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Von Grafrath nach Fürstenfeldbruck: Mit zwei Eseln auf Wanderschaft

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Von: Andreas Daschner

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Auf so einer Wanderung sieht man wirklich viel von der Gegend“, sagt Alessia Hansen (19), die mit ihrem Freund Alexander Steger (21) aus Spaß eine Wanderung mit den zwei Eseln Dudith und Dolli unternommen hat. © Privat

Es ist beinahe so wie bei Maria und Josef auf der Reise nach Bethlehem: Alessia Hansen und Alexander Steger sind mit Eseln von Geltendorf nach Fürstenfeldbruck gewandert. Am Ziel übernachteten sie in einem Stall.

Grafrath/GeltendorfAn die Geburt Jesu dachte das junge Paar aber nicht, als es den Entschluss zur Wanderung fasste. Vielmehr war es ein früheres Erlebnis, das den Anstoß gab. „Ich habe einmal an einem Wanderritt nach Hofstetten teilgenommen“, erzählt die 19-jährige Alessia Hansen aus Geltendorf. Sie habe etwas Ähnliches wiederholen wollen. „Und meine Reitlehrerin Uschi Plachetka hat mir vorgeschlagen, dass ich doch die Esel nehmen soll.“

Dudith und Dolli heißen die beiden Tiere. Sie sind Mutter und Tochter. „Und sie werden selten für Wanderritte ausgewählt“, sagt Alexander Steger. Der 21-jährige Grafrather ist der Freund Hansens und wurde kurzerhand in das Vorhaben eingebunden. „Ich bin einfach mal in den Stall mitgeschleift worden“, erzählt er und lacht. In die beiden Esel sei er sofort vernarrt gewesen. „Die haben einfach einen ganz eigenen Charakter.“

Ursprünglich wollte Hansen erneut nach Hofstetten (Landkreis Landsberg) losziehen. „Aber eine Bekannte meiner Reitlehrerin hat einen Stall beim Tulpenfeld in Fürstenfeldbruck.“ Und so wurde das Ziel kurzerhand gewechselt – auch weil in Bruck die Möglichkeit bestand, in einem ausgebauten Wohnwagen beim Reitstall zu übernachten.

Und so machten sich der Industriemechaniker und die angehende Fotografin an die Planung der Route. Möglichst wenig über Straßen und viel durch Wald und Wiesen sollte der Weg führen. Von Geltendorf ging es über Türkenfeld und Grafrath weiter nach Schöngeising. Die letzte Etappe führte schließlich die Amper entlang nach Fürstenfeldbruck.

„Das waren gut 30 Kilometer“, hat Steger ausgerechnet. Mit dem Auto brauche man dafür vielleicht 20 Minuten. Auf Schusters Rappen mit zwei Eseln in Begleitung war es aber ein Vielfaches. Zehn Stunden war das junge Paar unterwegs. „Davon sind wir acht Stunden gelaufen“, sagt Hansen.

Die restliche Zeit wurden für diverse Pausen gebraucht. Wann diese eingelegt wurden, entschieden aber nicht unbedingt immer die Menschen. „Für die Esel war oft viel wichtiger, was rechts und links des Weges, als was vor ihnen lag“, erzählt Steger. Am Wegesrand wuchs nämlich saftiges Gras. Da mussten Dudith und Dolli einfach ab und an mal eine Kostprobe nehmen. Ihre menschlichen Begleiter hatten sich im Vorfeld Brote geschmiert. Mit einem Campingkocher machten sie sich heißen Tee und genossen bei den Pausen auf einer Picknickdecke die Natur.

„Auf so einer Wanderung sieht man wirklich viel von der Gegend“, sagt die 19-jährige Alessia Hansen. Ihr Freund Alexander Steger ergänzt: „Man kommt in Ecken, die man sonst nie sehen würde.“ Auf unbekanntem Terrain orientierten sich die beiden ganz klassisch mit einer Karte.

„Nur wenn wir gar nicht weitergewusst haben, haben wir auch mal auf dem Smartphone in Google Maps geschaut“, berichtet Hansen. Komplett nur in unberührter Natur gelangte das Quartett aus Mensch und Tier allerdings nicht nach Bruck. „Wir sind an der Klosterwiese herausgekommen und mussten über die dortige Amperbrücke in Richtung Türkenfeld“, erzählt Steger. Das Problem: Dolli hat Brückenangst. „Wir mussten deshalb in der Mitte der Fahrbahn laufen“, sagt Hansen. Und prompt bockte das Tier. „Da haben wir dann für einen kleinen Stau gesorgt“, erzählt die Geltendorferin. Die Autofahrer nahmen es aber mit Humor. „Wir mussten uns halt einen Spruch anhören, dass das ein typischer störrischer Esel sei“, sagt Hansen. „Dabei sind die Tiere eigentlich gar nicht so störrisch.“

Dolli habe aber noch andere Eigenheiten. „Sie mag zum Beispiel keine Gullydeckel“, sagt Hansen. Und wenn Mama Dudith zu weit vorauslief, gefiel das Dolli auch nicht. „Dann ging es im Galopp hinterher, da musste ich manchmal ganz schön laufen.“

Am Ende erreichten Hansen und Steger sowie Dudith und Dolli unbeschadet ihr Ziel, wo sie die Nacht verbrachten. Und am nächsten Tag ging es dann auf den Rückweg – auch wieder einen Tag lang zu Fuß. Vor allem Alexander Steger hat in der Zeit eine ganz besondere Bindung zu Dudith und Dolli aufgebaut. „Ich kannte sie ja ohnehin schon aus dem Stall recht gut“, sagt Alessia Hansen. Ihr Freund ist seit der Wanderung aber die große Attraktion bei den Tieren. „Die beiden sind immer die ersten, die zu mir kommen, wenn ich im Stall bin“, sagt der Grafrather.

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