+
Markus Kennerknecht gehört jetzt dem Verbandsausschuss des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum München an. 

Interview

Grafraths Bürgermeister jetzt im Planungsverband: „Ich sehe mich als Fürsprecher kleiner Orte“

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
    schließen

In einem illustren Kreis befindet sich Bürgermeister Markus Kennerknecht seit dieser Wahlperiode. Er wurde in den Verbandsausschuss des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum München gewählt. 

Grafrath – Dort tagt er künftig mit Münchens OB Dieter Reiter, den Landräten Christoph Göbel (München), Robert Niedergesäß (Ebersberg) und Thomas Eichinger (Landsberg) sowie den Bürgermeistern Brigitte Kössinger (Gauting, Kreis Starnberg) und Sebastian Thaler (Eching, Kreis Freising). Im Interview mit Tagblatt-Mitarbeiter Andreas Daschner spricht Kennerknecht über die Aufgaben im Planungsverband.

Herr Kennerknecht, wie kommt man als Bürgermeister einer vergleichsweise kleinen Gemeinde in den namhaften Kreis der Verbandsausschuss-Mitglieder?

Ich bin von Verbandsdirektor Christian Breu vorgeschlagen worden. Ich denke, dass mit ausschlaggebend eine paritätische Besetzung war, sodass die Mitglieder regional verteilt sind. Ich bin der einzige Vertreter aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck. Und ich sehe mich primär als Vertreter und Fürsprecher der kleineren und Kleinst-Gemeinden, die sicher andere Bedürfnisse haben wie zum Beispiel die Gemeinde Gauting mit 20 000 Einwohnern.

Der Planungsverband ist für viele eine Unbekannte. Beschreiben Sie bitte die Aufgaben.

Der Planungsverband ist ein Zweckverband, der aus der Idee geboren wurde, Bauleitplanung für Kommunen zu machen. Er soll primär der Dienstleister sein, auch etwas abseits des Baugesetzbuches – zum Beispiel bei Ortsentwicklungsplänen oder bei der Auslobung von Architektenwettbewerben. Der Verband ist hier sehr gut aufgestellt. In Zukunft wird es immer wichtiger werden, dass man von der klassischen Bauleitplanung weggeht, hin zu allgemeinen Konzepten – sei es im Bereich Landschaftsplanung, Innenstadt- oder Gewerbeentwicklung. Bei dem Ortsentwicklungskonzept, das wir vor einigen Jahren in Grafrath erstellt haben, war der Planungsverband ein sehr guter Ansprechpartner.

Wo sehen Sie die Schwerpunkte, bei denen Sie sich einbringen können?

In den genannten Bereichen werden auch meine Kernthemen liegen. Sicher spielen noch Teilbereiche rein wie zum Beispiel die Wohnraumentwicklung im Umland von München. Der Verband ist so besetzt, dass es einen vernünftigen Ausgleich zwischen dem Umland und der Landeshauptstadt gibt. Was da natürlich hineinspielt ist das Thema Mobilität. Das wird neben dem Wohnungsbau in den nächsten Jahren ein ganz großer Punkt sein, der uns alle beschäftigen wird: Was können wir tun, um die Mobilität so gestalten, dass eine Siedlungsentwicklung auch in der Breite vernünftig möglich ist.

Auf die Mobilität ist man als kleinere Gemeinde auf dem Land besonders angewiesen.

Ganz genau. Es geht um eine vernünftige Entwicklung im Hinblick auf die Landeshauptstadt. Es kann nicht sein, dass die Umlandgemeinden alles das aufnehmen müssen, was in der Landeshauptstadt München nicht mehr funktioniert. Da sehe ich uns als Gemeinde, die im messbaren Einzugsbereich Münchens liegt, sehr stark betroffen. Ich sehe es als sehr wichtig an, dass wir den Charakter, den die kleineren Umlandgemeinden haben, wahren und auch sehen, dass wir nicht den kompletten Siedlungsdruck von München abfangen können.

Wie sieht die konkrete Arbeit bei den Verbandsversammlungen aus?

Die erste Gremiumssitzung wird noch im Juli stattfinden. Ich sehe das immer etwas puristisch: Der Verband muss bei der Kernarbeit – sprich: die Planungen, die er vorzunehmen hat – funktionieren und arbeiten können. Darüber wird man dann aber sehr schnell auf die Themen Mobilität und Siedlungsentwicklung kommen, wobei ich die Mobilität bei der Intensität der Diskussion noch vor den Wohnraum setzen würde.

Hatten Sie über den Verband hinaus schon einmal Kontakt zu den großen Protagonisten aus der Landeshauptstadt wie OB Reiter oder Landrat Göbel?

Da gab es noch keinen Kontakt. Man ist im Bereich des Landkreises natürlich gut vernetzt. Mit dem Kollegen aus Eching hatte ich schon einmal näheren Kontakt. Alles andere wird sich dann ergeben. Ich bin sehr gespannt, wie die Zusammenarbeit laufen wird.

Es ist sicher interessant, tiefere Einblicke in die Landeshauptstadt zu bekommen.

Genau. Ich bin ja nicht parteigebunden, sodass ich auch keine Beziehungen über die Parteischiene habe. Ich denke, es wird ganz spannend zu hören und zu sehen, wo die Stadt und der Landkreis München hin wollen. Oder auch wie das eine Gemeinde wie Gauting sieht, die deutlich größer und näher an München ist wie Grafrath. Ich erhoffe mir viel Input, wo die Entwicklung in der Region in den nächsten Jahren hingehen soll und wie sich das die Verantwortlichen vorstellen.

Zumal sich die Entwicklung ja immer weiter auf das Land verschiebt...

Ganz genau. Ich werde schon Wert darauf setzen, dass man hier einen Ausgleich findet und dass sich die Landeshauptstadt nicht einfach ausbreiten kann. Man muss schauen, wie sich Gemeinden, die im Bereich von 20 bis 40 Kilometern vor München liegen, ihre Identität noch bewahren können. Das war ja schon beim Ortsentwicklungsplan unser Ansatz, und da kann der Planungsverband in fachlicher Hinsicht seinen Beitrag dazu leisten. Es wird sicher spannend, das im Verbandsausschuss begleiten zu dürfen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Emmeringer Musiker starten auf neuem Boden durch
Erst kam Corona, dann wurde der Boden im Proberaum durch einen Wasserschaden zerstört. Doch jetzt können die Musiker wieder durchstarten.
Emmeringer Musiker starten auf neuem Boden durch
Corona bedeutet für Caritas-Cafeteria das Aus
Nach 17 Jahren muss die Cafeteria im Landratsamt Ende September ihren Betrieb einstellen. Grund dafür sind die durch die Corona-Krise entstandenen finanziellen Einbußen.
Corona bedeutet für Caritas-Cafeteria das Aus
Diese kleine Kamera kann Leben retten
Die Stadt hat zehn Großfahrzeuge des Bauhofs und der Freiwilligen Feuerwehren mit Abbiege-Assistenz-Systemen ausgestattet. Das soll mithelfen, Unfälle zu vermeiden.
Diese kleine Kamera kann Leben retten
Darum wurde der Zebrastreifen verlegt
Nanu, was ist denn hier passiert – ein doppelter Zebrastreifen? Das fragen sich derzeit die Gernlindner, wenn sie die Graf-Toerring-Straße auf Höhe der Sparkasse …
Darum wurde der Zebrastreifen verlegt

Kommentare