Das erste Konzert des Bach-Kantaten-Vereins in der Michaelkirche (oben) war ein großer Erfolg.
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Das erste Konzert des Bach-Kantaten-Vereins in der Michaelkirche war ein großer Erfolg.

Grafrath

Neuer Chor singt nur besondere Bach-Werke

  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Chöre, die sich dem großen Barockkomponisten Johann Sebastian Bach verschrieben haben, gibt es viele. Ein neuer Verein aus Grafrath spezialisiert sich sogar noch weiter – er will ausschließlich Bach-Kantaten zur Aufführung bringen. Und noch eine Besonderheit: In den Konzerten wird nicht nur gesungen.

Grafrath – Im vergangenen Herbst gegründet, hat der Bach-Kantaten-Verein (BKV) laut seiner zweiten stellvertretenden Vorsitzenden Maria Leitenstern-Gulden mittlerweile 35 Mitglieder, davon rund 20 aktive Sänger. Die Männer und Frauen gehören größtenteils auch einem Münchner Ensemble an – den Arcis-Vocalisten unter der Leitung von Thomas Gropper.

Kein Unbekannter

Der Opernsänger und Professor an der Münchner Musikhochschule ist auch Dirigent des BKV sowie Mitglied im Vorstand. Gropper ist in der Region kein Unbekannter. Ab 2008 leitete er sechs Jahre lang den Philharmonischen Chor Fürstenfeld. Die Verbindung nach Grafrath kommt auch über den dortigen evangelischen Pfarrer Karl Mehl zustande, in dessen früherer Münchner Kirche die Arcis-Vocalisten öfter auftraten.

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Warum die Spezialisierung auf Bach-Kantaten? „Das ist einfach großartige Kirchenmusik“, sagt Gropper. Etwa 200 von Bachs geistlichen Kantaten sind erhalten, auch eine Handvoll weltliche gibt es. Sie wurden zu besonderen Anlässen zu Ehren berühmter Zeitgenossen komponiert. Die 20- bis 30-minütigen Musikstücke korrespondieren mit den Sonntagen des Kirchenjahres und spiegeln sich musikalisch in Bachs Oratorien und Passionen wider. An die Sängerinnen und Sänger stellen die Kantaten besondere Anforderungen, weshalb Gropper für jedes Konzert eine eigene, handverlesene Gruppe bilden will. Die Zusammensetzung soll möglichst perfekt auf den Charakter der jeweiligen Kantate abgestimmt sein. „Weil die Besetzung mit vier bis fünf Sängern aus jeder Stimmgruppe relativ klein ist, ist es noch wichtiger, dass die Stimmen zusammenpassen“, erklärt Maria Leitenstern-Gulden.

Zugang erleichtern

Gropper legt Wert darauf, dass die Sänger die Texte gut artikulieren und Emotionen vermitteln, um den Zuhörern den Zugang zur Spiritualität der Werke zu erleichtern. Er spricht von „schlankem, weniger opernhaftem“ Gesang. Für die Konzerte werden außerdem professionelle Solisten engagiert. Die Instrumentalbegleitung übernimmt das hochkarätige Münchner Barockorchester „L’arpa festante“.

Wichtig ist den Initiatoren, dass es sich bei den Aufführungen um „Gesprächskonzerte“ handelt, wie Maria Leitenstern-Gulden betont. Zusätzlich zum Musikgenuss erhält das Publikum von Thomas Gropper eine Einführung in die Werke und erfährt Spannendes über deren Hintergrund und Einordnung. Auf diese Weise haben die Zuhörer noch mehr von der Musik.

Das Format kommt an, wie kürzlich das erste Konzert in der Michaelkirche in Grafrath bewiesen hat. „Wir hatten 70 Plätze, aber weit über 100 Interessenten“, berichtet Maria Leitenstern-Gulden. Hinterher bekam sie viele begeisterte Rückmeldungen. „Es war überwältigend.“ Geplant sind drei Konzerte im Jahr, die an zwei aufeinanderfolgenden Tagen in der Michaelkirche und der Himmelfahrtskirche München-Sendling stattfinden sollen. Die weiteren Termine für dieses Jahr in Grafrath sind am Pfingstsonntag, 5. Juni, und am Sonntag, 6. November.

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