Susanne Hornberger sprach in Grafrath.

Grafrath

Werte wahren als Vorsatz fürs neue Jahr

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Einen immer stärkeren Verfall der Werte in der Gesellschaft kritisierte die Journalistin Susanne Hornberger beim Neujahrsempfang des Kreisverbands und Grafrather Ortsverbands der CSU. Aber sie sieht einen Hoffnungsschimmer: die Jugend.

Grafrath – „In der heutigen Zeit muss man verstärkt den Kompass ansehen, um auszuloten, welche Werte man persönlich hat und wie sich die Werte in der Gesellschaft verändert haben“, sagte der Grafrather CSU-Ortsvorsitzende Gerald Kurz vor gut 70 Gästen beim Neujahrsempfang im Bürgerstadel. Für eine Diskussion über die Werte in der Gesellschaft hatte er eine kompetente Gastrednerin gewonnen.

Susanne Hornberger arbeitete bereits für die Tageszeitung Die Welt und den Bayerischen Rundfunk, war ARD-Korrespondentin im Vatikan und ist nun Chefredakteurin der Münchner Kirchenzeitung. Gerade bei letzterer hat sie immer wieder mit dem Thema Werte zu tun. „In einer der ältesten Schriften steht ein Wertekodex, an dem sich jeder orientieren kann – in der Bibel“, sagte sie. Mit dem Rückzug des Christentums gerate dieser Wertekodex immer mehr in Vergessenheit. Wer seinen Kindern keine Werte und Grenzen aufzeige, entlasse sie zumindest fahrlässig in die Orientierungslosigkeit.

Die Nächstenliebe

Einer der Werte, die immer mehr verfallen, sei die Nächstenliebe. „Obwohl wir in unserer Gesellschaft beste Voraussetzungen vorfinden, erleben wir zunehmende Verrohung und Gewalt, aber auch Abschottung und Existenzängste“, sagte Hornberger. In diesem Zusammenhang ließ sie vor allem an den sozialen Medien kaum ein gutes Haar. Ist das, was auf Facebook, Twitter und Instagram passiert, wirklich relevant oder eine reine Zeitverschwendung? Diese Frage beantwortete Hornberger so: „Echte Vorbilder sehe ich da weit und breit nicht.“

Influenzer hätten zwar große Fangemeinden. „Die hatte der Rattenfänger von Hameln aber auch.“ Dass in den sozialen Medien Fakenews und Werbung nicht mehr von Fakten zu unterscheiden seien, berge enorme Gefahren. Auch sei schwierig, wie das Netz auf die Verrohung der Sprache reagiere – „nämlich gar nicht“. Das Internet sei in vielen Bereichen zum rechtsfreien Raum mutiert, in dem ganze Existenzen durch Rufmord zerstört würden. „Die Gesellschaft, die das geschehen lässt, steht sicher nicht in der Mitte“, sagte Hornberger. Stattdessen bewege sie sich immer mehr an die Ränder.

Die Überforderung der Politik

Und die Politik? „Die reagiert völlig überfordert“, sagte sie. Das habe das Beispiel des Youtubers Rezo mit seinen Angriffen gegen die CDU gezeigt. Der Politik fehle der Mut, den Finger in die Wunde zu legen. „Vieles wird einfach hingenommen, und das wird dann mit Toleranz verwechselt.“ Ihr selbst macht aber die junge Generation Mut. „Ich habe die Hoffnung, dass die, die das Internet wirklich beherrschen – die Jungen – das wieder hinbiegen.“

Diesen Ball nahm Landrat Thomas Karmasin auf, der die verhinderte Kreisvorsitzende Katrin Staffler vertrat. Er wünsche sich für das neue Jahr, „dass wir anfangen, ein bisschen die unglaubliche Aufgeregtheit abzubauen, die 2019 herrschte“. Panik, Angst und Hektik seien keine guten Ratgeber.

Grafraths Bürgermeister Markus Kennerknecht forderte mehr Demut und Zufriedenheit, mit dem was man hat. Und der Landtagsabgeordnete Alexander Dorow appellierte an die Gäste, dass sich die Generationen nicht auseinander dividieren lassen dürften: „Nur gemeinsam können wir etwas erreichen.“

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