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Vertreter aus Grafrath im französischen Sitzungssaal: unter anderem der heutige Altbürgermeister Hartwig Hagenguth (rechte Seite, vorne Mitte), seine Frau und Ex-Gemeinderätin Dietlind Hagenguth (daneben, mit Krücke) und BFV-Chef Klaus Nerlich (rechte Seite, Vordergrund, im Halbprofil).

Nach sieben Jahren

Französischer Partnerort: Grafrath will es fix machen

Grafrath – Sieben Jahre lang ist im Grafrather Gemeinderat über eine Städtepartnerschaft mit dem französischen Lyons la Foret diskutiert worden. Jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht.

„In Grafrath dauert manches eben länger“, sagt Klaus Nerlich, Vorsitzender des Deutsch-Französischen Vereins (DFV). Die Idee zur Partnerstadt mit dem Dorf in der Normandie geht noch auf seine Amtszeit im Gemeinderat im Jahr 2009 zurück. Ein Urlaub war der Auslöser. „Wir waren auf dem Weg nach Irland und haben in der Normandie übernachtet“, sagt Nerlich. Im Hotel in dem 750-Seelen-Dorf Lyons la Foret war Nerlich mit der Hotelbesitzerin ins Gespräch gekommen. „Die Frau war Mitglied des Gemeinderats und hat sich nach einer möglichen Partnerschaft mit einer deutschen Gemeinde erkundigt“, berichtet Nerlich.

Gemeinsamkeiten: Kloster, Komponist und Versuchsgarten

Der Kontakt war geboren und entwickelte sich in den folgenden Jahren stetig, bislang aber nur inoffiziell. 2012 wurde schließlich der DFV gegründet – und parallel dazu ein Französisch-Deutscher Verein in Lyons la Foret. Jedes Jahr reist seitdem entweder eine Grafrather Delegation nach Frankreich oder eine Abordnung aus der Normandie nach Deutschland.

Impressionen aus dem 750-Seelen-Dorf Lyons la Foret: die Ravel-Villa...

Das rund 100 Kilometer vor den Toren von Paris gelegene Dorf hat einiges gemeinsam mit Grafrath: In beiden gibt es Klöster, in beiden einen Versuchsgarten – und beide beheimateten bereits einen großen Komponisten. Während die Grafrather stolz darauf sind, dass Carl Orff den Ort für seine Sommerfrische auserkoren hat, steht in Lyons la Foret eine Villa, in der Maurice Ravel gelebt hat. Der Versuchsgarten in dem französischen Dorf heißt Arboretum. Auch ihn haben Nerlich und seine DFV-Mitstreiter schon besucht. Die beiden Klöster in Lyons la Foret sind im Gegensatz zum Grafrather Pendant nicht mehr kirchlich genutzt. „In einem befindet sich ein Altersheim, das andere wird privat genutzt“, erzählt Nerlich.

...der Ortseingang des „Blumendorfes“.

Was den DFV-Vorsitzenden beeindruckt: „In Lyons la Foret gibt es fünf Gaststätten und vier Hotels.“ Davon kann das fast fünfmal so große Grafrath mit zwei Gasthäusern und einigen Fremdenzimmern nur träumen. Dass die Franzosen in diesem Bereich besser aufgestellt sind, verwundert nicht. „Dort leben die Menschen vom Tourismus“, erzählt Nerlich. Die Branche kämpft aber mit einem Problem: Die Engländer, früher Stammgäste in der Normandie, bleiben seit einigen Jahren aus. „Das Hotel, in dem ich vor sieben Jahren war, hat mittlerweile geschlossen“, erzählt Nerlich. Offiziell zwar aus Altersgründen. „Aber wenn das Geschäft besser gelaufen wäre, bin ich mir sicher, dass die Betreiberin noch ein paar Jahre drangehängt hätte.“

Eine Partnerschaft mit Lyons la Foret hält Nerlich für lohnend – wenngleich die beiden Partnervereine an Überalterung leiden. „Wir müssen die Jugend ins Boot holen“, sagt der DFV-Chef. Ideen dazu hat er bereits. So könnte zum Beispiel ein Austausch über die Pfadfinder oder die Jugendlichen beim Musikverein, der SpVgg Wildenroth oder der Feuerwehr organisiert werden.

Doch zunächst soll die Partnerschaft endlich offiziell bestätigt werden. Kulturreferentin Sybilla Rathmann (CSU) hatte mit einem Antrag im Gemeinderat den Anstoß dazu gegeben. Bürgermeister Kennerknecht (parteifrei) soll deshalb Gespräche mit den Franzosen aufnehmen. Das hohe Alter der bisher Beteiligten weckte zwar leichte Bedenken bei Peter Kaifler (Grüne). Doch von Nerlichs Plänen bezüglich der Jugend ließ auch er sich überzeugen. Rathmanns Antrag wurde jedenfalls einstimmig angenommen.

Von Andreas Daschner

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