Boot auf der Amper
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Ein Boot auf der Amper

Badegäste als Retter

Plötzlich kentert das Boot: Frau schildert Horror-Trip auf der Amper

  • Lisa Fischer
    vonLisa Fischer
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Diese Fahrt auf der Amper wird Claudia P. so schnell nicht vergessen. Ihr Boot kenterte, die 53-Jährige wurde unter Wasser gedrückt. Nur durch das beherzte Eingreifen einiger Badegäste konnte sie gerettet werden. Die Amper führte zu der Zeit viel Wasser – eine Gefahr, vor der P. gerne gewarnt worden wäre.

  • Eine 53-Jährige kenterte mit dem Boot auf der Amper
  • Badegäste retteten ihr Leben
  • Die Frau hätte gerne früher eine Warnung gehabt

Grafrath – Zusammen mit ihrem Freund ist Claudia P. mit einem Schlauchboot auf der Amper unterwegs. Los geht es bei Eching am Ammersee. „Ich habe die Tage zuvor immer auf der Homepage der Wasserwacht geschaut, ob es eine Warnung gibt“, erzählt die Fürstenfeldbruckerin. Doch dort war nichts zu lesen. An und auf der Amper sind „viele fröhliche Menschen unterwegs“. Deshalb macht sie sich keine Gedanken. Das Ziel von Claudia P. und ihrem Begleiter ist Fürstenfeldbruck. „Wir sind dieses Jahr schon drei Mal mit dem Schlauchboot die Amper runtergefahren“, erzählt sie.

Die Kraft der Strömung auf der Amper

Doch bis an ihr Ziel kommen die beiden nicht. Kurz nach Schöngeising verfängt sich das Schlauchboot in einem herunterhängenden Ast. „Normalerweise konnte man da immer gut drunter durch paddeln“, so die Bruckerin. Diesmal aber ist die Strömung zu stark. Wasser läuft in das Boot, gleichzeitig knallt der herabhängende Ast der 53-Jährigen gegen den Hinterkopf. Sie stürzt ins Wasser. „Ich konnte an der Stelle zwar stehen, was aber nichts nützte“, erzählt die Verwaltungsangestellte. Die Kraft der Strömung treibt sie in Sekundenschnelle in die Büsche. „Ich habe noch einmal um Hilfe gerufen, dann zog es mich nach unten“, schildert die 53-Jährige das Unglück. Ihr Freund treibt ebenfalls in der Amper, kann aufgrund der Strömung nicht zu ihr schwimmen und helfen. „Mir war klar, ich muss jetzt ertrinken.“

Die Helfer

Doch dann erreichen sie helfende Hände. Vier Badegäste, die am Ufer saßen, hatten eine Kette gebildet, um die Bootsfahrerin aus dem Wasser zu ziehen. An Land liegt Claudia P. dann „eine Weile da“ und erholt sich von dem Schock. Ihr Freund schafft es ein paar Meter flussabwärts ans Ufer und kommt herbeigeeilt. Nachdem das Gröbste verdaut ist, fährt einer der Retter das Pärchen nach Hause.

Handy und Schlüssel sind weg und auch das Boot hat die Amper verschluckt. „Das sind aber nur materielle Dinge“, sagt P.. Von dem Unfall habe sie eine Schädelprellung erlitten. Das ergab ein Arztbesuch.

„Ich hätte mir von Behörden und Wasserwacht eine frühere Warnung gewünscht“, meint die Bruckerin rückblickend. Die am 12. August ausgesprochene Warnung des Landratsamtes bestand zu dem Zeitpunkt des Unfalls noch nicht. „An diesem Tag sind ja noch einige andere verunfallt. Eine Warnung hätte viel Leid erspart“, meint Claudia P.. Vor allem habe sie sich hier auf Informationen von der Wasserwacht verlassen.

Das sagt die Wasserwacht

„Die Wasserwacht kann keine Warnung aussprechen“, sagt Rainer Bertram, Kreisgeschäftsführer beim Bayerischen Roten Kreuz. Er ist zuständig für die Wasserwachten im Landkreis. Eine Warnung aussprechen oder das Gewässer sperren könne nur das Landratsamt. Gewarnt wurde vonseiten der Behörde am 12. August – nachzulesen auf der Homepage des Landratsamtes.

An dem Wochenende, an dem es neben dem Unfall von Claudia P. auch weitere Zwischenfälle gab, bestand laut Bertram kein Grund, eine Meldung herauszugeben. „Es war kein Hochwasser in der Amper.“ Wie in der Amts-Warnung nachzulesen sei, wurde die Meldestufe 1 für Hochwasser „bei Weitem nicht erreicht“. „Die Fließgeschwindigkeit der Amper war zwar erhöht – jedoch ist die Nutzung des Flusses immer gefährlich“, so der Geschäftsführer weiter. Ein Naturfluss habe immer ein gewisses Gefahrenpotenzial. „Man muss sich dessen bewusst sein und sich – wie beispielsweise beim Bergsteigen – mit der richtigen Ausrüstung ausstatten sowie sein eigenes Können abschätzen“, betont Bertram.

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