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Beeindruckend: Fritz Aneder zeigt auf das rund 20 Meter tiefe Toteisloch „Wolfsgrube“, das zu den 100 schönsten Geotopen Bayerns zählt.

Wolfsgrube und Tiefes Tal

Toteislöcher – Einblicke in graue Vorzeit

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Sie heißen eher düster-geheimnisvoll Toteislöcher, können aber viel Spaß bereiten. Im Winter als Rodelberge, im Sommer als Badeseen. Was viele nicht wissen: Toteislöcher sind auch Jahrtausende alte Zeugen der letzten Eiszeit. In Grafrath gibt es gleich drei davon.

Grafrath Die Wolfsgrube ist von der Bundesstraße aus gut zu sehen – zumindest im Spätherbst und Winter, wenn die Büsche und Bäume am Straßenrand kein Laub mehr tragen. „Etwas abseits davon gibt es ein weiteres kleineres Toteisloch, das mit Wasser gefüllt ist“, sagt Fritz Aneder vom Historischen Verein Fürstenfeldbruck. Der dritte Vertreter dieser geologischen Besonderheit findet sich im Ortsteil Unteralting: das so genannte Tiefe Tal.

„Toteislöcher sind eine typische Erscheinung für Regionen, an denen früher Gletscherzungen endeten“, erklärt Aneder. Die drei Vertiefungen auf Grafrather Flur entstanden während der Würm-Eiszeit. Vor etwa 20 000 Jahren hatten die Gletscher ihre größte Ausdehnung und endeten in der Region des heutigen Grafrath. Doch dann stiegen die Temperaturen wieder und das Eis zog sich zurück.

„Die Toteislöcher in der Region entstanden wahrscheinlich vor 12 000 bis 14 000 Jahren“, sagt Aneder. Beim Abschmelzen zerfiel das Eis oft in große Blöcke, die keinen Kontakt mehr zum bewegten Gletscher hatten. Diese Eiskörper wurden oft von Schotter oder anderem Moränenmaterial bedeckt. „Dadurch waren sie nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt.“ Das hatte zur Folge, dass das Eis viel langsamer schmolz, als die Gletscher, die es zurückgelassen hatten. „Die Schmelze hat wohl bis zu 1000 Jahre oder länger gedauert“, sagt der Historiker.

Doch das sind nur Vermutungen. „Dabei war ja keiner, und deshalb lässt sich das heute nicht mehr so konkret nachvollziehen.“ Unstrittig ist aber, dass die Eisblöcke schließlich schmolzen. Das darüber liegende Material sackte nach, es entstanden steilwandige Kessel – die Toteislöcher. Je nach Grundwasserspiegel und Wasserdurchlässigkeit des Untergrundes bildeten sich entweder trockene Hohlformen wie die Wolfsgrube und das Tiefe Tal oder es entstanden Feuchtgebiete oder sogar Seen. „Der Weßlinger See ist zum Beispiel ein Toteisloch“, sagt Aneder über das Badegewässer im benachbarten Landkreis Starnberg.

Die Wolfsgrube ist mit ihren mehr als 100 Metern Durchmesser und über 20 Metern Tiefe eine eindrucksvolle geologische Formation. Der Name kam der Überlieferung nach zustande, weil das Loch angeblich als Fanggrube für Wölfe genutzt wurde. 2009 wurde die Wolfsgrube in die Liste der 100 schönsten Geotope Bayerns aufgenommen.

Das Tiefe Tal ist tatsächlich weniger ein Tal, als vielmehr ein ringsum geschlossener Talkessel mit einem Durchmesser von bis zu 200 Metern und einer Tiefe von rund 20 Metern. Im Gegensatz zu heute war die Endmoränenregion zur Würmtal-Eiszeit übrigens wohl unbewohnt. „Die Menschen hielten sich von Gletschern und Sümpfen fern, denn schließlich gab es da nichts zu holen.“ Und Rodeln oder Baden konnte man damals in den heutigen Toteislöchern auch noch nicht.

von Andreas Daschner

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