Miniaturmodell der Alten Schule in Gröbenzell aus dem Jahr 1925: Museumsleiter Werner Urban präsentiert das Exponat, das die Besucher in längst vergangene Unterrichtsstunden reisen lässt.
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Miniaturmodell der Alten Schule in Gröbenzell aus dem Jahr 1925: Museumsleiter Werner Urban präsentiert das Exponat, das die Besucher in längst vergangene Unterrichtsstunden reisen lässt.

Gröbenzell

Schätze aus dem Heimatmuseum: Als der Lehrer auch noch der Wirt war

Manchmal ist ein Museum selbst Teil einer Geschichte: Das Heimat- und Torfmuseum in Gröbenzell ist in der Alten Schule untergebracht. Das Gebäude hat eine lange Historie und so wurde auch ihm ein Exponat gewidmet. Anhand dessen erfahren die Besucher einiges über die Entstehung der Schulen und die Ortsgeschichte.

Gröbenzell – Die Alte Schule kennt man heute vor allem wegen des Restaurants und des Heimat- und Torfmuseums. Wer dieses besucht, wird auf eine Miniatur-Ausgabe des Gebäudes stoßen, in dem er sich gerade befindet. Die Gröbenhüter präsentieren ein Modell der Alten Schule in ihrer Ausstellung. Es zeigt das Haus im Jahre 1925. Da hatte das Schulwesen in der Gemeinde aber schon eine bewegte Geschichte hinter sich.

Notschule in der Baracke

Nach dem Ende des ersten Weltkrieges 1914 wuchs die Zahl der Bewohner der Siedlung am Gröbenbach stetig an. Aus 800 nach dem Krieg wurden innerhalb von zehn Jahren 1200. Doch Gröbenzell wurde erst 1952 zu einer eigenständigen Gemeinde, damals gehörte es teils zu Olching, Puchheim, Geiselbullach, Aubing und Langwied. Wo die Kinder die Schulbank drücken mussten, hing davon ab, in welchem Ortsteil sie lebten. So schrieb es Albert Meyer 1931 in der ersten Chronik Gröbenzells.

Die Wege der Kinder zur Schule waren also weit. Nach Olching ging es entlang der Bahnlinie, nicht nur bei Sonnenschein, sondern auch bei Sturm und Regen und im Winter durch dicken Schnee. Der Dritte Bürgermeister Olchings, der Gröbenzeller Alois Böhmer, setzte sich daher dafür ein, dass die Kinder in Gröbenzell zur Schule gehen konnten. Beim Olchinger Bürgermeister Josef Tauschek stieß er damit auf volles Verständnis.

Im ehemaligen Gefangenenlager in Puchheim wurde eine Baracke zur Notschule umfunktioniert, am 1. Oktober 1920 war Eröffnung. 86 Kinder wurden hier unterrichtet, wegen Platzmangels aufgeteilt auf Gruppen am Vor- und am Nachmittag.

Stammtisch ersetzte Elternsprechstunde

Lehrer Oskar Hartl kam damals mangels Lehrerwohnung mit seiner Familie im Gröbenzeller Hof unter, und war dann nicht nur als Lehrer, sondern auch als Wirt tätig. Für so manches Kind eine unangenehme Verbindung, der abendliche Stammtisch ersetzte nämlich immer wieder die Elternsprechstunde.

Doch die Baracke erwies sich wenig später nicht nur als zu klein, sie war auch marode. Der Regen sickerte durch das Dach und ein heftiger Sturm hätte das Bauwerk fast umgeblasen. Ein Balken stütze es ab diesem Zeitpunkt. Im September 1924 wurde daher mit dem Bau eines Schulgebäudes aus Stein begonnen, Alois Böhmer war der Bauherr.

Bereits am 3. Januar 1925 konnte der Neubau von 115 Schülern feierlich bezogen werden. 52 000 Reichsmark hatte die Schule gekostet, 12 000 übernahm die Gemeinde Olching, die restlichen 40 000 flossen als Staatszuschuss.

Doch auch dieses Gebäude erwies sich bald als zu klein. Anfang der 1930er-Jahre war die Zahl der Schüler bereits auf 185 angewachsen, 1934 konnte den mittlerweile 255 Schülern und ihren vier Lehrkräften in einem Erweiterungsbau vier weitere Klassenzimmer übergeben werden, zwei davon im Keller.

Nach Kriegsende 1945 mussten die Schüler vorübergehend das Gebäude verlassen, die Amerikaner hatten es beschlagnahmt. Bis zum September 1945 wurden die Kinder im Gasthaus Grüner Baum unterrichtet. 1950 war die Zahl der Schüler bereits auf 700 angewachsen und es wurde auf den Erweiterungsbau ein weiteres Stockwerk aufgesetzt.

Gebäude drohte der Abriss

Anfang der 1960er-Jahre aber verließen Schüler und Lehrer das Gebäude endgültig, sie zogen in die neugebaute Ährenfeldschule mit ihren damals 15 Klassenräumen um. 1969 kam die Gröbenbachschule dazu und Mitte der 70er-Jahre die dritte Grundschule an der Bernhard-Rößner-Straße. Das alte Schulhaus steht bis heute, nach dem Umzug der Schüler nutzte die Post das Gebäude bis zu ihrem Umzug an die Olchinger Straße. In den 90-er Jahren drohte der Abriss, dank einer Bürgerinitiative wurde das Gebäude aber erhalten und saniert.

Die Serie

In der neuen Serie „Schätze aus dem Heimatmuseum“ werden in loser Folge Ausstellungsstücke aus Heimatmuseen in der Region vorgestellt – als Ersatz für Museumsbesuche, die wegen Corona nicht möglich sind. Wenn die Pandemie abebbt und Museen wieder öffnen dürfen, können die Exponate live begutachtet werden.

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