Michael Kaunzinger verstarb mit 77 Jahren. repro: os
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Michael Kaunzinger verstarb mit 77 Jahren.

Nachruf

Als Hausmeister war er der gute Geist der Schule

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Michael Kaunzingers Arbeitstage begannen meist wie früher der Sommerschlussverkauf – Türen aufsperren und Menschenmassen ins Haus strömen lassen.

Gröbenzell – Bei den Massen handelte es sich allerdings nicht um Kaufhauskunden, sondern um die Schüler der damaligen Grund- und Hauptschule an der Hans-Kerle-Straße, der heutigen Gröbenbachschule. 37 Jahre lang war Michael Kaunzinger dort als Hausmeister der gute Geist, der sich um alles kümmerte.

Als Heizungsbauer brachte der gebürtige Puchheimer das nötige Verständnis und Geschick für sämtliche handwerklichen Aufgaben mit, die in einer Schule so anfallen. Er sorgte dafür, dass es immer warm war, reparierte alles, was kaputt war, und füllte jeden Tag rote Kübel mit Brezn, Semmeln, Saft und Milch. Die Schüler konnten die Snacks im Rahmen eines Pausenbrot-Abos vorbestellen. Jeden Vormittag gingen dann die roten Kübel mit den Bestellungen in die Klassenzimmer.

Bei Lehrerfesten sah man den Hausmeister am Grill stehen und das Kollegium verköstigen. Fast noch arbeitsreicher als die Schulzeiten waren für Michael Kaunzinger die Ferien. Dann mussten sämtliche Klassenzimmer ausgeräumt, die Böden mit einer frischen Wachsschicht versehen und die Stuhl- und Tischbeine mit neuen Filzgleitern beklebt werden. Kaunzingers eigene Kinder Michael und Doris hatten von der Hausmeisterwohnung aus den denkbar kürzesten Schulweg und wuchsen quasi in der Schule auf.

In seiner Freizeit war der zeitweilige SPD-Gemeinderat im Vereinsleben aktiv. Jahrelang stemmte er Gewichte beim Sportverein Eichenau (ESV), doch seine eigentliche Leidenschaft galt dem Schießsport. Zunächst traf man sich im Keller des Kultlokals Hexe, später im Freizeitheim an der Wildmoosstraße. Als Schützenmeister des SSV Almrausch leitete Kaunzinger den Ausbau des dortigen Kellers zum Schützenheim. 1984 richtete der Verein unter seiner Regie die Gaumeisterschaft aus.

20 Jahre lang war der Harley-Davidson-Fahrer, Tennisspieler und Hobbykoch im Brucker Schützengau aktiv, die letzten fünf Jahre als Gauschützenmeister und damit oberster Vertreter von 58 Schützenvereinen mit über 6600 Mitgliedern.

In diese Zeit fiel das Ende seines Berufslebens und damit der Abschied von der Gröbenbachschule. Er zog mit Ehefrau Renate in eine Wohnung des Dreifamilienhauses, das die beiden selbst vor Jahren gebaut hatten. Hier widmete sich Michael Kaunzinger mit Hingabe seinem Garten, besonders der Tomatenzucht im eigenen Gewächshaus. Dem Schießsport blieb er auch als Rentner treu. Steckenpferd seiner letzten Jahre war das Schießen mit dem Traditions-Zimmerstutzen bei den Feuerbixlern in Maisach.

Michael Kaunzinger starb nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 77 Jahren.

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