+
Beim Boot aufpumpen mit Wasserwacht-Unterstützung: (v.l.) Leo Tessla, Tagblatt-Reporter Jonathan Seidl, Philipp Hofmann, Werner Widmann, Michael Holzmüller und Sebastian; im Hintergrund Laura Kantoe.

Grafrath

Hochbetrieb auf der Amper: Hilfe, die Boots-Ausflügler kommen!

Im Schlauchboot einen Fluss hinunterpaddeln, steht auf der Hitliste der Sommervergnügen für viele ganz oben. Wenn die Tagestouristen in Massen anrücken, bedeutet das aber immer Lärm, Parkchaos und vermüllte Wiesen. An der Isar rückt man dem Problem mit Verboten zu Leibe. An der Amper in Grafrath versucht man es mit einer Umgestaltung des Einstiegsgeländes.

Grafrath Mitte Juli endete die naturschutzbedingte Sperrung der Amper für Bootsfahrer. Seitdem kommen die Freizeitkapitäne wieder in Scharen. Die meisten sind zwischen Grafrath, Schöngeising und Fürstenfeldbruck unterwegs. Fast alle Bootsbesatzungen parken am Einstiegspunkt ein Auto. Nach der Tour fahren sie mit einem zweiten Wagen wieder dorthin zurück.

Das Parkchaos

Resultat: Die Flächen am Erholungsgelände zwischen der Solschwelle zum Ampermoos und der Brücke der B 471 sind restlos zugeparkt – oft so chaotisch, dass im Ernstfall nicht einmal mehr Rettungsfahrzeuge durchkommen. Nach der Bootstour feiern oder Grillen dann noch an der Wiese an der Amper. Die sieht danach bei schönem Wetter vor allem an Wochenenden regelmäßig aus wie eine Müllkippe.

Der Pumpservice

Ein Lied davon singen können die Wasserwachtler. Ihre Station am Bootseinstieg ist an Wochenenden und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr besetzt. Eigentlich sind die Aktiven vor Ort, um zu helfen, falls etwas passiert. Sie sind ausgebildete Rettungsschwimmer. Und weil sie natürlich Verständnis haben für die Faszination Bootfahren, bieten sie sogar einen Aufpump-Service an: Gegen eine kleine Spende können die Schlauchbootkapitäne ihr Gefährt an einen Kompressor hängen. So sparen sie Zeit und Kraft.

Retter als Müllmänner

Doch manchmal wird es sogar den Wasserwachtlern echt fast zu viel – nämlich dann, wenn sie wieder einmal Müllmänner spielen müssen, oder auf verlorenem Posten stehen, wenn sie versuchen, wenigstens das schlimmste Chaos auf dem Parkplatz zu verhindern. „In letzter Zeit lassen leider immer mehr Besucher Müll und Glasflaschen zurück“, sagt Jakob Winterstein, der technische Leiter der Grafrather Wasserwacht.

Das bedeute nicht nur zusätzliche Arbeit für sein Team und die Gemeindeverwaltung. „Das ist auch eine Gefahr für Badende und für Tiere“. Als Organisation, die sich dem Umweltschutz verpflichtet fühlt, sieht sich die Wasserwacht in der Verantwortung, gegen das Abfallproblem vorzugehen. So sind es meist die Ehrenamtlichen, die in ihrer Freizeit aufräumen müssen. Eines betonen die Aktiven aber auch: Den Müll hinterlassen in der Regel nicht Einheimische, sondern Tagestouristen, die von weiter herkommen.

Den Notfall im Blick

Immer ärgerlicher werde die Parksituation. Inzwischen akzeptieren die Besucher oft nicht einmal mehr die Verbotszone neben der Wasserwachtstation. Dabei gibt es die aus gutem Grund: Von dort muss im Notfall der SEG-Wagen für die Wasserrettung zum Einsatz starten. „Den meisten ist wohl gar nicht bewusst, dass das kein Kavaliersdelikt ist, sondern eine ernsthafte Gefährdung anderer“, erklärt Jakob Winterstein. Wenn ein rücksichtsloser Fahrer den Rettungsweg blockierten, koste das wertvolle Zeit. „Minuten die Menschen in Not vielleicht nicht haben.“

Die Zukunft

Der technische Leiter der Wasserwacht spricht damit den Grafrather Gemeinderäten aus der Seele. Auch ihnen ist die Situation am Bootseinstieg schon lange ein Dorn im Auge. Nun wird die Fläche an der Amper umgestaltet. „Das Thema beschäftigt uns seit Jahren“, sagte Bürgermeister Markus Kennerknecht. Auch die Bootsanlegestelle soll erneuert werden.

Weniger Parkplätze

Planer Max-Jospeh Kronenbitter betont, dass mit der Umgestaltung kein touristischer Schwerpunkt in Grafrath geschaffen werden soll. Vielmehr will man die Situation verträglicher gestaltet und das Parken ordnen. „Allerdings wird dadurch die Zahl der Stellplätze deutlich eingeschränkt“, so Kronenbitter. Problem dabei: Die Tagestouristen werden versuchen, in angrenzenden Straßen zu parken. Die Gemeinderäte schluckten diese Kröte. Man müsse jedoch dafür Sorge tragen, dass die Hauptstraße nicht zugeparkt werde und die Situation für die Anwohner erträglich bleibe.

Stellfläche eingrenzen

Die Umgestaltung des Erholungsgeländes soll nach Ansicht von Planer Kronenbitter möglichst naturnah geschehen. Die Kiesfläche will er erhalten. Baumstämme könnten die Stellplätze vom Fußgängerbereich und dem Wurzelwerk der Bäume abgrenzen. Die Stämme könnte man dann gleich als Sitzmöglichkeiten nutzen oder künstlerisch gestalten. Neu gemacht werden soll die Treppe, über die Badende in die Amper steigen können.

Problem Rampe

Die Rampe für die Boote müsste völlig neu betoniert werden. Ihre Gestaltung könnte zum größten Problem werden beim Projekt Erholungsgelände. Denn die Rampe könnte dem möglichen Bau einer Fußgängerbrücke oder einer Behelfsumfahrung bei einer Erneuerung der Amperbrücke im Wege stehen. Mit der Umgestaltung der Erholungsfläche soll bereits im kommenden Jahr begonnen werden. Im Gemeinde-Etat sind dafür 40 000 Euro eingeplant. Grafrath kann für das Projekt auf Zuschüsse von bis zu 50 Prozent der Gesamtsumme aus dem Leader-Projekt hoffen.

Die Wasserwacht - eine vielseitige Truppe

Die Wasserwacht Grafrath sichert nicht nur das Erholungsgelände samt Amperabschnitt ab. „Unsere Schnelleinsatzgruppe 24/7 nimmt an Wasserrettungseinsätzen in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Starnberg teil“, sagt der Technische Leiter Jakob Winterstein. Schwimmausbildung, Fortbildungen und regelmäßige Übungen halten die Retter fit. Als gemeinnütziger Verein leistet die Wasserwacht auch Sanitätsdienste bei öffentlichen Veranstaltung, oder stellt zum Beispiel Fahnenträger für die Fronleichnams Prozession. Besonders attraktiv ist das Schwimmangebot für die Jüngeren. Jakob Winterstein: „Wir bieten für Kinder und Jugendliche jede Woche Schwimmtraining an, in dem die eigenen Fertigkeiten im Wasser gefestigt und die Grundlage für Ausbildungen in der Wasserrettung geschaffen wird.“ Kontakt: Wer neugierig geworden ist, erreicht die Wasserwacht im Internet unter www.wasserwacht-grafrath.de oder kann sich zu Wachdienstzeiten mit den Aktiven unterhalten. (JONATHAN SEIDEL UND ANDREAS DASCHNER)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Vergessene Orte im Landkreis Fürstenfeldbruck: Das Versteck der Munitionszüge
Das Gleis war nur einen Kilometer lang. Doch für Geltendorf hätte es direkt in die Katastrophe führen können.
Vergessene Orte im Landkreis Fürstenfeldbruck: Das Versteck der Munitionszüge
Maisach mahnt gerechtere Verteilung der Flüchtlinge an
 Die Gemeinde sagt Stopp: In Maisach werden keine weiteren Flüchtlinge untergebracht, die Zahl der Plätze wird durch Auflösung einer Unterkunft sogar reduziert.
Maisach mahnt gerechtere Verteilung der Flüchtlinge an
Sie wollen mitreden und die Stadt gestalten
Der neue Teilhabebeirat hat seine Arbeit aufgenommen und einen Vorsitzenden gewählt. Ziele und Vorgehen müssen aber noch feinjustiert werden.
Sie wollen mitreden und die Stadt gestalten
Diese Weihnachtsgeschichte hat kein Happy End: „Mir wird das Herz aus dem Leib gerissen“
Manfred Piringer, 55, aus Olching hat sich ins Weihnachtsfest verliebt. Jedes Jahr beleuchtet er sein Haus und denkt sich ein Musical mit Schneemann und Christkind aus. …
Diese Weihnachtsgeschichte hat kein Happy End: „Mir wird das Herz aus dem Leib gerissen“

Kommentare