Am Wahlfeld: Aus dem Landschaftsschutzgebiet „Obere Amper“ sollten Teilflächen zwischen den Gebäuden und dem Wald im Hintergrund herausgelöst werden – für die Erweiterung des Gewerbegebiets. Foto: Archiv Daschner

Wahlfeld-Bürgerentscheid

Nach Erweiterungs-Veto droht Firmen-Exodus

Grafrath - Die Erweiterung des Gewerbegebiets am Wahlfeld ist nach zwei Bürgerentscheiden vom Tisch. Bürgermeister Markus Kennerknecht erwartet Konsequenzen für die Entwicklung des Gewerbes im Ort. Die Erweiterungsgegner fordern indessen Lösungen, die zu Grafrath passen.

Mit 899:559 Stimmen hatten die Wähler dem Bürgerbegehren des Aktionsbündnisses Grafrath (ABG) stattgegeben, das sich gegen eine Herausnahme von Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet zugunsten von Gewerbeflächen gewehrt hatte. „Das Ergebnis zeigt, dass es sich dabei nicht um Einzelinteressen gehandelt hat“, sagt Martin Hoffmann vom ABG.

Nachdem ihr Ansinnen mehrheitliche Unterstützung gefunden hat, beschäftigt die Erweiterungsgegner nach wie vor der harte Wahlkampf. Dass die Angriffe auf eine persönliche Schiene abgerutscht sind, bezeichnet Hoffmann als schlimm: „Es kann so nicht weitergehen, dass sich die Grafrather bekämpfen, das ist kein Zustand“, sagt er. Hoffmann sieht den Gemeinderat nun in der Pflicht, „in sachlicher Atmosphäre Lösungen fürs Gewerbe zu erarbeiten, das zu den Gegebenheiten des bestehenden Gewerbegebiets passt“.

Eine direkte Folge des Ergebnisses der Bürgerentscheide könnte die Abwanderung der Firma Cabero sein. Die hatte zusätzliche Flächen am Wahlfeld für eine Erweiterung benötigt, die nun wohl vom Tisch ist. CSU-Sprecher Gerald Kurz sagt, Inhaber Tino Cabero habe in einem Telefonat bereits angekündigt, dass er Grafrath verlassen werde. Das Unternehmen entrichtet nach Tagblatt-Recherchen jährlich rund 300 000 Euro Gewerbesteuer an die Gemeinde. „Ich bedauere es, dass die Firma wahrscheinlich abwandert“, sagt Bürgermeister Markus Kennerknecht.

Eine vom ABG ins Spiel gebrachte „kleine Lösung“ nur für Cabero sieht der Rathauschef nicht als realistisch an. „Für eine sinnvolle Erweiterung müssten immer Areale aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgenommen werden“, sagt er. Dies sei durch die Bürgerentscheide nicht mehr möglich, „und andere Grundstücke haben wir nicht“. Auch deshalb befürchtet Kennerknecht: „Die Gewerbeentwicklung in Grafrath wird sich schwer gestalten.“

Was das ABG stört, ist die weiter bestehende Doppelausweisung des Areals als Gewerbeflächen im Flächennutzungsplan sowie als Landschaftsschutzgebiet. Kennerknecht kündigte zwar an, dass der Antrag auf Herausnahme aus dem Landschaftsschutz nun zurückgezogen wird. Hoffmann fordert jedoch, dass auch der Flächennutzungsplan angepasst wird damit die Diskussion nicht erneut aufbrandet, wenn die Bindungsfrist an den Bürgerentscheid in einem Jahr abläuft. Kennerknecht steht weiter zum Beschluss des Gemeinderats, dahingehend erst einmal nichts zu unternehmen. Das Thema könne aufgegriffen werden, wenn die Überarbeitung des Flächennutzungsplanes in seiner Gesamtheit diskutiert werde. Nun einen einzelnen Punkt herauszupicken sei nicht sinnvoll.

von Andreas Daschner

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