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Tiefe Narben hinterlassen die Rad-Reifen im Waldboden.

Grafrath

Wieder illegaler Rad-Parcours im Kreuzfeuer

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Ein tödlicher Unfall auf einem illegalen Rad-Parcours in einem Waldstück bei Fürstenfeldbruck sorgte Ende Mai für Entsetzen. Die Anlage wurde zurück gebaut. Doch in Corona-Zeiten suchen die Biker immer neue Abfahrten, Sprungschanzen und Steilkurven. Nun ist auch bei Grafrath eine wilde Bahn im Wald aufgetaucht. Diesmal wollen die Behörden schnell eingreifen.

GrafrathBis vor wenigen Wochen führte nur ein kleiner Trampelpfad über den bewaldeten Hügel nahe des Grafrather Ortsteil Unteralting. Nun überzieht ein ganzes Netz von neuen Wegen, Rampen und Sprungschanzen die Anhöhe, die von den Anwohnern aufgrund ihres Baumbestands Buchenberg genannt wird. Michaela S., die oft dort spazieren geht, ist entsetzt. „Dieser massive Eingriff in unsere wunderschöne Natur ist unglaublich“, sagt die Grafratherin.

Welchen Schaden verursacht der Rad-Parcours?

Der Buchenberg ist eine Moräne aus der Eiszeit. Michaela S. befürchtet, dass die Anhöhe großen Schaden durch den Rad-Parcours nimmt. Die unbekannten Erbauer haben den Waldboden umgegraben, Äste und anderes Material aus der Natur zur Rampen und Schanzen angehäuft.

Sogar Schanzen haben die Biker illegal aufgebaut.

Angefangen habe alles vor rund einem Jahr mit einer Schanze. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie seien die Bauwerke dann massiv mehr geworden. Ihre Befürchtung ist, dass das Wurzelwerk der Pflanzen entscheidend zerstört wird: „Das fördert die Erosion, an einigen Stellen hat es den Boden bereits ausgeschwemmt.“

Dass der Waldboden durch den Parcours zumindest gestört wird, bestätigt auch Günter Biermayer vom Forstamt. Noch bedenklicher sind laut dem Amtschef aber die rechtlichen Folgen – auch für den Waldbesitzer. „Sicherheitsrechtlich ist so ein Rad-Parcours für den Waldbesitzer nicht erträglich“, sagt Biermayer. Der Eigentümer müsse dagegen vorgehen, da er sonst bei einem Unfall mit haftbar gemacht werden könne. Doch damit nicht genug. Mit dem Bau einer solchen Bahn steht sogar eine Straftat im Raum.

Warnung vor dem Rad-Parcours

„Jeder Wald gehört jemandem – entweder den Staatsforsten oder einem privaten Besitzer“, sagt Polizeisprecher Michael Fischer. Damit könne eine Sachbeschädigung vorliegen, die den oder die Erbauer der Bahn teuer zu stehen kommen könnte. „Im Falle eines nötigen Rückbaus fallen da schnell einmal enorme Schadenersatzansprüche an.“

Auch wegen der Unfallgefahr sei ein solcher Parcours „nicht die cleverste Art, im Gelände zu fahren“. Bei professionellen Bahnen würde auf die richtigen Steigungen und Winkel bei den Schanzen geachtet, so der Polizeisprecher. Bei einem Laienbauwerk seien Unfälle fast vorprogrammiert. Michael Fischer: „Man kann daher nur raten: Finger weg von solchen selbst gebauten Bahnen.“

Rad-Parcours wegen Corona gebaut

Die Strecke bei Unteralting haben wohl Jugendliche errichtet. Michaela S. hat mit einigen jungen Leuten gesprochen. Diese hätten erzählt, dass sie die Strecke gebaut haben, weil sie während der Corona-Beschränkungen nichts anderes machen konnten. Ihren Appell hätten sie abgetan. „Es geht nicht darum, jemanden zu denunzieren“, betont S.. Sie hofft nun, dass die Eltern auf ihre Kinder einwirken, damit diese aufhören, der Natur zu schaden.

Der selbst gebaute Rad-Parcours bei Grafrath steht bereits im Fokus der zuständigen Behörden. „Wir sind dabei, den Waldbesitzer zu ermitteln, es scheint sich um Privatwald zu handeln“, erklärte Grafraths Bürgermeister Markus Kennerknecht auf Tagblatt-Nachfrage. Außerdem befinde man sich in Kontakt mit dem Forstamt. Angesichts des tödlichen Unfalls bei Bruck werde man gegen die Bahn vorgehen: „Wir wollen als Gemeinde ein Zeichen setzen.“

Andreas Daschner

Nach dem Unfalltod eines 18-Jährigen bei Grafrath herrscht große Betroffenheit. Familie, Freunde, Mitschüler und Lehrer können das Unglück kaum fassen.

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