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Gratis-Hendl für Volksfestgäste mit Handicap

Puchheim – So sie es denn aufs Volksfest schaffen, sollen Puchheimer mit einem Behinderungsgrad von mindestens 70 Prozent heuer in den Genuss eines kostenlosen Hendls und eines Gratis- Getränks kommen. Der Kulturausschuss des Stadtrats folgte mit dieser Entscheidung mehrheitlich einem Antrag der Grünen – allerdings erst nach längerer Debatte. Vor dem Volksfest 2017, so ein zweites Ergebnis der Debatte, soll grundsätzlich darüber diskutiert werden, wer künftig von der Stadt eingeladen wird.

Die Grünen wollten mit ihrem Vorschlag laut Barbara Ponn den Menschen mit Einschränkungen eine Möglichkeit zur Teilhabe bieten und eine Gelegenheit, Zusammengehörigkeitsgefühl zu erleben. Hermann Grüsser, der Vorsitzende des Behindertenbeirats, hielt ein solches Angebot gerade in einer „sozialen Stadt“ für angemessen.

Allerdings wurden aus allen anderen Fraktionen Vorbehalte geäußert. Allen voran zeigte sich Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) skeptisch, der das neue Angebot nicht so recht einordnen konnte. Volksfestmarken oder andere Vergünstigungen habe es bislang als Leistungsbonus (Tafel-Mitarbeiter) oder Motivationszulage (Musikschüler), aus Tradition (Senioren) oder Konvention (Stadträte) gegeben. Das neue Angebot könne man dann höchstens als „Belastungszulage“ verstehen. Seine Befürchtung: Eine solche Sonderbehandlung vermittle eher den Eindruck von „Exklusivität“ als dass sie zur Inklusion beitrage.

Wie weit soll die Einladungskultur gehen?

Ähnlich wie Seidl, der nach anderen Zielgruppen fragte, die man vielleicht auch einladen müsse, argumentierte Ramona Weiß (CSU): „Wo fangen wir an, wo hören wir auf?“ Auch Obdachlose oder Flüchtlinge dürfe man dann nicht vergessen. Sinnvoller sei so etwas wie ein „sozialer Tag“ auf dem Volksfest. Und für die Behinderten ein Fahrdienst oder ein rollstuhlgerechter Ausbau des Kieswegs.

Die Einladungskultur scheint ohnehin etwas außer Kontrolle geraten zu sein. Maria Ostermeier (ubp) wusste von Älteren, die sich am Seniorennachmittag die Marken für die Kinder oder Enkel abholen. Und Kämmerer Harald Heitmeir berichtete von Kritik des Rechnungsprüfungsausschusses am Marken-Unwesen. Die Zahl der Gratis-Einladungen sei hoch, noch mehr Begünstigte hielten die Finanzkontrolleure des Stadtrats für „nicht angemessen“.

Für heuer ist allerdings noch einmal Großzügigkeit angesagt. Gegen drei Stimmen aus den Reihen von CSU und Freien Wählern billigte der Ausschuss die Einladung auch von Behinderten für den Seniorennachmittag. 

Olf Paschen

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