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Zentrales Feuerwerk statt privater Knallerei?

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Von: Andreas Daschner

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Viel Müll bleibt jedes Jahr nach den Silvester-Feuerwerken liegen.
Viel Müll bleibt jedes Jahr nach den Silvester-Feuerwerken liegen. © DPA

Feuerwerk an Silvester hat eine lange Tradition. Die negativen Auswirkungen des lauten Spaßes waren lange nebensächlich. Doch das ändert sich. Der Sinn der Knallerei wird immer häufiger in Frage gestellt. So auch im Grafrather Gemeinderat.

Grafrath – Während der Sommer auf Touren kommt, war beim Grafrather Gemeinderat der Jahreswechsel noch einmal ein Thema: Grünen-Rat Peter Kaiffler möchte die Silversterknallerei ein wenig eindämmen. Im Gemeinderat wurde das kontrovers diskutiert. Abgesehen vom Müll, der negativen Auswirkungen auf die Haus- und Wildtierwelt und den Verletzungen, die jedes Jahr durch unsachgemäßen Gebrauch der Böller vorkommen, verwies Kaiffler auch auf den Feinstaub.

Bei der Knallerei würden in wenigen Stunden knapp 16 Prozent des jährlichen Feinstaubausstoßes des deutschen Kraftverkehrs erzeugt – also die Menge, die in zwei Monaten ausgestoßen wird. „Würde man die Menschen fragen, ob sie lieber zwei Monate auf ihr Auto oder auf die Knallerei verzichten, würde die Antwort wahrscheinlich eindeutig ausfallen“, sagte Kaiffler. Er habe bei vielen Grafrathern Bedenken gegen die ausufernde Knallerei vernommen – „nicht nur von Tierbesitzern und jungen Eltern, auch von Jugendlichen die sich umweltbewusst verhalten wollen“, so der Grünen-Rat.

Grafrath: Zentrales Feuerwerk soll privates Böllern eindämmen

Einig war man sich im Gremium, dass ein Verbot nichts bringe – zumal es die Gemeinde laut Bürgermeister Markus Kennerknecht (parteifrei) auch gar nicht aussprechen könne: „Vom Gesetz ist das Abbrennen von Feuerwerkskörpern an Silvester erlaubt“, betonte der Rathauschef. Kaiffler schlug vor, dem individuellen Abbrennen von Böllern und Raketen ein gemeinsames Feuerwerk entgegensetzen. „Damit könnte man der wilden Ballerei vielleicht etwas Einhalt gebieten“, sagt er.

Während Hartwig Hagenguth (BfG) in einem ersten Schritt drei bis fünf Stellen vorgeben wollte, an denen gemeinsam geballert werden soll, stieß der Vorschlag an anderer Stelle aber auf Gegenwind. Gerald Kurz (CSU) hegte die Befürchtung: „Stell dir vor, es ist Feuerwerk, und keiner geht hin.“ Die Gefahr, dass eine zentrale Veranstaltung nicht angenommen wird, war ihm angesichts der hohen Kosten und des Aufwandes – unter anderem möglicherweise für einen Sicherheitsdienst – zu groß. Fraktionskollegin Sybilla Rathmann gab außerdem zu bedenken, dass die Anwohner der zentralen Stellen stärker belastet würden, als der Rest. Bernd Traut (GE) ergänzte, dass er nicht wolle, dass von seinen Steuergeldern ein Feuerwerk finanziert wird.

Grafrath: Die Menschen frühzeitig auf die Nachteile von privatem Feuerwerk hinweisen

„Wir können höchstens an die Leute appellieren, dass sie sich in der Nachbarschaft zusammentun.“ Burkhard von Hoyer (BfG) forderte, dass der Bürgermeister jedes Jahr einen Apell an die Bürger richten solle. Das lehnte Benedikt Fischer (CSU) aber strikt ab: „Wenn wir uns im Rat schon nicht ganz einig sind, sollten wir nicht den Bürgermeister voranschicken.“ Auf Aufklärung wollen indessen Rathmann und Max Riepl-Bauer (CSU) setzen. Die CSU-Rätin schlug vor, die Initiative „Klimaaktiv vor Ort“ ins Boot zu holen. Diese habe große Erfolge mit der Aktion „Eine Woche ohne...“ erzielt, bei der die Menschen zum Beispiel auf Fleisch oder Auto verzichten sollten. Eine ähnliche Aktion könnte sich Rathmann auch bezüglich des Feuerwerks vorstellen.

Riepl-Bauer regte außerdem an, jedes Jahr in der Dezember-Ausgabe des Mitteilungsblattes eine wertfreie Aufklärungsaktion zu starten. „Dort könnte man neutral die Auswirkungen eines Feuerwerks beschreiben, dann kann jeder darüber nachdenken.“ Fischer ergänzte, dass zudem jeder Gemeinderat für sich einen entsprechenden Appell an die Bürger richten könne. Konkrete Beschlüsse dazu fasste das Gremium in der Sitzung jedoch nicht.

Sowohl in Puchheim als auch in Eichenau hat man schon über ein zentrales Feuerwerk nachgedacht. Polizisten und Umweltschützer appellieren ebenfalls an die Vernunft der Bürger und hoffen, dass weniger geböllert wird. 

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