Serie: Häusergeschichten (5)

Die Pension der Urgroßmutter renoviert

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Bereits die Urgroßmutter des jetzigen Eigentümers Eugen Weiß hat in der Villa These in Grafrath gewohnt. Jetzt haben er und seine Frau das über 100 Jahre alte Haus im Originalstil wieder hergerichtet.

von Andreas Daschner

Grafrath – Natur, Stille und die Nähe zum Ammersee: Viele Münchner besuchten vor 100 Jahren Grafrath zur Sommerfrische. Davon zeugen heute noch zahlreiche prächtige Bauten in den beiden Villenstraßen. Eine davon gehört Iris und Eugen Weiß. Villa These heißt der prächtige Altbau an der Villenstraße Nord – ein Name, der davon zeugt, dass es einst als Pension für Sommerfrischler betrieben wurde.

Und in der Tat hat das die Urgroßmutter von Eugen Weiß getan. Sie hieß Therese, wovon sich der Hausname ableitete. „Die Gäste haben hier gewohnt und sind tagsüber mit dem Dampfschiff zum Ammersee gefahren“, sagt Eugen Weiß. Das Schiff legte einst dort ab, wo heute eine gleichnamige Gaststätte daran erinnert.

Gebaut wurde die Villa These im Jahr 1902 von dem Architekten Norbert Keller, der auch der erste Besitzer war. Keller hatte sich dem Schweizer Landhausstil verschrieben und mehrere derartige Häuser in Grafrath geplant. Nicht lange nach dem Bau ging die Villa in den Besitz der Familie Weiß über.

Das ist bis heute so geblieben: Vor 26 Jahren haben Iris und Eugen Weiß das Haus aus einer größeren Erbengemeinschaft übernommen. Wohnhaft sind sie dort aber erst seit 24 Jahren. Und das hat einen einfachen Grund: Das alte Haus musste erst renoviert werden - „und zwar heftig“, wie Iris Weiß betont.

Die Villa hatte keine Zentralheizung. Und auch die sanitären Anlagen mussten komplett erneuert werden. Dazu war im Mittelgeschoss vieles zerstört. „Die alten Türen waren gegen Resopaltüren ausgetauscht worden“, erzählt Eugen Weiß. Seine Frau ergänzt: „Aber Gott sei Dank waren die Originaltüren in einem Schuppen eingelagert, so dass wir sie wieder einbauen konnten.“ Des weiteren wurde das Treppenhaus neu verputzt, die Treppe abgeschliffen, die Fußböden ausgebaut, isoliert und wieder eingebaut, die Fenster abgeschliffen, die Erker winterfest gemacht, eine zusätzliche Treppe eingebaut sowie Wände versetzt, um Platz für ein kleines Bad zu schaffen. „Die Handwerker hatten uns erst für verrückt erklärt und gesagt, wir sollten das Haus besser abreißen“, erinnert sich Iris Weiß. Aber das kam nicht in Frage.

Im Gegenteil: Das alte Gebäude sollte möglichst in seinem Originalstil erhalten werden. „Wir haben zum Beispiel versucht, die alten Fensterbeschläge herzubekommen“, erzählt Iris Weiß. „Dazu kann man nicht einfach in den nächstbesten Baumarkt gehen“, sagt ihr Mann. Auf Flohmärkten und speziellen Antiquitäten-Baumärkten fanden sie die Beschläge schließlich – sehr zum Gefallen des Denkmalschutzamtes, da so die Fenster erhalten werden konnten.

Das Amt wurde aber auch noch aus einem anderen Grund hellhörig. Denn während der Arbeiten tauchten plötzlich alte Schablonierungen an den Decken auf. „Das war reiner Zufall, dass wir sie entdeckt haben“, sagt Iris Weiß. Die Schablonierungen waren irgendwann übermalt worden. Beim Restaurieren wurde die Farbe entfernt und so kamen die alten Verzierungen zum Vorschein, die nun wieder die Decken zieren.

Ebenso schwierig gestaltete sich der Erhalt einiger Fliesen. „Wir haben gerettet, was zu retten war“, sagt Eugen Weiß. Darum sind heute einige der alten Kacheln in neuen Naturstein eingebettet. Natur ist überhaupt das bezeichnende Stichwort für die Arbeiten. „Wir haben baubiologisch renoviert – das heißt, nur mit natürlichen Isoliermaterialien und Farben“, erklärt Iris Weiß.

Das gefällt offenbar auch Fledermäusen, denn diese nisten jedes Jahr hinter einigen Fensterläden. „Sie haben sogar Junge“, sagt Iris Weiß. Und auch Mauersegler finden in der alten Villa, für deren Renovierung Iris und Eugen Weiß 1997 in einem Denkmalschutzkatalog der Sparkasse aufgenommen wurden, eine Heimat.

Bereut haben die beiden Grafrather die viele Arbeit nie. Eugen Weiß sagt aber ironisch: „Wer Geld hat und ist dumm, kauft ein altes Haus und baut’s um...“

Auch interessant: Der Bauernhof des Urgroßvaters und weitere Häusergeschichten.

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