Grafrath

Senioren leben unter preisgekröntem Dach

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Die Bewohner des Altenwerks Marthashofen leben unter einem preisgekrönten Dach. Wegen der besonderen Form war die Sanierung der Dachfläche eine Herausforderung. Eine Firma hat sie gemeistert – und dafür den Sanierungspreis erhalten.

Grafrath – Die Architektur des Altenwerks Marthashofen ist nicht alltäglich. Nicht eckig und kantig präsentiert sich der Gebäudekomplex, sondern mit vielen Winkeln, aber auch Rundungen. Eine Besonderheit des Bauwerks bekommen aber weder die Bewohner noch die Besucher zu Gesicht: das Dach.

Wellenförmig präsentiert sich der Aufbau, beinahe wie ein Meer bei starkem Wind. Doch das wurde dem Altenwerk nun beinahe zum Verhängnis. Als das Altenwerk 1990 gebaut wurde, wurde es mit sogenannten Mönch-und-Nonne-Ziegeln aus der Toskana gedeckt. „Die Ziegel wurden damals als frostsicher verkauft“, erzählt der heutige Geschäftsführer Rafael Suslow. Allerdings waren sie das nicht, weshalb Suslow seinen heutigen Arbeitsplatz schon früh von oben zu sehen bekam.

Zahlreiche Absagen

„Es gab mehrere Sanierungsversuche“, erzählt er. Einer davon erfolgte im Sommer 1998 – mit Suslow, damals noch Schüler, an vorderster Front. „Es war ein Sommerferienjob. Wir haben die Ziegel vom Dach geholt“, erinnert er sich. Anschließend ließ das Altenwerk Bitumenbahnen aufbringen. „Das war aber nie richtig dicht und auch nicht vernünftig gedämmt“, sagt Suslow.

Damit sollte endlich Schluss sein. Doch die Suche nach einem Spengler, der sich an die architektonische Herausforderung wagte, gestaltete sich schwierig. „Wir haben viele Firmen angeschrieben, ein paar waren auch zur Besichtigung da“, erzählt Suslow.

Doch es hagelte zahlreiche Absagen. „Viele haben abgewunken, weil das Dach keine geraden Bahnen hat.“ Das Wellendach sei architektonisch zwar gelungen, für einen Handwerker aber eine echte Herausforderung. In Fuchstal (Kreis Landsberg) wurde Suslow aber doch fündig. Die Spenglerei Engel schreckte auch nicht vor der Entscheidung des Altenwerks zurück, aus energetischen und Haltbarkeitsgründen ein Aluminiumdach aufbringen zu lassen.

Konische Bahnen

Die komplexe Form des Daches stellte auch die Spezialisten für Metalldächer vor eine Herausforderung. „Wir mussten 2600 Meter konische Bahnen schneiden“, berichtet Firmengründer Thomas Engel. Dazu seien knifflige Anschlüsse zu den Dachfenstern und anderen Aufbauten gekommen.

Und nicht zuletzt musste die Arbeit auch mit dem Zimmerer abgestimmt werden. Weil sich die beiden Firmen gut kennen, gab es hier aber die geringsten Probleme. „Das ist super geflutscht“, sagt Engel.

Das Ergebnis war schließlich so gut, dass das Fuchstaler Unternehmen sogar den Sanierungspreis 2018 im Bereich Metall abgeräumt hat. Der Preis wird jedes Jahr vom Fachverlag Rudolf Müller vergeben. Laut Engel haben aber auch Suslow und seine Mannschaft aus Marthashofen ihren Anteil am Gewinn des Preises. „Das Erfolgsgeheimnis war, dass uns das Altenwerk keinen zeitlichen Druck gemacht hat“, sagt der Handwerker.

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