Starker und lang anhaltender Regen: Im Juni 2013 war das Ampermoos großteils überflutet. Der Ammersee reichte quasi fast bis Kottgeisering. 	archiv-foto: VOXBRUNNER
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Starker und lang anhaltender Regen: Im Juni 2013 war das Ampermoos großteils überflutet. Der Ammersee reichte quasi fast bis Kottgeisering.

Grafrath/Schöngeising/Kottgeisering

Sohlschwelle schützt vor Überschwemmung

  • Andreas Daschner
    VonAndreas Daschner
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Nach der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands dürften sich viele fragen: Ist mein Ort eigentlich ausreichend gegen Hochwasser geschützt? Die Bürgermeister von Grafrath, Kottgeisering und Schöngeising erklären, wie es bei den drei Ampergemeinden aussieht.

Grafrath/Kottgeisering/Schöngeising – Bei den Bildern der Flutkatastrophen in Deutschland dürften die Menschen in der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Grafrath an 1999 gedacht haben. Das damalige Pfingsthochwasser hatte freilich nicht die dramatischen Ausmaße wie die Fluten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Es zeigt aber: Auch in den Ampergemeinden Grafrath, Kottgeisering und Schöngeising kann zu viel Wasser zu einem Problem werden.

In Grafrath dürfte es inzwischen aber wohl mehr Niederschläge als noch 1999 brauchen, um wie damals wieder die Brücke über die B 471 komplett unter Wasser zu setzen. „Aus meiner Sicht hat sich für die Amper besonders die Errichtung der Sohlschwelle bewährt“, sagt VG-Chef und Grafraths Bürgermeister Markus Kennerknecht.

Die Schwelle staut das Wasser zurück in das Ampermoos, wo es zurückgehalten wird. „Hierdurch wurde ein erheblicher Puffer errichtet, der den Wasseranstieg auch bei erheblichen Niederschlägen und hohem Zufluss aus Richtung Ammersee drosselt.“

Ein Problem in der Gemeinde sind die wenig versickerungsfähigen Böden. Deshalb muss Oberflächenwasser über Kanäle abgeleitet werden – die sogenannten Sammler. „Unser Augenmerk liegt auf einer Sanierung und Ertüchtigung dieser Kanäle“, sagt Kennerknecht. Nur durch sie sei zu gewährleisten, dass das Wasser auch bei starken Niederschlägen ordnungsgemäß abfließen kann.

Um Kottgeisering vor abfließendem Regenwasser zu schützen, könnte ein Damm zur Regenwasserrückhaltung auf dieser Wiese entlang der parallel zu den Gleisen verlaufenden Straße führen.

Außerdem wurden laut Kennerknecht unter anderem die Hochwasserschutzgebiete entlang der Amper angepasst, in denen nicht gebaut werden darf. Darüber hinaus werde zum Beispiel bei Neubaugebieten darauf geachtet, ausreichend Rückhaltemöglichkeiten für Starkregenereignisse zu schaffen – so zum Beispiel beim Vorhaben auf dem ehemaligen Märchenwald-Areal oder im Bereich des Bebauungsplanes „Pechhölzl/Nördlich Lerchenstraße“.

In Kottgeisering war 1999 nicht die Amper das Problem. Dazu liegt die Gemeinde zu weit abseits des Flusses und wird in weiten Teilen auch noch vom Ampermoos abgeschirmt. Dennoch liefen an Pfingsten vor 22 Jahren auch dort Keller vor allem am Ende der Dorfstraße voll. „Das Problem ist das Wasser, das von Reichertsried aus in den Ort fließt“, sagt Bürgermeister Andreas Folger. Die Landschaft vor der Dorfstraße wirke wie ein Trichter.

Um ein derartiges Ereignis zu verhindern, hat die Gemeinde eine Stützmauer errichtet. Wie das Bauamt der VG darüber hinaus berichtet, wurde nördlich der Bahnlinie außerdem eine Fläche gekauft. Im Rahmen der Dorferneuerung soll dort ein Rückhaltebecken entstehen, das künftig Niederschlagswasser aufnehmen soll.

In Schöngeising liegt das letzte Hochwasser nicht ganz so lange zurück. Im Jahr 2002 ist bei starkem Regen Wasser in die Keller eingedrungen. Aus diesem Grund hat sich die Kommune um Gelder aus dem Förderprogramm „Konzept zum kommunalen Sturzflut-Risikomanagement“ beworben und sogar bereits einen Zuwendungsbescheid erhalten. Nun sollen die Planungen beginnen, wie Bürgermeister Thomas Totzauer berichtet.

„Es wird eine Studie erstellt, aus der die gefährdeten Bereiche bei starkem und anhaltendem Regen hervorgehen“, sagt der Gemeindechef. Untersucht wird dabei zum Beispiel, ob die Kanäle zur Straßenentwässerung ausreichend und wie versickerungsfähig die Böden sind. Auf dieser Basis werden dann mögliche Maßnahmen erarbeitet. Bereits zuvor hatte die Gemeinde den Dammbereich entlang der Amper verstärkt und wie Grafrath die Hochwasserschutzgebiete angepasst.

Generell gibt es laut Kennerknecht für den VG-Bereich einen Katastrophenschutzplan, also einen Notfallplan, für die Alarmierung bei extremen Wetterereignissen. Letztlich verantwortlich sei aber das Landratsamt als Katastrophenschutzbehörde. Dass man in den Gemeinden Gefahrensituationen nie ganz wird ausschließen können, betont Totzauer. „Wir wollen das Gefahrenpotenzial aber so weit wie möglich senken.“ Kennerknecht sagt allerdings auch: „Wassermassen wie in Nordrhein-Westfalen oder in Rheinland-Pfalz würden auch in der VG massive Schäden hinterlassen.“

Die Serie

Nach der Flut-Katastrophe beleuchtet das Tagblatt, wie es um den Hochwasserschutz in den Kommunen im Landkreis steht.

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