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Vor Bürgerentscheiden

Situation in Grafrath eskaliert

Grafrath – Der Streit um die Erweiterung des Gewerbegebiets am Wahlfeld eskaliert vor den Bürgerentscheiden am 10. Juli immer mehr – und zwar inner- wie auch außerhalb des Gemeinderats.

Das macht den vier Frauen im Gremium große Sorgen. „Wir sind entsetzt über die Art und Weise, wie dieses Thema mittlerweile diskutiert wird“, sagte Vizebürgermeisterin Ingrid Wild gestern bei einem Gespräch. Zu diesem hatte sie gemeinsam mit Gabrielle Oellinger und Andrea Seidl von der Frauenliste sowie Sibylla Rathmann von der CSU geladen. „Wir sind nach der Wahl angetreten, um uns für einen besseren Umgangston einzusetzen“, so die Vize-Rathauschefin.

Nach Seidls Ansicht ist das aber nur zum Teil gelungen: „Unter den Fraktionen wird noch nicht in dem Maße gesprochen, wie es sein sollte.“ Oellinger bezeichnet den Umgang als „oberflächlich und nicht ehrlich“.

Was Rathmann sauer aufstößt: „Die massiven Angriffe auf Bürgermeister Markus Kennerknecht in den Sitzungen.“ Die vier Frauen haben das Gefühl, dass der Rathauschef öffentlich demontiert werden soll – sowohl durch polemische Äußerungen einiger Gemeinderäte, als auch durch Wortmeldungen von Bürgern in den Sitzungen.

Zu etwas mehr Sachlichkeit hätte auch eine Infoveranstaltung von CSU, SPD und Frauenliste zusammen mit der Firma Cabero beitragen sollen. Aber auch in deren Nachgang gibt es Misstöne (siehe unten). Immerhin gut 300 Menschen hatten den Termin genutzt, um sich über die Erweiterung zu informieren und sich vor Ort ein Bild zu machen.

Im Rahmen der Erweiterung sollen Grundstücke zur Bevorratung für die Gemeinde abfallen. Außerdem will Cabero auf knapp 4500 Quadratmetern ein neues Labor und Büroräume mit rund 25 neuen Arbeitsplätzen errichten, wie Inhaber Tino Cabero sagt. Im Gegenzug tritt das Unternehmen, das derzeit 22 Menschen beschäftigt, ein 1700 Quadratmeter großes Nachbargrundstück an die Gemeinde ab.

Zur Frage der Erweiterungsgegner, warum er nicht auf dieser Fläche baut, sagt der Firmenchef: „Ich brauche 600 Quadratmeter fürs Labor und 1000 Quadratmeter für die Büroräume.“ Auch bei einer zweistöckigen Bauweise sei der vorhandene Platz zu knapp bemessen. Kann er nicht bauen, denke er über einen Umzug nach Inning nach, so Cabero. Lieber würde er aber in Grafrath bleiben. „Ich bin jetzt 16 Jahre hier und das hat nie jemanden gestört.“

Aktionsbündnis wehrt sich

Das Aktionsbündnis Grafrath (ABG),  das gegen die Erweiterung des Gewerbegebiets ins Landschaftsschutzgebiet hinein sind, wehrt sich gegen die Behauptung der CSU, das Bündnis habe bei der Infoveranstaltung bei der Firma Cabero Rettungswege zugestellt. „Es war klar, dass CSU-Gemeinderat Gerald Kurz gleich die Polizei bemühen würde“, sagt Martin Hofmann vom ABG.

Die Beamten seien  prompt vor Beginn der Veranstaltung da gewesen. Wie der ansässige Schreiner Werner Dürr erklärt, seien die Beamten aber unverrichteter Dinge wieder abgerückt. „Wir haben zwar etwas provozierend geparkt, um zu zeigen, dass wir hier nicht die breiteste Zufahrtsstraße haben“, sagt er. Allerdings seien alle Fahrzeuge im Rahmen der Verkehrsregeln abgestellt worden. Die Polizei bestätigt weder die eine noch die andere Darstellung. Es habe sich um einen minimalen Einsatz gehandelt.

Die CSU hatte außerdem beklagt, dass Absperrpfosten herausgerissen worden seien, mit denen die Größe der Erweiterungsfläche gezeigt werden sollte. Dazu sagten Dürr und Hofmann unisono: „Damit haben wir nichts zu tun“.

von Andreas Daschner

Rubriklistenbild: © dpa

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