Die Feuerwehr Grafrath zieht einen Baumstamm aus der Amper.
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Mit vereinten Kräften zieht die Feuerwehr einen Baumstamm aus der Amper.

Polizei prüft Sperre der Amper

18-Jährige gerät mit Stand-Up Paddle in Stromschnelle - schwer verletzt gerettet

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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Schrecklicher Badeunfall auf der Amper bei Grafrath: Eine 18-Jährige aus dem Landkreis geriet mit ihrem Stand-Up Paddle in eine Stromschnelle und ging unter. Sie wurde bewusstlos geborgen und ins Krankenhaus gebracht. Es war nicht der einzige Einsatz am Wochenende.

  • Durch den Regen haben sich in der Amper Stromschnellen gebildet
  • Eine 18-Jährige blieb mit ihrem Stand-Up Paddle hängen und wurde unter Wasser gezogen
  • Nach weiteren Unfällen prüft die Polizei eine fünftägige Sperre der Amper

Die junge Frau aus Puchheim war am Samstagnachmittag mit ihrem Freund und zwei weiteren Begleitern mit Stand-Up Paddles vom Ammersee nach Grafrath unterwegs. An der Sohlschwelle etwa 100 Meter oberhalb der Wasserwachtstation lag aufgrund des vielen Regens der vergangenen Tage ein riesiger Baum im Wasser. Zu sehen war jedoch nur eine kleine Spitze. Die drei Begleiter konnten die Gefahrenstelle umfahren. Doch die Sicherheitsleine des Paddels der 18-Jährigen verfing sich am Baumstamm. Sie kam nicht mehr los – eine dramatische Situation.

Badeunfall: Frau wird unter Wasser gedrückt

„Wenn ein Stamm im Wasser liegt, wird der Druck durch das nachfließende Wasser enorm hoch“, erklärt Rainer Bertram, Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes (BRK). Die junge Frau wurde immer wieder unter Wasser gedrückt und verlor das Bewusstsein. Ihre Begleiter konnten ihr nicht zu Hilfe eilen, denn sie kamen nicht gegen die starke Strömung an.

Nur ein kleines Stück des Baumstamms ragte aus der Amper heraus.

Mitglieder der Grafrather Wasserwacht hörten die verzweifelten Hilferufe. Ein Helfer ließ sich zu der Frau treiben, doch die Strömung spülte ihn unter dem Baumstamm durch. Auch ein Badegast versuchte es und hatte Glück. Er konnte an den Stamm kommen und das Stand-Up Paddle lostreten, berichtet Michael Gruber, Vorsitzender der Grafrather Wasserwacht. Die 18-Jährige wurde weitergetrieben. Eine Kinderärztin, sicherte sie von ihrem Kajak aus. An der Flipstelle, an der die Boote eingesetzt werden, konnte die Puchheimerin an Land gezogen werden.

Badeunfall: Reanimation gelingt

Drei Ärzte begannen mit den Einsatzkräften sofort mit der Wiederbelebung, bis die Rettungskräfte eintrafen. Die 18-Jährige konnte reanimiert werden und wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Die Feuerwehr Grafrath unterstützte die Erstversorgung, schirmte die Unfallstelle vor Schaulustigen ab und kümmerte sich um die Landung des Hubschraubers.

Mitglieder des Kriseninterventionsteams betreuten die Angehörigen und Unfallzeugen. „Die Frau hatte großes Glück, dass gleich die richtigen Helfer vor Ort waren“, so Bertram. Laut Polizei ist sie auf dem Weg der Besserung.

Feuerwehr zieht zwei Bäume aus der Amper

Zwei bis drei Tonnen wiegt der Baumstamm, den die Feuerwehr aus der Amper zog.

Für die elf Mitglieder der Wasserwacht und 20 Helfer der Feuerwehr war der Einsatz noch nicht beendet. Sie zogen zwei große Baumstämme aus der Amper. Zwei bis drei Tonnen schwer war der, an dem sich das Paddle verfing, berichtet Kommandant Jörn Voortmann. „Der Rest ist weggeschwommen.“ Rund vier Stunden waren die Einsatzkräfte im Fluss beschäftigt. Als das ganze Geäst entfernt war, stieg der Pegel dort kurzzeitig um zwei Zentimeter an, berichtet Gruber. „Da ist das aufgestaute Wasser durchgerauscht.“ Ein Baumstamm ist am Ufer gesichert, der große liegt auf der Wiese beim Dampfschiff.

Weiterhin Gefahr für Badeunfälle

Gebannt ist die Gefahr nicht. „Der Wasserstand ist unverändert hoch, die Amper fließt wahnsinnig schnell“, berichtet Bertram. Gefährlich wird es vor allem im Bereich der Wehre. Durch den starken Regen wurde Treibgut eingeschwemmt „Das kann man im Wasser nicht sehen.“ Und so können sich Boote, Paddels und Schwimmer an der unsichtbaren Gefahr verfangen.

Eine Situation, die auch die Wasserwacht immer wieder übt, wie der BRK-Kreischef berichtet. Dann werde von der Amperbrücke ein Stamm ins Wasser gelassen, den die Helfer überwinden müssen. Wichtig sei, immer über das Hindernis zu kommen. Wer den Weg darunter hindurch wähle, könne schnell festhängen. Gruber rät, an der Lände auszusteigen und bei der Flipstelle oder der Wasserwacht weiterzufahren.

Badeunfälle: Zwei weitere Einsätze am Sonntag

Am Sonntagnachmittag musste die Wasserwacht erneut ausrücken. Eine 16-Jährige fiel gegen 13.30 Uhr bei Schöngeising aus einem Schlauchboot und wurde abgetrieben. Die Bootsbesitzer setzten einen Notruf ab, berichtet Bertram. Sie konnten das Mädel jedoch selbst wieder ins Boot ziehen.

Die Wasserwacht war bereit vor Ort und konnte gleich noch einmal helfen. Denn vor ihren Augen kenterte ein Boot. Drei der vier Insassen tauchten wieder auf. Der vierte wurde unter Büschen abgetrieben. Wasserwachtler und Grafrather Feuerwehrleute fischten ihn aus dem Wasser. Nach einer ärztlichen Untersuchung konnte der Mann mit dem Boot weiter fahren. Im Einsatz waren rund 20 Helfer.

Nach Unfällen: Polizei prüft Sperrung der Amper

Aufgrund der aktuellen Gefahrenlage prüft die Polizei eine fünftägige Sperrung der Amper zwischen Grafrath und Fürstenfeldbruck, wie Bertram berichtet. Das sei ganz im Sinne der Wasserwacht. „Wir haben das mit angeregt.“

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