Baufirmen meiden Aufträge der öffentlichen Hand
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Gröbenzell

Ärger über Pläne für Wohngebiet

Für einige Straßen nahe der Bahnlinie in Gröbenzell wird ein neuer Bebauungsplan aufgestellt. Im Zuge dessen soll das reine Wohngebiet zum allgemeinen Wohngebiet werden.

Gröbenzell – Das wollen einige Anwohner nicht hinnehmen. Sie befürchten auch, dass sich ein Arbeiterwohnheim ansiedeln könnte. Bei dem Areal handelt es sich um das Gebiet um die Freyastraße – im Süden ist es durch die Bahnlinie begrenzt, im Westen durch Gröbenbach und Dianastraße und im Norden durch den Loferweg. Der Gemeinderat hat den Entwurf für einen neuen Bebauungsplan debattiert. Anwohner nutzten die Gelegenheit, ihrem Ärger Luft zu machen. Ihnen stößt vor allem auf, dass aus dem reinen Wohngebiet (WR) künftig ein allgemeines Wohngebiet (WA) werden soll.

Das ist allerdings erforderlich, wie Philipp Falke, Mitarbeiter des Planungsbüros, klarstellte. Das Büro hatte mehrere Gründe angeführt, einer davon ist der Lärm. Ein Gutachten habe ergeben, dass die aktuelle Lärmbelästigung für reine Wohngebiete von tags 50 und nachts bis zu 40 Dezibel überschritten wird. Tagsüber wurden entlang der Freyastraße 60 Dezibel und nachts 52,7 Dezibel gemessen. Ebenso in der westlich der Freyastraße liegenden Wildmoosstraße: tagsüber 59,4 und nachts 52,1 Dezibel und östlich der Freyastraße tagsüber 52,1 und nachts 44,8 Dezibel. Zwar wird damit auch der zulässige Lärm für ein allgemeines Wohngebiet großteils überschritten, hier sind tagsüber 55 und nachts bis zu 45 Dezibel zulässig. Trotzdem soll das Areal ein allgemeines Wohngebiet werden.

Ein Anwohner forderte daraufhin, dass dann eben der Lärm reduziert werden müsse. Er schlug Flüsterasphalt als Lösung vor. Unter den Gemeinderäten stieß dies auf wenig Gegenliebe. „Wir wissen, dass das nichts bringt“, betonte Klaus Coy ( FDP). Weniger Lärm hätte ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern in der Bahnunterführung zur Folge.

Ein weiterer Grund, der für einen veränderten Status des Wohngebiets spricht, ist laut Planern die Anzahl und Dichte des gemeldeten Gewerbes. Über 50 Betriebe hat die Gemeindeverwaltung in dem Gebiet ermittelt. Hierzu fehlte den Bürgern aber der Beweis, also eine Liste. Ein Anwohner betonte: „Ich konnte keinen einzigen derartigen Betrieb ausfindig machen.“

Anton Kammerl (CSU) hatte Verständnis für die Kritiker. Er schlug zum Schutz vor missliebiger Entwicklung die Beibehaltung des reinen Wohngebietes vor. Auch seine Parteifreundin, Anita Rieger, äußerte Verständnis. Sie fügte aber an, dass die Bestandsaufnahme von einer anderen Realität zeuge.

Der Planer Falke konnte die Sorgen der Bürger jedoch nicht nachvollziehen: „Mir ist es schleierhaft, welche Befürchtungen Sie haben.“ Der Unterschied zwischen WA und WR bestehe lediglich darin, dass in dem einen nicht störende Handwerksbetriebe zulässig sind, in dem anderen lediglich ausnahmsweise.

Bedenken hatten die Anwohner aber auch, dass im WA ein Arbeiterwohnheim nicht zu verhindern sein werde. Unter einem solchen haben Anwohner der Hubertusstraße in der Vergangenheit längere Zeit gelitten. Das Heim war dann letztlich vom Landratsamt verboten worden. Beherbergungsbetriebe sind aber im WR und im WA lediglich ausnahmsweise zugelassen.

Vize-Bürgermeister Martin Runge (Grüne) war zwar überzeugt, dass kein Gemeinderat eine solche Ausnahme zulassen werde. Um die Anwohner aber auch für die weitere Zukunft zu schützen, schlug er vor, Ausnahmen in dem neuen Bebauungsplan grundsätzlich auszuschließen. Auch Nutzungen, die in einem WA grundsätzlich zulässig sind, könnten ausgeschlossen werden.

Außerdem bleibt den Anwohnern noch Zeit, Einwände gegen den Bebauungsplan vorzubringen. Dieser werde erst Mitte Januar ausgelegt, und die Frist könne über die 30 Tage hinaus verlängert werden, erläuterte der Gröbenzeller Bauamtsleiter Markus Groß. (sus)

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