Im Wald zwischen Jesenwang und Grafrath

Kartoffellager im früheren Waffenbunker

Grafrath – Kartoffel statt Kanonen, Weizen statt Bomben – der Kalte Krieg ist auch in Grafrath längst vorbei. Die Bunkeranlage im Wald zwischen Grafrath und Jesenwang existiert aber noch. Landwirte benutzen sie als Lager.

„Wenn man ein Kartoffellager neu bauen müsste – man könnte es eigentlich nicht besser machen“, stellt Landwirt Georg Huber aus Puchheim fest. Er ist einer der Nutzer der Anlage, die der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gehört. Sie hat sie an Landwirte verpachtet, die dort landwirtschaftliche Produkte und Geräte lagern.

Im Bunker Nummer 770 beispielsweise lagern 140 Tonnen Pflanzkartoffel der Sorten Kuba und Kuras. Es handelt sich um zertifiziertes Saatgut, das Huber für einen Händler lagert und später für den Verkauf vorbereitet. Nach der Ernte im September hatte der Landwirt, der zusammen mit seiner Frau Christine auch eine Pferdepension betreibt, die Kartoffeln im Bunker eingelagert. „Zur Ernte war es sehr warm, deswegen mussten wir die Kartoffel lange bis auf vier Grad runterkühlen“, so Huber. Dazu hat er ein Aggregat installiert, gelochte Rohre angeschlossen und diese am Boden verlegt und die Kartoffeln darüber geschüttet.

Damit kann Georg Huber gleichzeitig eine konstante Belüftung der Kartoffeln sicher stellen. Denn die dürfen nicht schwitzen, und die durch die „Atmung“ entstehende Wärme muss abgeführt werden. „Wenn’s zu warm ist, dann fangen die Kartoffeln das Keimen an, das darf keinesfalls passieren.“ Alle paar Tage kommt er zum Nachschauen und stellt gegebenenfalls die Zeitschaltuhr für die Belüftung neu ein. Bevor es jetzt richtig kalt wurde, hat er die Belüftung ganz beendet, denn Frost im Bunker wäre auch eine Katastrophe.

Durch die Meter dicken Wände des Bunkers und die Erdüberdeckung herrschen sehr ausgeglichene Temperaturen. Durch die riesigen, tonnenschweren Tore kann man auch mit größeren Maschinen gut in den ebenerdigen Bunker fahren, auch Strom ist vorhanden. Nur die Zufahrtsmöglichkeit zur Bunkeranlage hat sich seit Kurzem verschlechtert. Die Notarkasse hatte den umgebenden Wald verkauft, und im Notarvertrag verzichtete jemand unglücklicherweise auf die Beibehaltung des Zufahrtsrechts. „Jetzt hat die Bundesrepublik zwar nach wie vor ein großes Grundstück im Wald, aber leider keine Zufahrtsmöglichkeit mehr“, berichtet Huber. Die Bayerischen Staatsforsten zeigten sich kooperativ und erlaubten den Landwirten die längere und unbefestigte Zufahrt über einen Waldweg von der anderen Seite.

Spätestens im März kommen die Kartoffel nach Puchheim. Dort werden sie sortiert, weil Setzmaschinen nur Größen zwischen 35 und 55 Millimeter verarbeiten können. Bis 2018 bleibt das Lager dann leer.

Die Anlage

Gut versteckt und natürlich ohne einen Wegweiser liegt die Bunkeranlage mitten im Wald zwischen Jesenwang und Grafrath. Ein hoher Maschendrahtzaun mit Stacheldraht umgibt noch heute die Anlage, die aus zehn größeren und einigen kleineren Bunkern besteht. Entlang des asphaltierten Rundweges steht auch das Wachgebäude sowie mehrere Garagen. Das Objekt gehörte zum Fliegerhorst Fürstenfeldbruck und wurde rund um die Uhr von einer zivilen Mannschaft bewacht, sogar mit Diensthunden bestreift. „In den Bunkern lagerten Abwurfwaffen, Kanonen, Luft-Bodenraketen und Munition für den leichten Jagdbomber Alpha Jet“, erinnert sich Fritz Morgenstern, der von Oktober 1987 bis September 1990 Kommodore des Jagdbombergeschwaders 49 war. Wie lange Waffen dort gelagert waren, kann Morgenstern nicht sagen. „Vermutlich endete die Nutzung der Bunker zeitgleich mit dem Ende des Alpha-Jet-Einsatzauftrages in Fursty Anfang der 90er-Jahre“, so der Oberst a.D.. Munitionslager deutlich außerhalb des Brucker Fliegerhorstes zu unterhalten sei damals durchaus üblich gewesen. Im Falle des Angriffs auf den Fliegerhorst wären die Waffen dort, rund zehn Kilometer südwestlich, sicher aufbewahrt gewesen. Andererseits stellen die Waffen im Unglücksfall auch eine Gefahrenquelle dar, die aber fernab von Dörfern überschaubar war. „Und im Wald waren die Bunker ja auch relativ gut .“getarnt“, so Fritz Morgenstern weiter. (mjk)

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