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Die Zuhörer im Grafrather Bürgerstadl hatten viel Spaß bei der Starkbier-Rede von Sepp Heldeisen als Graf Rasso.

SPD-Gemeinderatsmitglied hält Krügelrede

Starkbier-Schelte aus den eigenen Reihen

Dass Kommunalpolitikern beim Starkbierfest auch mal deftig die Meinung gesagt wird, ist nichts Besonderes. In Grafrath war es heuer allerdings einer der ihren, der den Gemeinderäten als Bruder Rasso die Leviten las: Sepp Heldeisen sitzt selbst für die SPD im Gemeinderat.

Grafrath Heldeisen streifte sich die Kutte des Bruder Rasso über, die 2015 – in Grafrath findet das Starkbierfest nur alle zwei Jahre statt – der ehemalige Germeringer Stadthallen-Chef Günter Mayr getragen hatte. Und Heldeisen, der 2014 für das Amt des Bürgermeisters kandidiert hatte, nahm bei seiner Krügelrede kein Blatt vor den Mund. „Man muss aufpassen, dass man nicht zu heftig hinlangt“, sagte er. „Und man darf keine Interna ausplaudern.“ Das hielt den SPD-Rat nicht davon ab, deutliche Worte in Richtung des Gremiums zu schicken, was ihm oft zustimmendes Gelächter von den knapp 120 Zuhörern im Bürgerstadl einbrachte. „Dem einen oder anderen Gemeinderat ist aber das Gesicht schon ein bissl stehen geblieben“, hat Heldeisen beobachtet. Er hoffe, dass seine Rede „bei einigen gesessen hat“.

Sepp Heldeisen

Kein Wunder, sprach Bruder Rasso doch die Missstände im Gemeinderat deutlich an – wobei er sich selbst nicht aussparte. „Hyänen, falsche Katzen, Giftschlangen und Stinktiere“, hat er in den eigenen Reihen ausgemacht. Und einen „egoistischen Sauhaufen“. Überhaupt halte er diesen Gemeinderat für nicht so wichtig, wie sich einige seiner Mitglieder selbst nehmen.

Am besten kam noch Bürgermeister Markus Kennerknecht weg, dem Heldeisen die Rolle als Dompteur zuschrieb. „Ich kann mich nicht beklagen“, sagte der Rathauschef dann auch später. Dass die Rede recht deftig ausfiel, gab für Kennerknecht keinen Anlass zu Beschwerden: „Er war deutlich, aber nicht verletzend und hat sich selbst ja nicht ausgelassen.“ Den Spagat zwischen dem Amt als Gemeinderat und der Rolle als Bruder Rasso habe Heldeisen gut gemeistert.

Andrea Seidl, die als Mitglied der Frauenliste ebenfalls ihr Fett weg bekam (siehe Kasten), hätte sich gewünscht, dass sich unter den Zuhörern mehr als nur eine Handvoll ihrer Ratskollegen befunden hätte. Heldeisens Krügelrede sei zwar deutlich gewesen, „aber vielleicht hat’s das einfach mal gebraucht, und einige wachen jetzt auf“.

Grafrather Einigkeit als Zwietracht

Nicht ganz einverstanden mit der Kritik an der Grafrather Einigkeit („Die sollte sich bei ihrem Verhalten lieber Zwietracht nennen“) war deren Mitglied Klaus Rüth: „So schlimm sind wir auch nicht.“ Dennoch begrüßte er es, dass Sepp Heldeisen die Dinge klar benannt habe: „Denn wenn man sowas nicht anspricht, dann ändert sich nichts.“

von Andreas Daschner

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