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Bei Grafrath werden momentan die Gleise erneuert.

Zwischen Grafrath und Geltendorf

Gleiserneuerung wird zur Geduldsprobe für Pendler und Anwohner

Auf der S 4-Trasse zwischen Geltendorf und Grafrath tauscht die Bahn alte Schienen und Gleise aus. Für Pendler und die Anwohner sind die Bauarbeiten samt Riesenmaschinen und Warnhupen aber eine gehörige Belästigung.

Türkenfeld/Grafrath – Lange gelbe Ungetüme – riesige Maschinen – schieben sich momentan auf den Bahn-Gleisen von Grafrath nach Türkenfeld und später nach Geltendorf. Sie gehören der Baufirma Joseph Hubert, die im Auftrag der DB die Gleise erneuert. Noch bis 24. April dauern die Arbeiten an. Die finden in zwei Etappen statt. Erst werden die Gleise Richtung Geltendorf erneuert, anschließend von Geltendorf Richtung Bruck. Dafür ist immer jeweils ein Gleis gesperrt.

Die Anwohner brauchen während dieser Zeit Geduld und starke Nerven. Belastend ist die Lautstärke der Maschinen, die einen Spitzenwert von 113 Dezibel erreichen kann. In der Nacht zwischen 22 und 6 Uhr werden die Arbeit auch deshalb eingestellt. Die Anwohner dürfte das freuen, doch dem Bauleiter der Firma Hubert, Frank Dumalski, kosten diese Unterbrechungen eine Menge Zeit: „Früher haben wir diese Strecke in der Hälfte der Zeit geschafft.“ Bei den Erneuerungsarbeiten sind in zwei Schichten 40 bis 45 Bauarbeiter eingesetzt, wovon ein Teil in den angehängten Schlafwagen zur Ruhe kommt – trotz des unangenehmen Tutens, das tagsüber immer wieder ertönt und die Anwohnern schon genervt hat.

Jedes Mal wenn ein Zug kommt, trötet es - das ist Vorschrift

„Das ist ein Warnsignal, damit die Bauarbeiter das Gleis verlassen können“, erklärt Bahn-Sprecher Bernd Honerkamp. Es ertönt zwischen 6 und 22 Uhr immer dann, wenn ein Zug auf dem nicht gesperrten Gleis vorbei fährt. „Das ist Vorschrift.“

Damit wenigstens nachts Ruhe herrscht, werden die Arbeiten von 22 bis 6 Uhr unterbrochen, erklären Vitali Krebs (l.) von der Bahn und Bauleiter Frank Dumalski.

Der Fahrplan wurde zwar für die Zeit der Bauarbeiten ausgedünnt, aber auf der Strecke verkehren immer noch viele Züge: Güterzüge, Fernverkehrszüge Richtung Zürich, Regionalzüge Richtung Allgäu und S-Bahnen. Das Warnsignal wird also nach Einschätzung Honerkamps recht häufig ertönen.

Doch der Bahn-Sprecher hat auch einen Trost für die lärmgeplagten Bürger – zumindest einen kleinen: Die Baustelle wandert entlang der Strecke – und damit auch das Tuten. Es ist mal mehr in Geltendorf, mal mehr in Grafrath und mal mehr in Türkenfeld zu hören. Nötig sind die Maßnahmen – da gibt es laut Bahn keine Diskussion. Denn die Schienen sind bereits zehn Jahre alt und die Schwellen wurden bereits seit 1974 nicht mehr ausgetauscht.

Signalhörner wurden sogar schon beschädigt

Obwohl die eigentlichen Bauarbeiten, also der Austausch der Gleise, erst am Dienstag begonnen haben, war das unangenehme Signal schon am Wochenende zu hören. Denn die Schrauben der Gleise wurden gelöst. „Das können die großen Maschinen, mit denen die Schienen ausgetauscht werden, nicht“, erklärt Honerkamp.

Und obwohl die Maßnahmen schriftlich durch das Verteilen eines Mitteilungsblattes angekündigt wurden, gibt es immer wieder Beschwerden und selbst Anrufe bei der Polizei. Signalhörner wurden sogar schon beschädigt. „Das wird immer schlimmer. Die Leute haben kein Verständnis mehr“, sagt Dumalski.

Komplette Sperrungen Ende März und Mitte April

Naturgemäß wird es auch bei den S-Bahnen zu Ausfällen kommen. Zwischen Grafrath und Geltendorf fährt nur einmal in der Stunde eine S-Bahn, sonst ist ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. An den Wochenenden vom 25. bis 27. März und 15. bis 17. April wird die Strecke komplett gesperrt. Dann müssen die Pendler den Ersatzverkehr nutzen und die Fern- und Regionalzüge werden über Augsburg umgeleitet. Diese Vollsperrungen sind notwendig, da in Türkenfeld beide Gleise zur selben Zeit gesperrt sein werden.

Insgesamt wird die Bahnstrecke auf einer Länge von 8760 Metern erneuert. Das bedeutet, dass allein auf diesem eigentlich recht kurzem Stück rund 35 040 Meter Schiene, 29 200 Schwellen – so heißen die Betonverbindungen zwischen den Gleisen – und 22 700 Tonnen Schotter benötigt werden. Die Bahn investiert 12,2 Millionen Euro.

von Eva Dobler und Tom Eldersch

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