Verlegten ihre Schreib- und Malwerkstatt nach draußen – und das im Winter: Mona Ragheb (l.) und Simone Schmid arbeiteten auf zwei Bankerln, also mit ausreichend Abstand, an dem Kinderbuch. 
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Verlegten ihre Schreib- und Malwerkstatt nach draußen – und das im Winter: Mona Ragheb (l.) und Simone Schmid arbeiteten auf zwei Bankerln, also mit ausreichend Abstand, an dem Kinderbuch. 

Grafrath

Mit ihrem Buch erwärmen sie kleine Herzen

  • Andreas Daschner
    VonAndreas Daschner
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Die eine schreibt, die andere malt. Nun haben sich die beiden Grafratherinnen Simone Schmid und Mona Ragheb zusammengetan und ein Kinderbuch geschrieben. Wie fast bei allem in den zurückliegenden Monaten stand dabei Corona im Fokus – in mehrfacher Hinsicht.

Grafrath – Entstanden ist das Buch „Die Sternenkinder auf dem Alten Hackl-Hof“, als die Inzidenzzahlen im vergangenen Winter mit am höchsten waren. Treffen in geschlossenen Räumen war nicht möglich. Wie also gemeinsam an einem Buch arbeiten? Die in der Region für ihre heiteren Geschichten bekannte Autorin Simone Schmid (80) und Illustratorin Mona Ragheb (49) fanden eine praktikable, aber auch reichlich ungemütliche Lösung.

Die beiden Bankerl beim Holzkopf nahe des Maibaums im Grafrather Ortsteil Unteralting wurden für das Duo zur Schreib- und Malstube – mitten im Winter. „Ich hatte einen Besen dabei, mit dem wir die Bankerl gefegt haben“, erzählt Schmid. Auf dicken Decken und eingehüllt in warme Kleidung arbeiteten Schmid und Ragheb an der Geschichte.

So ganz zufällig war der Ort natürlich nicht gewählt. Schließlich liegt er nahe des Alten Hacklhofs, der eine zentrale Rolle im Buch spielt. Dort lernt ein kleiner Hase andere Tiere kennen, darunter auch bereits gestorbene Hunde, Katzen und Pferde. Die sind von den titelgebenden Sternenkindern auf die Erde zurückgebracht worden. Gemeinsam erleben die Tiere viele Abenteuer – aber ohne Menschen, denn die Pandemie zwingt die Zweibeiner in die Quarantäne.

„Mit der Geschichte gehe ich schon zehn Jahre schwanger“, erzählt Schmid. Freilich spielte damals die Pandemie noch keine Rolle. „Die Kinder vom Alten Hackl-Hof hatten mich mal gefragt, ob ich nicht eine Geschichte zu Weihnachten schreiben will.“ Und beim Blick auf die Perseiden – ein jährlich Anfang August wiederkehrender Meteorenstrom, der für zahllose Sternschnuppen sorgt – war ihr an einem 10. August die Idee zu den Sternenkindern gekommen.

Einen richtigen Einstieg in die vage Idee fand Schmid aber zunächst nicht. „Und dann kam Corona.“ Und plötzlich entfaltete sich die Geschichte. Die Weihnachtserzählung wurde es aber nicht. Stattdessen las Schmid den Kindern im Ort an Ostern die Geschichte erstmals von ihrem Garten aus vor.

Im Zuge der Grafrather Sommerabende – ein neues Format, bei dem die Veranstaltungen coronabedingt im Freien stattfinden – las die 80-jährige Autorin die Erzählung ebenfalls, einmal ganz in der Nähe der Bankerl am Holzkopf.

Und da war auch Ragheb dabei. Die Grafratherin, die für ihren Crêpes-Stand bekannt ist, betätigt sich seit geraumer Zeit künstlerisch. „Als ich die Geschichte hörte, hatte ich sofort alle Bilder dazu im Kopf“, sagt sie. Vor allem eine Floßfahrt der Tiere auf der Amper entstand quasi aus dem Nichts vor ihrem geistigen Auge. „Ich bin gleich zur Amper gegangen und habe Skizzen gemacht.“ Diese fanden bei Schmid großes Gefallen. Beinahe wäre die Zusammenarbeit jedoch an der Technik gescheitert. „Ich habe Mona alles Wichtige per E-Mail geschickt, aber es kam nichts an“, erzählt sie. Ragheb hatte zunächst gedacht, das Interesse sei geschwunden, weshalb sie sich mit einer anderen Bilderreihe beschäftigt hatte. Schließlich fanden die beiden Grafratherinnen aber doch zusammen – und erlebten dann so manche Anekdote.

Ein Bild im Buch zeigt zum Beispiel den Bus des FC-Bayern-Fanclubs, der vor Corona des öfteren Halt an der Gaststätte „Dampfschiff“ gemacht hat. „Ich habe dem FC Bayern den Textausschnitt geschickt und gefragt, ob wir den Bus einfach malen dürfen“, erzählt Schmid. Die Antwort war beinahe so herzerwärmend wie die Geschichte um die Sternenkinder: „Die Mitarbeiterin hat geschrieben, dass sie der Text tief berührt habe, und natürlich dürften wir das Logo des FC Bayern verwenden.“

Die Geschichte um den Bus zeigt es bereits: Am Ende tauchen in dem Buch auch die Menschen wieder auf. Ein Happy End, das nicht nur die Kinder vom Hackl-Hof im Buch nachlesen oder sich vorlesen lassen können. Und zwar in den warmen vier Wänden, sodass sie nicht wie Schmid und Ragheb auf dem Bankerl beim Holzkopf nahe des Alten Hackl-Hofs frieren müssen.

Das Buch

„Die Sternenkinder auf dem Alten Hackl-Hof“ ist erhältlich bei Simone Schmid per E-Mail an die Adresse Simone-willy.schmid@t-online.de und bei Mona Ragheb. Kontakt ist möglich über die Internetseite www.MonArt-Papeterie.com.

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