei Jahren wechselte er den Schreibtisch, es ging von einer Gemeindeverwaltung in die nächste: Der Hauptamtsleiter in Emmering wurde zum ersten hauptamtlichen Rathauschef in Grafrath. Tagblatt-Mitarbeiter Andreas Daschner hat mit dem 40-Jährigen über seine bisherigen Erfahrungen gesprochen.

-Herr Kennknecht, ist Ihnen in den zurückliegenden drei Jahren als Bürgermeister auch mal ein gepflegtes „Halleluja“ entfahren?

Des Öfteren.

-Heißt das, man fühlt sich als Hattenhofener in Grafrath ein wenig wie der Münchner im Himmel?

(lacht) Ganz so würde ich das nicht sagen. Aber manchmal bin ich schon etwas erstaunt über die Emotionen, die hier hochschlagen. Ich denke manchmal Dinge gerne laut an. Aber das ist hier schwierig, weil diese Dinge dann sehr schnell weiter und in die falsche Richtung getragen werden. Da musste ich lernen, dass ich damit vorsichtiger ein muss.

-Wie haben Sie als Außenstehender Grafrath vor Ihrem Amtsantritt gesehen, und hat sich diese Sicht gewandelt?

Gewandelt würde ich nicht sagen. Ich habe in den drei Jahren erlebt, dass wir ein sehr aktives Vereinsleben haben. Egal ob großer Sportverein oder kleine Initiative – da ist unglaublich viel Engagement dahinter. Das hat mich positiv überrascht. Dass die Bandbreite der Vorstellungen hier am Ort sehr weit auseinandergeht, wusste ich vorher. Vordergründig ist in Grafrath dabei oft eine gewisse Einigkeit da, die Meinungen gehen meist erst im Detail auseinander.

-Was sind denn die schönsten Aufgaben, die man als Gemeindechef in Grafrath hat, und was sind die schlimmsten?

Für einen Bürgermeister das Schönste und Angenehmste sind sicherlich Trauungen. Zu den Veranstaltungen der Vereine gehe ich auch sehr gerne. Ich fühle mich dort immer sehr willkommen. Weniger schön ist, wenn man zum Beispiel einem Bauwerber sagen muss, dass sein Bauantrag abgelehnt wurde. Das unschönste Erlebnis in Grafrath war aber der Einbruch ins Rathaus. Da hatte ich das „Halleluja“ wirklich in aller Deutlichkeit auf den Lippen.

-Haben Sie in den drei Jahren etwas getan, das Sie im Nachhinein anders machen würden?

Wo ich sicherlich Defizite hatte, war die Kommunikation nach außen. Ich dachte, wenn ich etwas am Montag im Gemeinderat erkläre und am Dienstag vielleicht noch zwei, drei Bürgern, dann versteht’s jeder. Das ist aber nicht so. Wir haben 4000 Bürger, die nicht immer die kompletten Informationen haben, sondern vielleicht nur das sehen, was sich vor ihrer Haustür abspielt. Das wiederholte Erklären, warum man etwas macht, ist ganz wichtig – auch um Gerüchten vorzubeugen.

-Hat sich Ihr Familienleben verändert?

Sicherlich. Es ist für mich die größte Herausforderung, den Spagat zu schaffen. Man muss schon aufpassen, dass die Familie nicht zu kurz kommt. Ich habe drei kleine Kinder und versuche, mir immer einen Tag in der Woche für die Familie frei zu halten. Die Arbeit ist zuhause kein Thema, da kann ich dann auch mal abschalten, und da bin ich auch froh drüber.

-Die Arbeit ist in der Familie also kein Thema. Wie sieht es mit der Familie bei der Arbeit aus, zum Beispiel bei Veranstaltungen?

Das versuche ich schon. Wenn es für die Kinder passt, dann nehme ich sie gerne mit. Sie freuen sich dann auch immer, wenn sie irgendwo dabei sein können.

-Gibt es etwas, das Sie in der aktuellen Amtsperiode unbedingt noch schaffen wollen?

Die Schaffung von Wohnraum. Dafür bin ich auch angetreten und das möchte ich in den nächsten drei Jahren noch für die Bevölkerung umsetzen, die gerne hier bleiben möchte. Das Einheimischenmodell in Mauern ist ein erster Schritt. Darüber hinaus sollen noch weitere Projekte auf den Weg gebracht werden, die aber sicherlich eher perspektivisch zu sehen sind.

-Glauben Sie, dass Sie perspektivische Vorhaben noch selbst umsetzen können? Von Seiten der BfG wird immer wieder Kritik am hauptamtlichen Bürgermeister laut.

Das Interesse an einer weiteren Amtsperiode ist da, ich mache die Aufgabe gern. Ich denke auch, dass der hauptamtliche Bürgermeister für Grafrath – unabhängig von meiner Person – alternativlos ist. Ich habe eine Wochenarbeitszeit von 65 bis 70 Stunden, und die Aufgaben werden nicht weniger. Ich sehe nicht, wie man das ehrenamtlich noch vernünftig bewältigen soll. Ob man trotzdem die Rolle rückwärts zum ehrenamtlichen Bürgermeister macht, ist eine Entscheidung, die der Gemeinderat treffen muss.

-Wo sehen Sie Grafrath in zehn Jahren?

Ich bin kein Freund großer Visionen. Mir geht es mehr um die praktische Arbeit, darum, dass die Gemeinde finanziell auf gesicherten Beinen steht. Ich würde mir auch wünschen, dass das Vereinsleben weiterhin so aktiv wie jetzt ist. Das ist für mich die Basis, und die politische Gemeinde sollte den Rahmen dazu zimmern.

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