Gegen den Medizinermangel: Das sogenannte Landarztmodell soll die Lösung für Grafrath sein. Dabei teilen sich Fachärzte tageweise eine Praxis. „Wir sind realistisch genug, um zu wissen, dass ein Facharzt in der Regel keine volle Praxis in Grafrath eröffnet“, sagt Vize-Bürgermeisterin Ingrid Wild. symbolfoto: dpa

Grafrath will mehr Mediziner anlocken

Grafrath - Fachärzte auf dem Land sind oft Mangelware. Dem will nun die Gemeinde Grafrath entgegenwirken: Im Obergeschoss des geplanten Supermarkts soll ein sogenanntes Landarztkonzept realisiert werden. Dabei praktizieren tageweise Fachmediziner in gemeinsamen Räumen.

In Eching am Ammersee (Landkreis Landsberg) wurde kürzlich ein solches Modell realisiert. „Das war ausschlaggebend dafür, so etwas auch für Grafrath anzudenken“, sagte Vizebürgermeisterin Ingrid Wild (SPD) in einem Pressegespräch. Sie hatte das Echinger Ärztehaus besichtigt und für gut befunden. Wie Gewerbereferent Gerald Kurz (CSU) erklärte, soll das Modell bis zum Jahr 2016 nun in Grafrath realisiert werden.

In einer Gemeinschaftspraxis könnten dann Fachärzte aus der Landeshauptstadt an einigen Tagen nach Grafrath kommen, um dort Patienten zu behandeln. „Es gibt in München sicher Ärzte, die froh über die Möglichkeit wären, ihr Wissen bei uns auf dem Land einzubringen“, sagte Kurz mit Verweis auf den Verdrängungswettbewerb in der Landeshauptstadt. Er will nun prüfen, welche Fachärzte in Grafrath benötigt werden. Danach müsse man entsprechende Mediziner gezielt ansprechen.

Für Wild wäre das die Ideallösung denn: „Wir sind realistisch genug, dass ein Facharzt in der Regel keine volle Praxis in Grafrath eröffnet.“ Dafür sei das Einzugsgebiet nicht groß genug. Entsprechende Erfahrungen habe man bereits früher gemacht, als man Fachärzte in die Gemeinde locken wollte. Bürgermeister Markus Kennerknecht (parteifrei) will auch den umliegenden kleineren Gemeinden wie Kottgeisering oder Jesenwang eine gewisse fachärztliche Versorgung bieten. „Außerdem können wir vor allem für ältere Leute kurze Wege zum Arzt gewährleisten“, sagte der Rathauschef.

Um die Fördermöglichkeiten abzuklopfen, hat die Gemeinde den CSU-Landtagsabgeordneten Alex Dorow mit ins Boot geholt. Der will sich mit Bernhard Seidnath vom Gesundheitsausschuss des Bayerischen Landtags in Verbindung setzen. „Nach dem momentanen Stand ist der Fördertopf nicht voll ausgereizt“, sagte Dorow. Unter anderem gäbe es beispielsweise 15 000 Euro für die Gründung einer Filialpraxis.

Die Idee eines solchen Ärztehauses hatte auch Christian Strasdat (GE) vor einigen Wochen bereits ins Feld geführt. Dessen Frau betreibt eine Apotheke im Echinger Ärztehaus, so dass der GE-Rat hautnahe Erfahrungen mit dem dortigen Modell hat. Auf Tagblatt-Nachfrage erklärte Strasdat, dass er eine solche Gemeinschaftspraxis weiterhin für eine tolle Idee halte, mahnt aber gleichzeitig zu Geduld. „Das ist unter Umständen ein langwieriger Prozess.“ In Eching habe es zweieinhalb Jahre gedauert, bis alle Ärzte für die Gemeinschaftspraxis beisammen waren. Gute Kontakte zur Kassenärztlichen Vereinigung seien hier sicher hilfreich. „Außerdem braucht man Planungssicherheit bei den Räumen“, sagte der GE-Rat mit Blick auf die noch laufende Supermarkt-Debatte. (ad)

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