Das erste Exemplar seines Buches überreichte Ernst Meßmer (r.) an Pater Flavian Michale.
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Das erste Exemplar seines Buches überreichte Ernst Meßmer (r.) an Pater Flavian Michale.

Neues Buch

Graf Rath: Historische Figur versus Legende

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Zahlreiche Sagen und Mythen ranken sich um den Heiligen Rasso, den Namenspatron der Gemeinde Grafrath. Dass darüber die historische Person Graf Rath in Vergessenheit gerät, will der Ortshistoriker Ernst Meßmer mit seinem neuen Buch verhindern.

Grafrath – „Graf Rath“ lautet der Titel des rund 270 Seiten starken Werks. Der Untertitel klingt beinahe ein wenig reißerisch: „Nachruf auf einen Mann, dem seine Identität genommen wurde“. Und doch trifft die Aussage, Rasso sei seine Identität genommen worden, den Kern dessen, was mit der historischen Figur des Ortsheiligen geschehen ist und wie mit ihrem Vermächtnis umgegangen wird.

Um Figur ranken sich Legenden

2,50 Meter groß, Schlachtensieger über die Sarazenen und Ungarn, der mit einem Speerwurf den Standort für seine Klostergründung markierte. So erscheint der Graf Rath, der erst später von einem spätmittelalterlichen Chronisten den Namen Rasso bekam, in vielen Darstellungen. Kein Wunder also, dass der Figur inzwischen selbst der Ruf anhängt, legendär oder sagenhaft zu sein. Mithin wird sogar seine historische Existenz angezweifelt. Meßmer deutet dies als „schwindende Verehrung des Mannes in der Kirche und fehlende Wertschätzung in der politischen Gemeinde“. Dieser Entwicklung will er mit dem Buch entgegentreten.

Mit dem Grafen Rath beschäftigt sich der inzwischen 85-jährige Studiendirektor im Ruhestand schon länger. „Mit der Suche nach den Quellen zum Ortspatron begann ich schon bald nach meiner Pensionierung als Lehrer“, sagte er. Das neue Buch ist auch nicht das erste Werk, in dem er sich mit dem Heiligen Rasso beschäftigt.

Grab als Beleg für historische Existenz

Bereits 2009 erschien ein Artikel mit dem Titel „Grafrath und die Anfänge von Dießen und Andechs“ in der Zeitschrift „Oberbayerisches Archiv“. Allerdings, so Meßmer, schlummert ein solcher Artikel „wie üblich selig im Elfenbeinturm der Geschichtswissenschaft“. Deshalb entschied er sich zur Veröffentlichung des neuen Buches. „Zu diesem Zweck ging ich nochmals alle frühen Quellen in den originalen Handschriften im Bayerischen Hauptstaatsarchiv und in der Bayerischen Staatsbibliothek durch und gewann noch klarere Vorstellungen.“

In seinem Buch arbeitet Meßmer heraus, was in den Archiven gerade nicht zu finden und daher spätere Erfindung ist, was andererseits aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit angenommen werden kann. Ein ganz zentraler Beleg für die historische Existenz des Grafen Rath ist für Meßmer dabei das Grab, das noch heute in der Klosterkirche zu sehen ist, und aus dem später sogar die Gebeine des Ortsheiligen gehoben wurden. Alleine die Existenz von Grabstätte und Gebeinen sei „die einzig sichere und in ihrer Art einzigartige Quelle für die historische Existenz und Bedeutung des Mannes“, schreibt Meßmer in seinem Buch.

Heiliger ohne Heiligsprechung

Andererseits trug ausgerechnet die Größe des Grabes zur Legendenbildung bei. Denn es wurden fälschlicherweise die Außenmaße der Ruhestätte mit ihrer Länge von 2,57 Metern als Grundlage für die Körpergröße Rassos genommen. Zwar war der Graf Rath für seine Zeit wohl in der Tat recht groß, maß aber wohl heute eher durchschnittliche 1,80 Meter.

Die bereits erwähnte Speerwurflegende schreibt Meßmer dem Sagensammler Alexander Schöppner zu, der sich durch den ungewöhnlichen Standort der Klosterkirche mitten im Ampermoos zur Erfindung einer Gründungsgeschichte veranlasst gesehen haben könnte. Weiter erfährt man unter anderem, warum die Siege gegen Sarazenen und Ungarn so nicht stattgefunden haben können und warum Graf Rath heute als „Heiliger Rasso“ bezeichnet wird, ohne dass jemals eine Heiligsprechung stattgefunden hat.

Bei allen tatsächlichen Erfindungen rund um Rasso, kommt Meßmer zum Fazit, dass die historische Existenz des Mannes nicht angezweifelt werden kann. In seinem Nachwort schreibt er: „Zwischen den sicheren und den unhaltbaren Überlieferungen bleiben genügend Dinge, die man in Zusammenhang mit dem vorhandenen Grab guten Gewissens als glaubwürdig festhalten und öffentlich vertreten kann, solange nicht etwas anderes als sicher nachgewiesen wird.“

Das Buch

ist mit der ISBN-Nummer 978-95551-123-4 im Bauer-Verlag erschienen und kann zum Preis von zwölf Euro bestellt oder im Edeka-Supermarkt am Grafrather Bahnhof gekauft werden.

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