In seiner eigenen Welt: Wenn Michael Fischer den Pinsel schwingt, dann fällt alles von ihm ab, wie er sagt. 
+
In seiner eigenen Welt: Wenn Michael Fischer den Pinsel schwingt, dann fällt alles von ihm ab, wie er sagt. 

Grafrath

Im Ruhestand Zeit fürs Hobby: Dieser Schreiner ist auch Maler

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
    schließen

Viele Jahre war Holz das Metier des Grafrather Schreiners Michael Fischer. Daneben interessierte er sich aber auch für Öl und Aquarell – in Form von Malerei. Im Ruhestand kann er seine künstlerische Ader nun voll ausleben.

Grafrath – In manchen Nächten findet Michael Fischer einfach keinen Schlaf. Dann packt ihn der Rappel und er setzt sich vor seine Leinwand. Mit Pinsel und Farbe arbeitet er dann weiter an seinem nächsten Gemälde – bekleidet nur im Nachthemd. „Sehr zum Leidwesen meiner Frau“, wie der 75-Jährige schmunzelnd berichtet. Denn oft bleibt auch mal der eine oder andere Farbklecks auf dem Kleidungsstück zurück.

„Sie fragt mich dann immer: Muss das sein?“ erzählt Fischer. Ob es sein muss, sei dahin gestellt. Klar ist aber: Es lässt sich manchmal einfach nicht vermeiden. Denn wenn Fischer den Pinsel schwingt, dann taucht er in seine ganz eigene Welt ab. „Während dem Malen fällt alles von mir ab“, sagt der Schreiner im Ruhestand. Beigebracht hat er sich das Kunsthandwerk selbst.

Zur Malerei gekommen ist der gebürtige Münchner durch seine Mutter. „Mal mir mal ein Winterbild, bei dem es mich so richtig friert“, habe sie einst – irgendwann um 1980 herum – zu ihm gesagt. Und das tat Fischer dann auch. Von diesem Moment an, ließ ihn die Malerei nicht mehr los. Berge wie Mont Blanc oder die Zugspitze, alte Bauernhöfe mit morbidem Flair, Stillleben, Tiere – das Sujet Fischers ist vielfältig.

Tiere, Berge, Stilleben; Die Objekte, die Fischer malt, sind sehr unterschiedlich. 

„Angefangen habe ich mit dem Bleistift“, erzählt er. „Irgendwie hatte ich Angst vor der Farbe.“ Die hat der Grafrather freilich längst abgelegt – auch Dank eines Besuchs bei Professor Horst Sauerbruch an der Akademie der Bildenden Künste München. „Er brachte mich so weit, dass ich alleine meine Ideen und Gedanken umsetzen konnte.“ Seitdem malt Fischer bevorzugt in Öl und Aquarell – der Königsklasse der Malerei, wie Fischer sagt. „Mit Öl kann man mal einfach drübermalen, bei Aquarell muss jeder Pinselstrich sitzen.“

Als klassischer Autodidakt lernte er durchs Tun. „Mit jedem Pinselstrich kam ich ein Stück weiter.“ Seine Taktik: „Ich versuche stets, eine einmal begonnene Arbeit nicht wegzuwerfen.“ Immer weiter malen und dabei versuchen, das Maximum herauszuholen, das ist die Devise Fischers. Nur in seltenen Fällen gelingt ihm das nicht, sodass das angefangene Blatt doch mal im Müll landet.

Die bemalte Decke

Was ihn an der Malerei reizt, sei die Herausforderung, ob man etwas schafft. Dieser stellte sich Fischer auch einmal, als er noch als Schreiner tätig war. „Wir haben eine Zimmerdecke für einen Jäger gemacht“, erinnert sich Fischer. „Wir“, das sind er und sein Sohn Benedikt, der die Schreinerei mittlerweile übernommen hat. Besagte Decke hatte Aussparungen, die Fischer – ohne Wissen des Kunden – mit Bildern füllen wollte.

Nachdem er bis dahin viele Landschaftsvariationen gemalt hatte, sollten diesmal auch Waldtiere mit aufs Bild. Schließlich war es ja die Decke eines Jägers. Nach anfänglicher Selbstskepsis gelang es Fischer, Rotwild und Fuchs zu malen. Und der Kunde? „Der sah sich die Decke an und sagte erst einmal nichts.“ Fischer wurde bereits nervös. „Ich hatte schließlich keine Alternative für die Aussparungen dabei.“ Doch dann die Erleichterung: Der Jäger war begeistert.

Heute, so sagt Fischer, malt er fast alles – bis auf Porträts und abstrakte Kunst. „Das kann ich einfach nicht“, meint er. Versucht hat er es freilich, zum Beispiel mit einem Porträt seiner Frau Gretel. Der Grafrather betrachtet die Bleistiftzeichnung noch einmal kritisch, sagt dann aber: „Es ist ein schönes Bild, aber das ist einfach nicht meine Frau.“

Mit seinem Hobby im Ruhestand ist der Grafrather überglücklich, wie er sagt – zumal er mit dem Fernseher im Clinch liege. „Mir gefällt nicht, was da rauskommt“, sagt er über sein TV-Gerät. Wenn andere also das Abendprogramm schauen, greift Fischer lieber zum Pinsel, der in seinem Atelier immer bereit liegt und nie aufgeräumt wird. Denn, so die Erfahrung des Malers: „Wenn die Utensilien mal verräumt sind, fängt man nicht mehr an.“

Das jedoch ist das Wichtigste beim Malen, wie Fischer betont. Einfach mal anfangen. Das rät er auch Menschen, die zu ihm sagen, dass sie solche Bilder wie er nicht malen könnten. „Ich frage dann immer: Hast Du es schon mal probiert?“ Fischer jedenfalls ist sich sicher: „Malen kann ein jeder – man muss nur mal anfangen.“ Zum Beispiel mit einem fröstelnden Winterbild für die Mutter.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare