Der Chor „Arte Choralis Michaelis“ der evangelischen Michaelkirche in Grafrath: Franz Wich (l.) gibt die Leitung nach 17 Jahren ab. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht.

Grafrath

Chorleiter verabschiedet sich musikalisch

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Es waren Gänsehautmomente, die der Männerchor „Arte Choralis Michaelis“ den Besuchern der Grafrather Michaelkirche häufig bescherte. Die Sänger trugen Arrangements vor, die Chorleiter Franz Wich für sie geschrieben hatte. Am Sonntag ist der Chor letztmals unter seiner Leitung zu hören.

GrafrathFranz Wich gibt den Chor „Arte Choralis Michaelis“ ab. Der 59-jährige Pfarrer im Schuldienst will nach und nach „Ballast abwerfen“ und sich „aufs Alter vorbereiten“, wie er sagt. „Ich werde dieses Jahr 60. Da wuppen Sie einfach nicht mehr so viel.“Er merke, dass ihn der Schuldienst mehr Kraft koste als früher. Der Grafrather unterrichtet in Vollzeit am Sophie-Scholl-Gymnasium und einer Freien Waldorfschule in München.

Daneben begleitet ihn die Kirchenmusik bereits seit Jugendzeiten. Er ist Organist, hat Gesang studiert und in den verschiedensten Formationen gesungen. Die ehrenamtliche Leitung des Männerchors „Arte Choralis Michaelis“ hat ihm 17 Jahre lang viel Freude, aber auch viel Arbeit gemacht. Da es für reine Männerchöre nur wenig Literatur gibt, nahm sich Wich Instrumentalwerke oder Stücke für gemischte Chöre vor und schrieb sie für seine Zwecke um. „Dabei war es mein persönlicher Ehrgeiz, Überraschungseffekte und ungehörte Klangfarben zu erzeugen.“

Oft musste er dann bis zum Schluss zittern, ob die Musik überhaupt so aufgeführt werden konnte. „Denn wenn von zwölf Leuten einer fehlt, wird es grenzwertig.“ Das hat Nerven gekostet.

„Arte Choralis Michaelis“ war immer ein Projektchor. Drei- bis sechsmal im Jahr taten sich die Sänger in unterschiedlichen Formationen für einzelne Aufführungen zusammen. „Unsere Klänge gab es so nicht. Das war unser Markenzeichen“, sagt Wich. Neben Chorälen, Psalmen und Gregorianik hat er ein Faible für moderne Klangexperimente, bei denen die Sänger zum Beispiel Kirchenglocken verkörpern oder festgelegte musikalische Bausteine spontan und eigenständig zusammensetzen, statt nur dirigiert zu werden.

Wie es nach Wichs Abschied mit dem Chor weitergeht, ist offen. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. „Ich habe in dieser Richtung nichts unternommen“, sagt der Vater dreier erwachsener Kinder und bald dreifache Großvater. „Ich weiß aber, dass es den Sängern fehlen wird – auch wenn alle noch in anderen Chören singen.“ Am Sonntag zieht „Arte Choralis“ in der Michaelkirche noch einmal alle Register. Im Rahmen des 10-Uhr-Gottesdienstes mit Abendmahl sind zum Ausklang der Weihnachtszeit festliche Werke zu hören, darunter zwei Stücke aus der „Marienvesper“ von Monteverdi, Motetten von Mendelssohn-Bartholdy und Heinrich Schütz sowie Weihnachtslieder. Unterstützt werden die Sänger vom Bläserensemble „BlechvErlangen“ und der Band „Bass pro toto“. „Das werden wir noch einmal so richtig genießen“, sagt Franz Wich. Die Zuhörer sicher auch.

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