1. Startseite
  2. Lokales
  3. Fürstenfeldbruck
  4. Grafrath

In Grafrath leuchten jetzt drei Lichter für die Menschlichkeit

Erstellt:

Von: Andreas Daschner

Kommentare

Lassen die Lichter leuchten: (v.l.) Susanne Engelmann, Katharina Hämmer, Ulrike Eichler, Monika Glammert-Zwölfer und Pfarrer Karl Mehl.
Lassen die Lichter leuchten: (v.l.) Susanne Engelmann, Katharina Hämmer, Ulrike Eichler, Monika Glammert-Zwölfer und Pfarrer Karl Mehl. © Peter Weber

Von der Öffentlichkeit oft unbemerkt spielen sich im Mittelmeer jeden Tag Dramen ab: Flüchtlinge versuchen, in Nussschalen nach Europa zu kommen und ertrinken in den Fluten. Der Asylkreis Grafrath will nun auf die Schicksale der Flüchtlinge aufmerksam machen – mit der Installation von drei Lichtstangen vor der evangelischen Kirche.

Grafrath – Die Leuchtstelen stammen von dem Künstler Markus Heinsdorff, der damit ursprünglich eine viel größere Installation bestückte. Seine Lichter, die er aus Schwimmwesten geretteter Flüchtlinge angefertigt hat, standen zuletzt vor dem Schloss Blumenthal in Aichach. Nun werden sie dezentral aufgestellt, um an vielen Orten ein Zeichen für mehr Menschlichkeit zu setzen. Der Asylkreis Grafrath hat die drei Lichter aus privaten Mitteln finanziert.

Den Standort auf der Wiese vor der Michaelkirche stellt die evangelische Kirchengemeinde für ein Jahr zur Verfügung, wie Ulrike Eichler vom Helferkreis berichtet. „Wir wollten einen zentralen Ort haben, damit es alle sehen können.“ Pfarrer Karl Mehl stand dem Ansinnen sofort offen gegenüber. Schließlich sei das Licht für die Menschlichkeit ein biblisches Motiv. „Ich hoffe, dass die Installation Diskussionen zu dem Thema eröffnet, die dann zu Taten führen“, sagte der evangelische Geistliche.

Dass Taten nötig sind, machte Monika Glammert-Zwölfer deutlich, die ebenfalls im Asylkreis engagiert ist. „Die Fakten sind erschreckend“, sagte sie. Das Mittelmeer sei die tödlichste Route für Flüchtende, zumal die Schlepper für horrende Summen oft untaugliche Boote zur Verfügung stellen. Viele Flüchtlinge geraten daher in Seenot – und ertrinken.

„Alleine dieses Jahr sind 1500 Menschen im Mittelmeer ertrunken“, sagt Glammert-Zwölfer und zitiert damit Schätzungen der Vereinten Nationen. Seit dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 hätten insgesamt 22 000 Menschen ihr Leben im Mittelmeer verloren. Für Glammert-Zwölfer besonders erschreckend: „Öffentliche Stellen kümmern sich nicht um die in Seenot geratenen Menschen.“ Nur private Initiativen und Organisationen würden tätig werden.

Diese will der Asylkreis mit den Lichtstelen unterstützen. Die Mitglieder hoffen, dass sich die Menschen Gedanken über das Geschehen machen und für die Hilfsorganisationen spenden. Der Dank der Geflüchteten ist sicher, wie das Beispiel von Ahmad und Bayram Kouja zeigt. Die beiden in Grafrath lebenden Syrer sind zwar nicht über das Mittelmeer geflohen, beobachten die Situation aber mit Schrecken. „Die Aktion des Asylkreises verdient Dank und Respekt“, sagt Bayram Kouja. ANDREAS DASCHNER

Auch interessant

Kommentare