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Dokumentation heute im Fernsehen

Film zeigt die Hüter des Ampermooses

21 vom Aussterben bedrohte Tier-und Pflanzenarten sind im Ampermoos zuhause. Gebietsbetreuer Christian Niederbichler kartiert sie und kämpft um ihre Erhaltung. Naturfilmer Florian Guthknecht hat ihn ein Jahr lang bei seiner Arbeit begleitet. Der Film wird am Montag im Fernsehen ausgestrahlt.

Kottgeisering/Grafrath Dort, wo die Amper den Ammersee verlässt, liegt das Ampermoos – eines der größten zusammenhängenden Niedermoore in Deutschland. Doch dieser Lebensraum ist bedroht. Zwischen Eching im Kreis Landsberg und Grafrath ist es kaum sechs Kilometer lang und nur ein paar hundert Meter breit. Nach jahrzehntelanger Entwässerung, Torfabbau und Überdüngung ist das Ampermoos auf die Hälfte seiner ursprünglichen Größe geschrumpft. Um die Tiere und Pflanzen, die dort leben, kämpft Christian Niederbichler, der Gebietsbetreuer im Moos. Ein Film-Team des Bayerischen Rundfunks hat ihn ein Jahr lang begleitet.

Herausgekommen ist die 45-minütige Dokumentation „Zuflucht Ampermoos“. Dabei geht es um die zahlreichen Wildschweine und neuerdings auch Waschbären, die das ökologische Gleichgewicht im Moos stören. Trotzdem ist das Naturschutzgebiet Zufluchtsort für seltene Tier- und Pflanzenarten. Mehr als 60 Brutvogelarten, zahlreiche Schnecken, Libellen und Muscheln hat Christian Niederbichler kartiert.

Doch die Arbeit des Gebietsbetreuers umfasst mehr als nur passives Beobachten, Messen und Zählen. Zusammen mit seinem Team – bestehend aus Franz Wimmer und Susanne Hofmann – kämpft er um die Erhaltung und Ausweitung der Artenvielfalt.

Wie es über viele Jahre hinweg gelingen kann, den Erhalt einer bedrohten Tierart zu fördern, zeigt sich am Beispiel des Brachvogels. Die Entwicklung der seltenen Vogelart im Ampermoos zieht sich wie ein roter Faden durch den Film. Vor 15 Jahren haben nur zwei Paare im Moos gebrütet, heute sind es sieben. Ein großer Fortschritt für die Naturschützer, der allerdings mit großem Aufwand verbunden war. Denn die Tiere haben viele Feinde.

Es beginnt mit der Eiablage. Die Tiere mit dem markanten langen und schmalen Schnabel sind Wiesenbrüter. Sie können nur dort brüten, wo zuvor Landwirte im Auftrag des Landschaftpflegeverbandes das Moos gemäht haben. Kaum liegen die Eier im Nest, zieht Niederbichler los. Damit Wildschweine und Füchse keine Eier fressen, zieht er einen Elektrozaun um das Gelege. Nach dem Schlüpfen lauert der Feind aus der Luft. Denn auf der Suche nach Beute ziehen große Greifvögel ihre Kreise über dem Moos. Die Vogeleltern versuchen dann verzweifelt, die Angreifer von ihrem Nachwuchs fernzuhalten. Erst wenn die Jungtiere erste Flugversuche unternehmen, löst sich bei den Naturschützern die Anspannung.

Freilich stehen im Ampermoos auch andere Arten im Fokus: die Flussperlmuschel, die sich in den Bächen Richtung Moos etabliert hat, oder der Flussregenpfeifer, der sogar auf Kiesflächen im Inninger Gewerbebaugebiet brütet.

„Der Artenrückgang ist nicht gottgegeben, sondern von Menschen verursacht“, so Niederbichler. Wenn wir uns darum kümmern, können wir auch etwas heilen“. Mit „wir“ meint der Biologe auch Spaziergänger, die ihre Hunde im Moos nicht frei herumlaufen lassen sollen. Landwirte sollten zudem überflutete Wiesen tolerieren. Niederbichler will die Menschen für die ökologischen Vorgänge im Moos sensibilisieren. Schulklassen etwa führt er auf den Naturbeobachtungsturm in Kottgeisering, den er maßgeblich gefördert hat.

„Trotz einiger Rückschläge ist das Ampermoos dank den Naturschützern zu einer Erfolgsgeschichte geworden“, stellt Florian Guthknecht im Film fest. Der mehrfach preisgekrönte Regisseur und Naturfilmer ist gebürtiger Fürstenfeldbrucker. Mit seinem Dokumentarfilm kehrt er nach vielen internationalen Projekten wieder in seine alte Heimat zurück. Besonders beeindruckend: die Luftaufnahmen des Ampermooses. Dafür ist Guthknecht mit einer Drohne zu verschiedenen Jahres- und Tageszeiten über das Gebiet geflogen. (mjk)

Heute Abend im TV

Der Film „Zuflucht Ampermoos“ ist am heutigen Montag, 18. Dezember, ab 21 Uhr im BR-Fernsehen zu sehen.

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