Betten und anderes Mobiliar für die Krankenhäuser werden vor Ort von Thomas Böhner und einheimischen Helfern gefertigt. 
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Betten und anderes Mobiliar für die Krankenhäuser werden vor Ort von Thomas Böhner und einheimischen Helfern gefertigt. 

Hilfsaktion

Grafrather baut Kliniken in Liberia

Liberia hat eines der kränksten Gesundheitssysteme der Erde. Während Corona die Welt in Atem hält, droht das westafrikanische Land vergessen zu werden. Der Verein „Help Liberia – Kpon Ma“ um den Grafrather Pfleger Thomas Böhner kämpft dagegen an – zuletzt bei einer Projektreise im März.

Grafrath – „Kpon Ma“ bedeutet in der Sprache der Kpelle, einem großen Volksstamm im Herzen Liberias, nicht viel weniger als „Hilfe“. Und Help Liberia ist genau aus diesem Grund ins Land gekommen. Der Verein mit Sitz in Oberschweinbach um dessen Vorsitzenden Thomas Böhner leistet seit 2009 Entwicklungshilfe. Der Grafrather ist seit 2005 in Liberia aktiv, damals noch mit Cap Anamur. Seit Abzug der Hilfsorganisation auch auf eigene Faust. Ende 2008 fand Böhner dann genug Interessenten, den Verein Help Liberia zu gründen.

Liberia: Den Schwachen helfen

Böhners Engagement geht auf einen Unfall als 18-Jähriger zurück, der ihm vor Augen führte, dass er all jenen Menschen helfen will, die sich am wenigsten helfen können: „Den Alten, Armen und Schwachen.“ Auf den jährlichen Reisen – inzwischen 13 Stück – wurden durch jeweils mehrköpfige Teams unter Leitung Böhners Krankenhäuser, Ausbildungen für Fachpersonal und der Zugang zu ärztlicher Betreuung im ländlichen Liberia realisiert.

Denn auf ausländische Unterstützung ist das Land angewiesen: 2014 bis 2016 grassierte in dem westafrikanischen Land das Ebolafieber. Tief sitzen auch die Wunden des 2003 beendeten Bürgerkrieges.

Liberia: Ein Herzensprojekt

Jüngst war der Verein im Februar und März vor Ort. Diesmal flog Böhner aufgrund von Krankheit und Zeitproblemen bei Helfern allein. Abbringen ließ er sich von seinem Herzensprojekt aber nicht und im Eiltempo errichtete er dort mit Einheimischen ein 4-Zimmer-Hebammenhaus am Yarbayah Krankenhaus, einer der beiden betreuten Buschkliniken. Die Hilfe sei immens gewesen: „Wer mitgearbeitet hat, bekam fünf Säcke Reis“, erklärt Böhner das Engagement. Ein Sack reicht dabei für eine Woche und verdeutlicht dessen Wert.

Glücklicherweise bleibt Liberia von der anhaltenden Pandemie unbehelligt: Das westafrikanische Land ist beinahe „coronafrei“, der Verein kann seine Projekte ohne größere Probleme weiterführen. Ein negativer PCR-Test Böhners vor der vergangenen Reise war die einzige Hürde.

Viel mehr sorgt den Grafrather etwas anderes: Während die Welt um den Corona-Impfstoff ringt, warten die Menschen in Liberia seit Jahren auf das Vakzin gegen Ebola. Schutzimpfungen existieren, werden aber nicht zur Verfügung gestellt. Auch deshalb will der im Brucker Krankenhaus als Pfleger tätige Böhner sein geliebtes Projekt in Liberia niemals aufgeben: „Diese Gegend wird von der Welt total vergessen“, beklagt der 60-Jährige: „Wir können die Menschen hier nicht im Stich lassen.“

Liberia: Unermüdlicher Einsatz

Unzählige Leben wurden bis heute gerettet. Help Liberia ist die am längsten tätige Hilfsorganisation vor Ort, hat sogar Ärzte ohne Grenzen überdauert. Der Verein genießt das Vertrauen der Regierung, die sich dankbar für den unermüdlichen Einsatz zeigt. Weil verlässliche Mitarbeiter in Liberia nur schwer zu finden sind, ist die vergangene Reise auch deshalb ein Erfolg: Zwei ausgebildete Fachkräfte wurden für die dortige Yarbayah Klinik gewonnen.

Die Schlangen vor der Anlaufstation werden täglich länger. „Das ist vergleichbar mit einer gut besuchten Arztpraxis in Bruck“, so Böhner. „Beinahe jedem Patienten kann geholfen werden. Sei es auch nur mit Schmerzmitteln.“ Anfangs habe man 300 Dollar monatlich für Medikamente ausgegeben, inzwischen würden hierfür 1000 Dollar bereitgestellt.

Der Verein betreut noch weitere Projekte: So wurde der vierte Optiker Liberias – immerhin ein Land mit fünf Millionen Einwohnern – eingerichtet. Das Material für die Brillen stammt aus Deutschland und wird vor Ort von einer ausgebildeten Fachkraft verschraubt. So bleiben die Kosten gering: „Brillen gegen Kurzsichtigkeit können in Liberia für einen Dollar gekauft werden.“ Daneben konnten auch neun Laptops übergeben werden und die digitale Schulung schreitet weiter voran.

Durch die Pandemie entfällt für den Verein die öffentliche Bühne, gerade Werbestände gehen besonders ab. „Viele Menschen wollen dennoch etwas geben“, sagt Böhner erfreut. Auf der eigenen Internetseite hat der Verein daher eine Liste zusammengestellt, wie man das Projekt am besten unterstützen kann. Weitere Informationen finden sich unter www.help-liberia.com. (Matthias Kast)

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