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So lief die erste Grafrather Hybridsitzung

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Von: Andreas Daschner

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Zu dritt im Sitzungssaal: Bürgermeister Markus Kennerknecht (hinten), die Protokollführerin und Planer Christian Kraus. Die Ratsmitglieder waren online zugeschaltet.
Zu dritt im Sitzungssaal: Bürgermeister Markus Kennerknecht (hinten), die Protokollführerin und Planer Christian Kraus. Die Ratsmitglieder waren online zugeschaltet. © Daschner

Ohne ein paar Kinderkrankheiten ging die erste Hybridsitzung des Gemeinderats in Grafrath nicht über die Bühne. Doch auch wenn es kritische Stimmen gab: Das Gremium einigte sich darauf, auch die restlichen Ausschuss- und Ratssitzungen im November auf diese Art abzuhalten.

Grafrath – Es war ein ungewohntes Bild: Lediglich Bürgermeister Markus Kennerknecht (parteifrei), die Protokollführerin der Gemeinde sowie der zu zwei Tagesordnungspunkten geladene Planer Christian Kraus saßen am Montagabend im Sitzungssaal. Dort herrscht normalerweise regsame Betriebsamkeit, wenn Sitzungsabend ist. Doch dieses Mal waren die Ratsmitglieder nicht vor Ort, sondern in einer Zoom-Konferenz online zugeschaltet.

Möglich machte dies eine Änderung in der Geschäftsordnung, die Hybridsitzungen im Kriegs- und im Katastrophenfall ermöglicht. Besonderheit in Grafrath: Die Regelung betrifft immer das ganze Gremium. Das heißt, wenn eine Hybridsitzung beschlossen wird, werden alle Ratsmitglieder zugeschaltet. Andernfalls müssen alle vor Ort teilnehmen. Anders als zum Beispiel in Eichenau, wo auch nur einige Mitglieder zugeschaltet werden können.

Technischer Wackler zu Beginn

Die erste Hybridsitzung in der Geschichte der Gemeinde begann gleich mit einem technischen Wackler. „Jetzt ist gerade die Internetverbindung zusammengebrochen“, sagte Kennerknecht rund fünf Minuten vor Beginn. Das sollte auch noch während der Sitzung zweimal passieren. Doch die Verbindung konnte jedes Mal wiederhergestellt werden.

Vor allem, wenn der Rathauschef Unterlagen wie zum Beispiel Baupläne auf einem geteilten Bildschirm zeigte, ging die Leitung gerne mal in die Knie. Kennerknecht hatte zwar einen Ausweichplan: Er könnte in sein Büro wechseln, wo das WLAN stabiler ist. Am Ende brauchte es das aber nicht.

Bei den Abstimmungen nutzte das Gremium die Möglichkeiten des Programms Zoom, eine virtuelle Hand zu heben. Manche Ratsmitglieder hoben auch einfach ihre Hand in die Kamera. Aber egal wie: Das Votum funktionierte reibungslos – auch wenn das Zählen der Stimmen etwas länger dauerte.

Aufruf zum Wortbeitrag

Die virtuelle Zoom-Hand war ab und an aber auch ein kleiner Fallstrick. So passierte es des Öfteren, dass Ratsmitglieder für einen Wortbeitrag aufgerufen wurden, weil sie vergessen hatten, ihre vorherige Meldung wieder abzuschalten. So war einer der häufigeren Sätze an diesem Abend: „Entschuldigung, ich habe nur meine Meldung nicht zurückgenommen.“

Am Ende waren die Meinungen zur Hybridsitzung gemischt. Monika Glammert-Zwölfer (Grüne), sagte: „Ich finde die digitale Form schwierig und würde lieber wieder in den Bürgerstadl gehen, wo wir die Abstände einhalten können.“ Vizebürgermeisterin Silvia Dörr vertrat die gegenteilige Ansicht: „Lieber Zoom, bevor wir wieder in den Bürgerstadl gehen, wo es kalt ist und man Wortmeldungen fast nicht versteht.“

Nicht von allen ein 2G-Nachweis

Josef Heldeisen (SPD) hält vor allem Sitzungen des Bauausschusses in digitaler Form für schwierig, da die Original-Baupläne nicht eingesehen werden können. „Da ergibt sich ein Informations-Defizit“, sagte er. Gerald Kurz (CSU) appellierte, den in Bayern ausgerufenen Katastrophenfall nicht auf die leichte Schulter zu nehmen – zumal laut Kennerknecht Sitzungen mit 2G-Regel nicht möglich sind. Der Grund: „Ich habe nicht von allen Ratsmitgliedern einen 2G-Nachweis“, sagte der Rathauschef.

Letztlich votierte das Gremium einstimmig dafür, alle Sitzungen im November hybrid abzuhalten. Kennerknecht geht davon aus, dass der coronabedingte Katastrophenfall auf jeden Fall noch so lange andauern wird. Betroffen sind der Bauausschuss am 18. November, der Finanzausschuss am 25. November und der Gemeinderat am 29. November.

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