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Abschied vom Gröbenzeller Polizeichef

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Gröbenzell und Puchheim trennen sich – zumindest was polizeiliche Belange angeht. Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl verabschiedete Karlheinz Pangerl (l.) und dessen Stellvertreter Klaus Gründler, der ebenfalls in den Ruhestand geht. Für Puchheim (wie auch Eichenau) ist in Zukunft die Germeringer Wache zuständig.

Jetzt sind es nur noch etwa vier Wochen, bis die Polizeiinspektion in Gröbenzell aufgelöst wird. Damit verabschiedet sich auch Karlheinz Pangerl in den Ruhestand.

Gröbenzell – Seit 2005 war er Dienststellenleiter, 40 Jahre lang war er Polizist mit Leib und Seele. Er ist sich sicher: Die Polizeiarbeit wird in Zukunft nicht einfacher werden. Am 28. Februar wird die Gröbenzeller Polizeiinspektion geschlossen. Die Mitarbeiter werden auf die Inspektionen in Olching und Germering verteilt, was auch als kleine Polizeireform bezeichnet wird, da sich die Zuständigkeiten ändern. So werden etwa Eichenau und Puchheim in Zukunft von den Germeringer Beamten betreut. Die Puchheimer Stadträte haben das Revier dort schon angeschaut. Es sind nur noch etwa vier Wochen bis zur Umstellung – dann wird außerdem eine langjährige Polizeikarriere zu Ende gehen. Der Leiter der Gröbenzeller Polizeiinspektion, Polizeihauptkommisssar Karlheinz Pangerl, tritt am 1. März seinen Ruhestand an.

Eigentlich hätte der 62-Jährige bereits vor zwei Jahren seine Dienstzeit beenden können. Doch er wollte erst gehen, wenn auch seine Dienststelle geschlossen wird. Ein Grund dafür sind massive Sicherheitsmängel und die marode Bausubstanz. Möglicherweise war Pangerl der letzte Polizeichef in Gröbenzell. Derzeit sieht es jedenfalls danach aus, als würde die Nachbarkommune Olching den Zuschlag für eine neue, große Polizeistation bekommen. Ein Grundstück an der Münchner Straße entspricht den Vorstellungen der Polizei-Obrigen recht gut. Entschieden ist das allerdings noch nicht.

Karlheinz Pangerl hat als Streifenbeamter in Olching angefangen. Er war 40 Jahre lang Polizist. Eigentlich hätte er Lokomotivführer werden müssen, denn diesen Beruf hatten bereits sein Opa, sein Vater und seine Brüder ausgeübt. Doch Pangerls erster Berufswunsch war, Bauingenieur zu werden. In seiner Zeit bei der Bundeswehr reifte in ihm aber der Entschluss, in den Polizeidienst einzutreten. Und dies hat er bis heute nicht bereut. Er schwärmt: „Wenn ich noch einmal auf die Welt kommen würde, würde ich wieder Polizist werden.“ Die Arbeit ist äußerst vielfältig. Immer wieder ist er nicht nur Polizist, sondern auch Sozialarbeiter oder Psychologe. Gespräche mit Kollegen sind wichtig, vor allem nach schwierigen Einsätzen, wie der Brand in Puchheim am Silvestertag, als ein kleines Mädchen ums Leben kam.

Im November 1979, im Alter von 23 Jahren, trat Pangerl in den Polizeidienst ein. Ausgebildet wurde er nahe Nürnberg und kam dann nach Olching. Wenige Jahre später absolvierte er an der Brucker Fachhochschule für den öffentlichen Dienst die zweijährige Ausbildung zum Kommissar. Nach einem Interimsaufenthalt in Eichstätt kehrte er später als Dienstgruppenleiter nach Olching zurück. Im Oktober 2001 wechselte er nach Gröbenzell, zunächst als stellvertretender Dienststellenleiter, seit 2005 als Chef.

In diesen 40 Jahren hat sich die Arbeit bei der Polizei sehr verändert, berichtet Pangerl. Die Aufgaben sind mehr geworden, 1979 spielte zum Beispiel die Cyberkriminalität keine Rolle. Die Anzahl an Personal jedoch schrumpft. Standen ihm in seinen Anfängen noch 41 Beamte zur Verfügung, so sind es jetzt 34. Als er 1979 in den Polizeidienst eintrat, gab es noch keine uniformierte weibliche Polizei. Mitte der 90er-Jahre änderte sich das.

Pangerl selbst war anfangs skeptisch. „Vielleicht Männerdünkel.“ Doch nach kürzester Zeit war er überzeugt „Ohne Frauen ist der Polizeidienst nicht vorstellbar“. Schwierig ist es lediglich immer wieder, wenn Polizistinnen Mütter werden und nur Teilzeit arbeiten wollen. Dies in die Dienstpläne einzufügen, ist nicht einfach.

Nicht einfacher wird die Arbeit auch, weil die jungen Polizisten, die in Gröbenzell nach ihrer theoretischen Ausbildung den praktischen Dienst antreten, meist nicht lange bleiben. Alle halbe Jahre bekommt er vier bis fünf neue, frisch ausgebildete Beamte, die in die Polizeipraxis eingeführt werden müssen.

Das Wohnen im Speckgürtel der Großstadt können sich die Nachwuchskräfte nicht leisten, weiß Karlheinz Pangerl. Sie ziehen daher zumeist, sobald die Möglichkeit besteht, zurück in ihre Heimat. Pangerl hat dafür Verständnis. Hätte er nicht als junger Polizist eine günstige Staatsbedienstetenwohnung bekommen, wäre auch er in die Oberpfalz zurückgekehrt, wo er herkommt.

Trotz seiner Freude an der Arbeit ist Polizeiarbeit immer wieder auch belastend. Pangerls wohl schlimmstes Erlebnis war 1989 der Mord an einem Kollegen in Fürstenfeldbruck. Pangerl kannte ihn persönlich. In Zukunft aber wird es ruhiger werden in seinem Leben. So kann Pangerl sich intensiver dem Joggen widmen, er möchte gerne einmal einen Halbmarathon laufen, kann mehr Radeln als derzeit, sich um seinen Enkel kümmern und mit seiner Ehefrau so manche Städtereise unternehmen. Und da er nicht bei der Bahn Karriere gemacht hat, er die Bahn aber trotzdem liebt, ist er stolzer Besitzer einer Modelleisenbahn, die ebenfalls auf Ausbau und Pflege wartet. (sus)

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