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Zeigen auf das umstrittene Schild: Ingrid und Walter Hauke aus Grafrath.

In der Jesenwanger Straße

In Grafrath: Zoff um Tempolimit

Einen Strafzettel bekam die Grafratherin Ingrid Hauke. Sie war in der Jesenwanger Straße, einer Tempo 30-Zone, zu schnell gefahren. Die Beschränkung ist aus der Beschilderung aber nicht klar ersichtlich.

GrafrathDie Haukes wohnen im Gärtnerweg. Ingrid Hauke (75) war am 14. Oktober wie schon so oft von dort in die Jesenwanger Straße eingebogen und in Richtung Bahnhofstraße gefahren. Plötzlich ein rotes Licht: Die Grafratherin ist in einen Blitzer des Verkehrsüberwachungsdienstes Germering gefahren, mit dem die Gemeinde seit einiger Zeit zusammenarbeitet.

37 Stundenkilometer sei sie gefahren, heißt es im Schreiben der Verkehrsüberwacher, das ihr später ins Haus flatterte. Erlaubt sind in der Jesenwanger Straße aber nur 30 Stundenkilometer. 15 Euro Strafe sollte sie bezahlen.

„Aber die Anwohner, die aus dem Gärtnerweg, der Hubertusstraße und der Försterstraße in die Jesenwanger Straße einbiegen, sehen bis zur Hausnummer 20 kein 30er-Schild“, sagt Ehemann Walter Hauke. Im Gegenteil: Bei den Einmündungen der Hubertus- und der Försterstraße werde sogar ein Ende der dortigen Zone 30 angezeigt.

Laut Verkehrsüberwachungsdienst genügt die Beschilderung

Geblitzt wurde auf Höhe der Hausnummer 24, also vor dem besagten 30er-Schild. Die Haukes legten deshalb Widerspruch gegen den Strafzettel ein. Doch ohne Erfolg. Der Verkehrsüberwachungsdienst verweist auf ein Schild im Gewerbegebiet am Ende der Jesenwanger Straße. Auf Höhe der Brunnleitenstraße existiere eine gut erkennbare Beschilderung, die auf das Tempolimit hinweise, heißt es in dem Schreiben, aus dem Walter Hauke zitiert. Ingrid Hauke hätte dies als langjähriger Bewohnerin im Gärtnerweg bekannt sein müssen.

Für Haukes ist das im wahrsten Sinne des Wortes ein Schildbürgerstreich. Denn: „Demnach dürfen auswärtige Autofahrer, die aus den Anwohnerstraßen in die Jesenwanger Straße einbiegen, bis zur Hausnummer 20 mit 50 Stundenkilometern fahren, da ihnen dieses Schild nicht bekannt sein muss.“ Nur ortsansässige Autofahrer dürften nicht schneller als 30 Stundenkilometer fahren.

Grafraths Bürgermeister Markus Kennerknecht will nichts ändern

Doch auch Anwohnern müsse das Schild im Gewerbegebiet nach Walter Haukes Ansicht nicht zwangsläufig bekannt sein. Die Straße endet dort und ist nicht überörtlich angebunden. „Es gibt für uns keinen Grund, ins Gewerbegebiet zu fahren“, sagt der 76-Jährige.

Grafraths Bürgermeister Markus Kennerknecht beruft sich in der Sache auf die Aussage der Verkehrsüberwacher. „Die sehen die Beschilderung als ausreichend an“, sagt der Gemeindechef. Er sieht derzeit deshalb auch keinen Grund, etwas daran zu ändern, zumal die Jesenwanger Straße ohnehin bald ausgebaut wird. „Dann könnte sich die Beschilderung sowieso ganz anders darstellen.“ Im Gemeinderat ist zudem eine künftige Zone-30-Regelung im Gespräch.

Gericht könnte zugunsten des Verkehrsüberwachungsdienstes entscheiden

Auch an die Gesetzeshüter hatte sich Hauke gewandt. Martin Bosch von der Polizeiinspektion Fürstenfeldbruck sagte dem Tagblatt auf Nachfrage, dass der Fall zwar nicht aktenkundig ist und deshalb von ihm auch nicht abschließend bewertet wurde. Er werde das Thema aber ansprechen, wenn er wieder mit den zuständigen Stellen in der Gemeinde Grafrath in Kontakt trete.

Die Haukes haben unterdessen den Einspruch zurückgezogen und den Strafzettel bezahlt – auch weil ihr Rechtsanwalt, den sie ebenfalls bezahlen mussten, nicht ausschließen konnte, dass ein Gericht in einer etwaigen Verhandlung doch im Sinne des Verkehrsüberwachungsdienstes entscheide.

„Der Anwalt sieht uns im Recht“, sagt Hauke allerdings. Das Risiko einer möglichen Prozessniederlage wollten er und seine Frau dennoch nicht eingehen. „Einfach dabei belassen wollen wir es aber auch nicht“, betont der Grafrather, weshalb er den Fall nun öffentlich machte – auch um andere Autofahrer, die nicht Bescheid wissen, vor überraschenden Strafzetteln zu bewahren.

von Andreas Daschner

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