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Unter Denkmalschutz: Die St. Nikolaus-Kapelle und der Alte Wirt (zwischen den Bäumen) im Grafrather Ortsteil Wildenroth.

Grafrath

Ensembleschutz für Wildenrother Ortskern?

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Zahlreiche alte Bauten prägen den Wildenrother Ortskern entlang der Hauptstraße. Das ehemalige Gemeinderatsmitglied Peter Kaifler (Grüne) will diesen Bereich im Grafrather Ortsteil deshalb schützen. Wie das geschehen soll, darüber sind sich die neuen Ratsmitglieder allerdings noch nicht einig.

GrafrathBereits Ende Februar hatte Kaifler den Antrag im Rathaus eingereicht. Weil wegen der Coronapandemie nur absolut notwendige Punkte besprochen werden durften, musste das Thema jetzt ohne den Antragsteller diskutiert werden. Kaifler wurde bei der Kommunalwahl nicht mehr ins Gremium gewählt.

Sein Parteikollege, der neu gewählte Arthur Mosandl, erklärte zum Antrag, dass Kaifler anstrebe, das identitätsbildende Ensemble im Ortskern zu erhalten. Dort liegen mit der alten Mühle, der St.-Nikolaus-Kapelle um den ehemaligen Alten Wirt bereits drei denkmalgeschützte Bauwerke. Doch auch mehrere weitere Häuser in deren Nachbarschaft sind nach Kaiflers Ansicht in ihrer jetzigen Form erhaltenswert.

Auslöser für seinen Antrag war der Wunsch eines Bauherren, an eines der Gebäude, ein altes Bauernhaus, einen französischen Balkon anzubauen. Wie das frühere Ratsmitglied in seinem Antrag schreibt, treffe ein derartiger Umbau „den Kern unerwünschter Veränderungen“. Er wünscht sich daher einen Ensembleschutz.

Bürgermeister Markus Kennerknecht (parteifrei) sieht dabei Probleme. Zum einen seien in dem Bereich auch zwei, drei Häuser aus den 1960er-Jahren, die einen Ensembleschutz in Frage stellen. Diesen Schutzstatus, bei dem bauliche Veränderungen nur mit Beratung des Denkmalschutzamtes vorgenommen werden dürfen, verhänge zudem das Landratsamt. „Die Gemeinde kann zwar Anregungen geben, alles Weitere liegt dann aber nicht mehr in unserer Hand.“

Mehr Spielraum hätte die Gemeinde, wenn sie einen Bebauungsplan für das Gebiet aufstelle. Außerdem könne ein Ensembleschutz die Eigentümer „potenziell wesentlich beeinträchtigen“, erklärte Kennerknecht.

Bebauungsplan?

Für Vizebürgermeisterin Silvia Dörr (Grafrather Einigkeit/GE) ist dies ein wichtiger Grund, eher zum Bebauungsplan zu tendieren. Begona Prieto Peral (Grüne) hielt dagegen, dass Eigentum verpflichte: „Wer ein altes Haus kauft, hat eben auch Verpflichtungen.“ Allerdings gab Kennerknecht zu bedenken, dass viele der Häuser bereits seit Generationen in Familienbesitz und in jüngster Zeit gar nicht veräußert worden seien.

Hartwig Hagenguth (Bürger für Grafrath/BfG) betonte indessen, dass der Ensembleschutz die Gemeinde nichts kosten würde, ein Bauleitverfahren dagegen Ausgaben mit sich brächte. Er wollte erst einmal den Ensembelschutz beantragen. „Wenn das nicht klappt, können wir immer noch den Bebauungsplan weiterverfolgen.“

Josef Heldeisen (SPD) erinnerte in diesem Zusammenhang aber an den eigentlichen Anlass für den Antrag: den Balkon. Dieser könne durch ein Bauleitverfahren verhindert werden. „Dann können wir eine Veränderungssperre verhängen.“ Ein Ensembleschutz-Verfahren könne hingegen so lange dauern, dass der Balkon zwischenzeitlich gebaut werden könne.

Bürgermeister Markus Kennerknecht hatte bereits vor der Gemeinderatssitzung eine Stellungnahme von Kreisbaumeisterin Karin Volk angefordert, die bis zur Sitzung jedoch nicht vorlag. Letztlich einigten sich die Räte darauf, Volks Stellungnahme abzuwarten und dann noch einmal über das weitere Vorgehen zu beraten.

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