Offene Treffs bei lockerer Atmosphäre gehörten zum Vereinsleben des Frauentreffs Grafrath-Kottgeisering.
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Offene Treffs bei lockerer Atmosphäre gehörten zum Vereinsleben des Frauentreffs Grafrath-Kottgeisering.

Grafrath/Kottgeisering

Frauentreff löst sich mangels Nachfrage auf

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Mehr als 20 Jahre lang hat der Frauentreff Grafrath-Kottgeisering Möglichkeiten zum Austausch und Veranstaltungen für Frauen angeboten. Doch damit ist jetzt Schluss. Der Verein löst sich auf. Gründe sind ein tragischer Tod sowie rückläufiges Interesse am Vereinsleben.

Grafrath/Kottgeisering – „Annelie Heldeisen war die treibende Kraft im Verein. Sie war Kopf, Seele und Herz des Ganzen“, sagt die Vize-Vorsitzende Ilona Maier über die engagierte Vereinschefin. Nach schwerer Krankheit ist Annelie Heldeisen aber im April 2020 gestorben. Ein herber Schlag auch für den Frauentreff. Das Interesse am Verein geht seitdem zurück.

Seit der Gründung des Vereins im Jahr 1998 bot der Frauentreff Grafrath-Kottgeisering Frauen aus verschiedenen beruflichen und gesellschaftlichen Schichten die Möglichkeit, sich auszutauschen und sich mit politischen, kulturellen und beruflichen Themen als Frau auseinanderzusetzen. Offene Treffs bei lockerer Atmosphäre gehörten ebenso zum Vereinsleben wie diverse Veranstaltungen – darunter Städtefahrten, Führungen, Tagesausflüge, sportliche Betätigungen, Farb- und Stilberatungen. Im Jahr 2000 wurde außerdem eine Selbsthilfegruppe für krebskranke Frauen auf den Weg gebracht. Zudem wurde eine Mädchengruppe initiiert, die zwischenzeitlich dem Jugendtreff zugeführt wurde. Und nicht zuletzt war der Frauentreff auch immer wieder bei gemeindlichen Veranstaltungen wie zum Beispiel der Radlrallye oder dem Ferienprogramm vertreten.

„Die Beteiligung an den Veranstaltungen ist zuletzt aber immer weniger geworden“, sagt Ilona Maier. Es sei frustrierend, wenn die Angebote nur noch von einem kleinen Kreis wahrgenommen würden. „Da beginnt man dann, die Dinge zu hinterfragen.“ Dabei kam Maier zu dem Schluss, dass der Frauentreff nicht mehr genügend angenommen würde. Und auch die Mitglieder seien Stück für Stück weg gebröckelt. „Zuletzt waren wir nur noch elf.“

Die Vize-Vorsitzende selbst hat nur bedingt Möglichkeiten, etwas dagegen zu tun. Sie lebt seit rund fünf Jahren aus familiären Gründen in der Nähe von Nürnberg. Es war Wunsch der Mitglieder, dass sie dennoch 2. Vorsitzende bleibt.

„Während der Krankheit von Annelie Heldeisen war ich oft in Grafrath“, sagt Ilona Maier. Nun stelle sich aber mehr und mehr heraus, dass die Zeit für die Vereinsarbeit einfach fehlt. Und so war die Jahresversammlung des Frauentreffs am 9. Dezember 2020 die letzte in der Vereinsgeschichte.

Die verbliebenen Mitglieder haben schweren Herzens die Auflösung des Vereins beschlossen. Als Liquidator wurde Annelie Heldeisens Ehemann Sepp eingesetzt, den viele Grafrather aus seinem politischen Ehrenamt im Gemeinderat kennen.

Dass ein Mann den Frauentreff abwickelt, entlockt Ilona Maier bei aller Trauer über die Auflösung ein gewisses Amüsement. „Aber er ist dafür einfach gut geeignet.“ Zumindest rechnerisch wird Sepp Heldeisens Aufgabe nicht allzu herausfordernd werden: „Unser verbliebenes Vereinsvermögen war minimal“, sagt Maier.

Ein Jahr lang können nun etwaige Gläubiger noch schriftlich ihre Ansprüche bei Sepp Heldeisen, Am Pechhölzl 10, 82284 Grafrath, anmelden. Was dann an Geld übrige ist, geht an die Gemeinde und soll sozialen Projekten zugeführt werden.

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