An dieser Stelle versperrte die Leitplanke Norbert Stöppels Weg. Mittlerweile ist der Fehler korrigiert.
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An dieser Stelle versperrte die Leitplanke Norbert Stöppels Weg. Mittlerweile ist der Fehler korrigiert.

Grafrath

Leitplanken versperren Wege: Amt reagiert

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Neue Leitplanken entlang der B 471 sollen für mehr Sicherheit sorgen. Allerdings mussten die Arbeiter bei Grafrath zum Teil ein zweites Mal ausrücken – weil private Zufahrten zugebaut wurden.

Grafrath – Norbert Stöppel traute seinen Augen nicht, als er vor einigen Tagen an der B 471 zwischen Grafrath und Inning unterwegs war. Der Grafrather Jäger und Waldbesitzer sah die neue Leitplanke, die in Richtung Inning fahrend auf der rechten Seite errichtet wurde. Er dachte erst an einen Schildbürgerstreich. „Diese Leitplanke wurde an einer geraden Strecke montiert, wo noch nie ein Unfall passiert ist“, sagt er. Doch damit nicht genug. „Es wurde auch eine offizielle Kiesstraße ins Ampermoos versperrt.“ Dass an der Stelle ein Weg abzweigt, ist durch ein Schild „Zufahrt verboten – Anlieger frei“ zu erkennen. Die Leitplanken wurden dennoch montiert.

Weder der Besitzer des angrenzenden Privatwaldes – der Forst gehörte bis vor Kurzem noch Stöppel, ehe er ihn veräußerte – noch die Grundstücksbesitzer in Richtung Amper konnten ihre Flächen mit Fahrzeugen erreichen. Was Stöppel außerdem moniert: Rettungseinsätze (Stöppel: „Was, wenn es im Ampermoos mal brennen sollte?“) würden erschwert. Und auch Jäger hätten zum Schutz der Bodenbrüter die Wildschweinpopulation nicht mehr oder nur deutlich erschwert kontrollieren können. Vor allem die Bergung der 50 bis 100 Kilogramm schweren Tiere wäre ohne Zufahrtsmöglichkeit mit dem Auto kaum mehr möglich gewesen.

Montage war ein Versehen

Eine Tagblatt-Nachfrage beim Straßenbauamt ergab: Die Montage in dieser Form war offenbar ein Versehen. „In der Tat wurden die Schutzplanken so montiert, dass die Zufahrt zu dem angesprochenen Grundstück nicht mehr gewährleistet war“, sagt Amtssprecher Thomas Jakob. Die Arbeiter rückten zumindest schnell wieder aus und bauten die Leitplanke an der Zufahrt wieder zurück.

Offenbar war es nicht die einzige Stelle, an der dieses Malheur passierte. Stöppel weiß von einem Landwirt, der an anderer Stelle zwischen Grafrath und Schöngeising ebenfalls auf den Rückbau der Planken bestanden hatte. Dort war laut dem Grafrather die offiziell zulässige Zufahrt über die Bundesstraße zur dortigen Wiese verbaut worden. „Der Landwirt konnte aber wenigstens über eine andere Straße auf seine Fläche gelangen“, sagt Stöppel.

Dass die neuen Leitplanken gebaut wurden, hängt laut Jakob mit dem Verkehrssicherheitsprogramm 2030 des Bundesverkehrsministeriums zusammen. Grundlage sei die Sicherheitsstrategie „Vision Zero“, mit der ernsthafte Personenschäden im Straßenverkehr möglichst vermieden werden sollen. Diese Strategie sehe überall dort Schutzplanken vor, wo Hindernisse dichter als 4,50 Meter an den Rändern von Bundesstraßen stehen und gleichzeitig eine Höchstgeschwindigkeit von mindestens 70 Stundenkilometern erlaubt ist. „Und zwar unabhängig vom bisherigen Unfallgeschehen“, wie der Sprecher des Straßenbauamts betont.

In diesem Zuge werden nun alleine im Bereich des Freisinger Amtes neue Schutzeinrichtungen mit einer Länge von 22 Kilometern und Kosten in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro gebaut – unter anderem auch nur wenige Meter lange Leitplanken, die einzelne Bäume von der Fahrbahn abschirmen. Über den schnellen Rückbau der falsch gesetzten Leitplanken ist Stöppel natürlich froh. Dass vor dem Bau aber nicht mit den angrenzenden Eigentümern über die Zufahrten gesprochen wurde, ärgert ihn dennoch.

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