+
Auch als Gastwirtschaft wurde das Anwesen im Lauf seiner wechselvollen Geschichte genutzt. Die Ansichtskarte stammt aus der Zeit um 1900.

Was alte Karten erzählen können

Das älteste Haus von Gröbenzell

Einen Blick in die Geschichte werfen – ohne ein Buch aufzuschlagen? Das geht mit den historischen Karten des Bayern-Atlas. Das Tagblatt ist auf virtuelle Spurensuche gegangen.

Hof Innenansicht mit Taubenschlag etwa um 1900.

Gröbenzell – Zur Gemeinde wurde Gröbenzell im Jahr 1952. Die ersten Menschen hatten sich in dem damals sehr unwirtlichen Moos aber bereits hunderte Jahre früher angesiedelt. Das wahrscheinlich erste Haus stand nahe dem Gröbenbach, auf dem Areal der heutigen Shell-Tankstelle. Bei Aushubarbeiten für einen Benzintank wurden dort Balkenreste entdeckt. Später wurde dieses Haus weiter nach Osten verlegt, wo es vor Überschwemmungen durch den Gröbenbach sicherer war. Hier stand das Gröbenhüterhaus, immer wieder zerstört und neu aufgebaut, bis es 2002 endgültig abgerissen wurde.

Der Jagdweg des Herzogs

Rund um Straße und Bahnlinie nach München hat sich ein großer Ort entwickelt.

1510 bis 1520 hatte Herzog Wilhelm IV. den schon lange bestehenden Weg übers Moor zwischen Lochhausen und Olching zu seinem Jagdvergnügen ausbauen lassen, ein Weg, der mit beidseitigen Gräben geschützt und durch Schranken abgeschlossen war. 1570 ließ sein Sohn Herzog Albrechts V. an dieser Verbindungsstraße von Landsberg über Bruck nach München ein zweistöckiges Haus für einen Aufseher, den Gröbenhüter, bauen. Seine Aufgabe war es, den Bach und die Straße zu beaufsichtigen.

Ansichtskarte aus den 1930er-Jahren.

Er musste darauf achten, dass aus dem Gröben ohne Genehmigung kein Wasser zur Bewässerung der Viehweiden entnommen wurde und so der Fischbestand keinen Schaden erlitt. Und dass nicht ohne Erlaubnis gefischt oder dem Wild Schaden zugefügt wurde. Zudem hatte er dafür zu sorgen, dass der Weg gepflegt war. 1633 wurde laut Horst Hell im Heimatbuch Gröbenzell dann erstmals erwähnt, dass der Gröbenhüter auch Zoll zu erheben hatte. Als nämlich Jahre später wieder einmal eine neue Straße angelegt worden war, ein Weg, der für Verkehr und Salzhandel frei gegeben war, wurde der Zoll eingeführt.

Der Zöllner vom Gröbenbach

Im Haus hatte der Gröbenhüter, der spätere Gröbenzöllner, ein Dach über dem Kopf. Von 1570 bis 1766 wurde das Haus von den Amtsinhabern bewohnt. Ihr Leben war hart, immer wieder finden sich Klagen über die geringe Besoldung. Anlass zu Klagen bot aber auch das Haus selber. Stürme richteten daran immer wieder schwere Schäden an. Im 30-jährigen Krieg wurde es von schwedischen Soldaten niedergebrannt.

Hofseite des alten Hauses. Laut dendrochronologischer Untersuchung der Dachbalken dürften teile des Gebäudes aus dem Jahr 1749 stammen.

Mitte des 18. Jahrhunderts unter dem letzten Zöllner war es wieder einmal in einem so baufälligen Zustand, dass sich eine Restaurierung nicht lohnte. Da der damalige Zöllner, Ignaz Seemüller, aber die Genehmigung für einen Neubau nicht abwarten wollte, denn diese ließ lange sich auf sich warten, ergriff er selber die Initiative und begann mit dem Neubau. Was der Mann bitter büßen musste, die Kosten wurden ihm nämlich daraufhin lediglich zur Hälfte ersetzt.

1766 wurde die Zollstation dann im Zuge der landesweiten Einführung der Mautfreiheit geschlossen. Das Haus stand zunächst leer und wurde in den folgenden Jahren immer wieder verkauft oder versteigert, bis dann Justizrat Franz Troll die aus einem Wohnhaus mit Stall und Scheune bestehende ehemalige Zollstation erwarb. Laut Horst Hell ging dieser Kauf im Jahr 1888 über die Bühne. Nachforschungen Johann Böhmers, eines der Enkel des späteren Eigentümers Michael Böhmer, aber haben ergeben, dass Troll das Anwesen erst 1895 erworben hat.

Verkauf und Erweiterung

Troll, der als Rechtsanwalt in München arbeitete, ließ das Gut durch einen Verwalter bewirtschaften. Ab 1899 war dort Magnus Schwörer tätig, später ab 1914 Michael Böhmer. Troll baute das Anwesen zu einem Gut aus, erweiterte es durch Zukäufe nach Hell von 250 auf 440 Tagwerk. Wie Böhmer annimmt, war das Anwesen bei Trolls Ankauf sogar lediglich 30 Tagwerk groß.

Trolls Engagement, der gemeinsam mit den Brüdern Alois und Michael Böhmer Unterschriften sammelte, war es auch zu verdanken, dass Gröbenzell 1898 eine eigene Bahnhaltestelle bekam, eine Station, die den Namen Gröbenzell erhielt. In den Jahren darauf siedelten sich immer mehr Menschen in der Siedlung am Gröbenbach an. Nach Trolls Tod, 1918, haben seine Söhne das Anwesen verkauft.

Nur drei Vitrinen sind geblieben

Zunächst ging es an eine Gesellschaft in Frankfurt, dann aber übte die Bayerische Siedlungs- und Landbank ihr Vorkaufsrecht aus. Diese teilte den Besitz auf und verkaufte ihn in mehreren Teilen. Der Großvater Johann Böhmers, Michael Böhmer, übernahm den Gutshof mit dem einstigen Gröbenhüterhaus und Teilen der Landwirtschaft. Bis zum Verkauf des Areals wurde das Gut von der Familie Böhmer bewirtschaftet. Nach dem Verkauf und dem Beginn der anschließenden Bebauung mit zahlreichen Wohnungen wurde das landwirtschaftliche Anwesen mit dem Gröbenhüterhaus 2002 abgerissen. Eine vom Historischen Verein Gröbenzells „Die Gröbenhüter“ initiierte Anlage mit drei Vitrinen erinnert heute auf dem Areal an das einstige Gröbenhüterhaus.

Der Bayernatlas

steht im Internet unter bayernatlas.de. Jedermann kann kostenlos darauf zugreifen.

von Susanne Schwind

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kugelweise Sommerfeeling ab einem Euro
Jetzt im Sommer haben Eisdielen Hochkonjunktur. Inzwischen gibt es in fast jeder größeren Ortschaft eine Gelateria, in der die eiskalte Leckerei kugelweise angeboten …
Kugelweise Sommerfeeling ab einem Euro
Tippen Sie die Ergebnisse beim Sparkassencup
Die restlichen neun der insgesamt 18 Vorrundenbegegnungen beim neuen Sparkassencup-Wettbewerb werden nächste Woche ausgetragen. Beste Bedingungen also für die Neuauflage …
Tippen Sie die Ergebnisse beim Sparkassencup
Diese Kirchengemeinde ist unabhängig
Die Freie evangelische Gemeinde (FeG) ist seit 25 Jahren in Germering vertreten. Pastor Thomas Scheitacker stellt sie im Gespräch vor.
Diese Kirchengemeinde ist unabhängig
Schüler essen im Ortszentrum
Die Ganztagsschüler der Ährenfeldschule erhalten im kommenden Schuljahr ihr Mittagessen in den Räumen des Gasthauses zu Alten Schule im Ortszentrum. 
Schüler essen im Ortszentrum

Kommentare