Grafrather Regisseur

Wenn Schurken zu Filmhelden werden

Volkshelden wider Willen haben es Oliver Herbrich angetan. Der Regisseur und Filmproduzent aus Grafrath widmete zwei seiner Werke dem Räuber Kneißl und dem Ein- und Ausbrecherkönig Theo Berger. Letzterer kommt nun frisch restauriert wieder in ausgewählte Kinos.

GrafrathAus der Filmbranche hat sich Herbrich mittlerweile zurückgezogen. Seit 1998 lebt der frühere Münchner in Grafrath. „Ich bin immer noch filmbegeistert, das ist eine Leidenschaft, die man nicht verliert“, sagt der 56-Jährige. Und dieser Leidenschaft ist es wohl auch geschuldet, dass er sich seines Werks „Der Al Capone vom Donaumoos“ über den berüchtigten Theo Berger noch einmal annimmt.

Viele noch auf Zelluloid gedrehte Filme werden derzeit digital aufbereitet. „Es geht darum, Filme in die digitale Zeit zu retten“, erzählt Herbrich. Gefördert werden aber fast ausschließlich arrivierte Filmemacher. „Viele Werke werden dadurch untergehen, weil sich das Zelluloid mit der Zeit einfach auflöst“, erklärt der Grafrather. Damit das mit seinen Filmen nicht passiert, digitalisiert er sie nun, bevor es zu spät ist.

Im Gegensatz zu seinem Debüt-Spielfilm „Das stolze und traurige Leben des Mathias Kneißl“ aus dem Jahr 1979 – lange vor der Neuverfilmung von Marcus H. Rosenmüller – handelt es sich bei dem Werk über Theo Berger um einen Dokumentarfilm. Darin kommt der Hauptdarsteller selbst zu Wort und berichtet über sein Leben, die über 150 Straftaten, die er begangen hat, und die Zeit in der Haft. Der Film entstand 1985 während Bergers Haftverschonung. „Ich wollte den Film eigentlich schon im Gefängnis in Straubing mit ihm drehen“, erzählt Herbrich. Doch dafür gab es keine Genehmigung.

Das Thema reizte ihn schon seit recht jungen Jahren. Wie schon beim Räuber Kneißl beeindruckte es Herbrich, wie Gesetzesbrecher oft als Volkshelden regelrecht verklärt werden. Während der Regisseur das Leben Bergers schonungslos ehrlich und authentisch darstellt, spart er auch nicht an Justizkritik. „Ich hätte nicht gedacht, dass der Staat so repressiv gegen einzelne Gefangene vorgeht“, sagt Herbrich. Einzelhaft und Arrest zu aus heutiger Sicht menschenunwürdigen Bedingungen hätten Berger zur Zeit der Dreharbeiten aber nicht gebrochen. „Er hat sich eine gewisse Würde und Ausstrahlung erhalten“, sagt der Filmemacher. Als Berger jedoch nach der neuerlichen Planung eines Banküberfalls wieder inhaftiert wurde, setzte er 2003 in Haft seinem Leben ein vorzeitiges Ende – und kam damit auch Herbrichs Plänen eines zweiten Teils zuvor.

In der Filmbranche landete der Grafrather schon früh. „Mit 18 – noch vor der Filmhochschule – habe ich das Drehbuch zum Kneißl-Film geschrieben.“ Vom Kuratorium „Junger Deutscher Film“ gab es die Förderung, sodass Herbrich seine Filmvision verwirklichen konnte. Nach einigen Kurzfilmen war der Spielfilm, der auch im Kino lief, ein erster Achtungserfolg. Weitere Spielfilme folgten 1985 mit „Wodzeck“, der auf dem Moskauer Filmfestival einen Hauptpreis gewann, und 1989 mit „Erdenschwer“ mit Vera Tschechowa und Rüdiger Volgler.

Früh schon widmete sich der Regisseur und Produzent aber auch dem Dokumentarfilm. „An der Filmhochschule drehte ich einen Übungs- und einen Abschlussfilm“, sagt Herbrich. Da die Etats dafür sehr klein waren, entschied er sich für Dokumentationen. „Totes Herz“ erzählt vom „Birdsville Cup“-Pferderennen in Australien, für „Auf der Suche nach El Dorado“ wagte sich Herbrich in ein Goldgräbercamp im damals noch von einer Militärdiktatur geprägten Brasilien – „mit einer gewissen Unschuld, die man in diesem Alter noch hat“, wie er sagt.

Dass nach drei Spielfilmen und insgesamt sieben Dokus Schluss war, sei auch der Filmförderung in Bayern geschuldet. Obwohl er für sein Gesamtwerk 1994 den Filmpreis der Landeshauptstadt erhielt, blieb Förderung aus Bayern aus. „Ich hätte nach Hamburg oder Köln gehen müssen, aber ich wollte nicht von hier weg“, sagt Herbrich, der sich auch sozial engagiert.

Das Angebot, einen Tatort für den Bayerischen Rundfunk zu drehen, lehnte er ebenfalls ab. „Ich hatte kein Interesse an Fernsehfilmen.“ Stattdessen freut er sich nun, dass „Der Al Capone vom Donaumoos“ noch einmal zu Kinoehren kommt.

Der Film

„Der Al Capone vom Donaumoos“ läuft ab Donnerstag, 23. November, in Augsburg und Ingolstadt in den Kinos. Am Mittwoch, 13. Dezember, kommt er außerdem um 19 Uhr im Breitwand-Kino in Seefeld (Landkreis Starnberg). Im Anschluss daran läuft ab 20.30 Uhr Herbrichs Film „Erdenschwer“. (Andreas Daschner)

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