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Thomas Böhner bei der Stippvisite vor Ort in Afrika.

Hilfsorganisation

Afrika-Helfer machen Druck auf Behörden

Die zehnte Reise zu seinen medizinischen Projekten in Liberia hat eine Delegation des Vereins „Kpon Ma“ angetreten. Ein fünfköpfiges Team um den Grafrather Vorsitzenden Thomas Böhner besuchte zwei Busch-Kliniken, welche die Organisation errichten ließ.

Grafrath Zwei Hauptschwerpunkte hatte sich die Helfer-Initiative gesteckt, als sie sich auf den Weg in das westafrikanische Land machte: die Ausbildung des medizinischen Personals und das Management der Organisation in andere Hände zu geben. „Doch dass es so schwer sein kann, Fortbildungsmöglichkeiten im Land zu finden, hätte niemand gedacht“, so Thomas Böhner, dem vor allem die Zuständigkeitsprobleme seitens der Regierung zu schaffen machten. Erst nachdem die Helfer aus Deutschland Druck auf die zuständigen Behörden ausübten, wurde kurz vor der Abreise eine professionelle Schulung gewährleistet.

Zum sechswöchigen Aufenthalt in Liberia wurde der Grafrather von Birgit Heinloth, Robert Sommer, Walter Schnittler und dessen Freundin Katrin Kwas begleitet. Die Gruppe wohnte in der Stadt Bong Mines. Während Heinloth nach über zehn Jahren Kriegsende sehen wollte, was von ihren Hilfsprojekten im Rahmen der evangelischen Diakonie noch übrig geblieben ist, gaben Walter und Sommer Schulungen in E-Mail-Kommunikation.

„Liberia ist kein Land, in dem es sich leicht leben lässt“, sagt Böhner. Ein Beispiel: Für die über vier Millionen Menschen gibt es nur zwei Ärzte, die Knochenbrüche operieren können. Ein weiteres Problem sei es, dass die so genannten „Elders“, die Gemeinderäte, gerade an der Arbeit von ausländischen Hilfsorganisationen wenig Interesse zeigen. Spürbar wurde das nach der Ebola-Krise. Wegen der Infektionskrankheit musste jede Gesundheitseinrichtung im Land eingezäunt werden. So auch die beiden Busch-Kliniken, die Eigentum der Gemeinde sind und deshalb auch in deren Zuständigkeitsbereich fällt. Wieder konnte, nur durch Druck Böhners und den Rest der Gruppe, in Form einer Androhung der Einstellung der Medikamentenlieferung erreicht werden, dass die Gemeinde ihrem Auftrag nachkam.

Doch es gibt auch eine andere Seite, die den Helfern Mut macht und sie in ihrer Mission in Liberia bestärkt. Yarbayah etwa, die Größe der Kliniken, „läuft hervorragend“, teilt Böhner mit. Das liegt nicht zuletzt an Stephen, der dort als „Primary Health Worker“ arbeitet und das Herz der Klinik sowie der gesamten Organisation sei. „Er kann die Fülle an wartenden Patienten auch nach dem fünfzigsten Fall immer noch geduldig abarbeiten und tut dies auch noch höchst kompetent“, erläutert Böhner. Ein Stipendium zur Hebamme von einer Stiftung aus Grafrath hat unterdessen Germai erhalten, die in der Klinik Patienten wiegt und registriert. In Kakata besucht sie für die Ausbildung mittlerweile eine Schwesternschule.

Im März will der Verein wieder nach Liberia fliegen. Dafür werden noch Freiwillige gesucht, die das Team unterstützen. Vor allem soll dem Personal vor Ort der Umgang „mit den modernen Mitteln des Internets“ gezeigt werden.

Sebastian Öl

Hier finden sie die Geschichte von Thomas Böhner

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