Im Bucher Trinkwasser sind coliforme Bakterien festgestell worden. Foto: DPA
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Trinkwasser muss aufbereitet werden.


Grafrath

Kläranlage wird zum Millionenprojekt

  • Andreas Daschner
    VonAndreas Daschner
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Die Kläranlage des Abwasserzweckverbandes (AZV) „Obere Amper“ in Grafrath wird für mindestens 5,9 Millionen Euro erweitert. Das beschloss die AZV-Versammlung mit großer Mehrheit. Zuvor hatte es noch ein Gespräch mit den Ratsgremien der Mitgliedsgemeinden gegeben.

Grafrath – An die Kläranlage sind die Gemeinden Grafrath und Kottgeisering sowie Türkenfeld per Vereinbarung angeschlossen. Um eine Erweiterung kommt man aus Kapazitätsgründen und gesetzlichen Vorgaben zum Trockenschlamm-Anteil am Klärschlamm ohnehin nicht herum. In diesem Zuge ist nun auch vorgesehen, die Klärschlammstabilisierung – so heißt das Verfahren zum Verringern der Geruchsemissionen – umzustellen.

Dem Klärschlamm soll dafür künftig kein Sauerstoff mehr zugeführt werden, stattdessen soll ein Trockenturm gebaut werden – ein sogenanntes anaerobes Verfahren. „Beide Varianten sind wirtschaftlich“, sagte AZV-Chef Andreas Folger aus Kottgeisering. Aus verschiedenen Gründen ist das anaerobe Verfahren jedoch ökologischer. Doch es hat seinen Preis.

„5,9 Millionen Euro sind schon ein harter Brocken“, sagte Gerald Kurz aus Grafrath, der die Einbindung der Gemeinderäte angeregt hatte. Bei einer Planungsphase von rund eineinhalb Jahren und den derzeitigen Preissteigerungen im Bausektor rechnet er damit, dass daraus schnell mal sieben Millionen Euro werden können. Dazu komme, dass irgendwann auch eine weitere Reinigungsstufe zur Filterung von Mikroplastik aus dem Abwasser komme, die auch noch einmal den gleichen Betrag kosten werde. Im Vorgespräch habe er jedoch gelernt, dass man um die jetzige Erweiterung wohl nicht herum komme.

Für die gibt es zwar Fördermittel vom Bundesumweltministerium und dem Freistaat in Höhe von je 500 000 Euro. Doch diese Fördertöpfe sind bis Ende 2022 begrenzt. Das heißt: Bis dahin muss der AZV eine Baugenehmigung für die Erweiterung haben. „Ansonsten sind die Gelder aus diesen Töpfen weg“, sagte AZV-Geschäftsführer Josef Heldeisen. Ob und welche neuen Fördertöpfe aufgelegt würden, sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorherzusagen.

Das sah auch Grafraths Bürgermeister Markus Kennerknecht so: „Das ist ein Blick in die Zukunft, den wir einfach nicht tätigen können.“ Klar ist nach seiner Ansicht hingegen, dass man sich mit dem Umbau zukunftsfähig aufstellt: „Die anaerobe Lösung ist die einzige, die auf Dauer infrage kommt.“

Anton Hackl aus Grafrath wollte sich dennoch keinen Druck machen. „Wenn wir das Thema um ein Jahr verschieben, dann haben wir vielleicht mehr Sicherheit hinsichtlich der Preisentwicklung“, sagte er. Und vielleicht gebe es mit neuen Fördertöpfen dann sogar mehr Zuschüsse. Nach Ansicht von Hartwig Hagenguth aus Grafrath ist eine Verschiebung jedoch weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll. „Wir sollten jetzt die Planung angehen“, sagte er. Ergäben sich in deren Verlauf neue Erkenntnisse, müsse man sie ja nicht gleich umsetzen.

Auch Manfred Ziegler aus Kottgeisering bevorzugte dieses Vorgehen. Es gebe zwar viele Unsicherheiten, dennoch solle man die Entwurfsplanung in Auftrag geben. „Bis dahin wissen wir dann vielleicht auch, wohin sich die politische Lage unter der neuen Regierung entwickelt“, sagte er mit Blick auf die Wahlen und mögliche künftige Fördergelder. Letztlich segnete die Versammlung den Einstieg in die Planung gegen Hackls Stimme mit einem 6:1-Votum ab.

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