Kriegerdenkmal Wildenroth

Heimatgeschichte aus der Zeitkapsel

Wildenroth - Als Mahnung vor den Schrecken des Krieges ist das Kriegerdenkmal im Grafrather Ortsteil Wildenroth 1920 errichtet worden. Doch nun gewährte das Monument noch einen anderen Blick in die Vergangenheit: Bei der Sanierung des Steines tauchte eine Zeitkapsel auf – mit interessantem Inhalt.

 Als der Gemeinderat im Februar beschlossen hat, dass das Wildenrother Kriegerdenkmal saniert werden soll, ahnte Anton Krautner von der Soldaten- und Reservistenkameradschaft noch nicht, was dabei zutage treten sollte. Im Zuge der Arbeiten wurden dann die zwei Elemente des Hauptsteins des Mahnmals auseinandergenommen. Im größeren wurde eine Aushöhlung sichtbar. Darin lag eine unscheinbare graue Blechdose.

„Als wir die Dose geöffnet haben, fanden wir eine Zeitung, mehrere Essensmarken, ein Schriftstück und Fotos“, erzählt Krautner. Beim Blick auf die Dinge wurde auch schnell klar, dass es sich um einen historisch wertvollen Fund handelt. Die Zeitung beispielsweise ist fast ein Jahrhundert alt. Es handelt sich um eine Ausgabe des Neuen Münchner Tagblatts vom 14. November 1918. Auf dem Schriftstück ist aufgeführt, wer alles an der Errichtung des Kriegerdenkmals beteiligt war: unter anderem der damalige Bürgermeister Ferdinand Förg und der Mühlenbesitzer Leonhard Hartl.

Doch vor allem die Beschriftung der Fotos ließ Krautner aufhorchen. Die Bilder sind auf der Rückseite fein säuberlich erklärt. Und deshalb muss nun ein Teil der Geschichte des Mahnmals neu geschrieben werden. „Bislang ist man immer davon ausgegangen, dass der Mühlenbesitzer Hartl das ganze Denkmal finanziert hat“, sagt Krautner. Aber das ist offenbar nicht richtig.

So heißt es auf einem der Fotos wörtlich: „Den Baugrund zur Errichtung des Kriegerdenkmals hat der Mühl- und Ökonombesitzer Leonhard Hartl Gb No 9 Wildenroth unentgeltlich abgetreten. Die Herstellungskosten des Denkmals wurden durch Sammlungen aufgebracht.“ Unterschrieben wurde das Foto am 7. September 1920 von Hartl selbst.

Der von dem Mühlenbesitzer zur Verfügung gestellte Grund lag übrigens im Bereich der damals noch zwei Wildenrother Amperbrücken. Seinen heutigen Platz an der Hauptstraße/Ecke Bachweg hat das Denkmal erst 1976 bekommen. Als die beiden Brücken damals zu einer zusammengelegt und zum Schutz vor Hochwasser angehoben wurden, war das Mahnmal im Weg und musste versetzt werden.

„Der Stein wurde damals aber nicht zerlegt, darum ist die Zeitkapsel da noch nicht zum Vorschein gekommen“, weiß Anton Krautner. Seinen wertvollen und überraschenden Fund hat der Chef der Soldaten- und Reservistenkameradschaft sofort Christel Hiltmann vom Grafrather Archiv zur Verfügung gestellt. Die hat alles genau katalogisiert. Außerdem durften die Familien Trägler und Grill – Nachkommen der Familie Hartl – einen Blick auf die Dokumente werfen.

Danach hat Krautner die Unterlagen wieder fein säuberlich in der Dose untergebracht und ergänzt. „Wir haben drei neue Dokumente dazu getan“, sagt der Vereinsvorsitzende. Eine Liste des heutigen Grafrather Gemeinderats samt seines Bürgermeisters Markus Kennerknecht findet sich nun ebenso in der Zeitkapsel wie die Namen der Firmen, die das Mahnmal saniert haben.

Auch die Geschichte des Wildenrother Denkmals bis zum heutigen Tag wurde samt seiner Versetzung dokumentiert. Dann wurde die Kapsel von Krautner und Bürgermeister Kennerknecht wieder in dem kleinen Loch im Kriegerdenkmal versenkt, auf dass spätere Generationen sie einmal dort finden und ebenso überrascht werden wie Veteranen, Kommunalpolitiker und Bürger heute. (ad)

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