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Am Bahnhof Gröbenzell

Döner-Imbiss erregt die Gemüter - Betreiber wollen Frieden mit der Gemeinde

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Es dürfte die wohl meist debattierte Gastronomie-Eröffnung in der Geschichte Gröbenzells sein: Der Döner-Imbiss am Bahnhof hat sein Geschäft aufgenommen.

Gröbenzell Seit Montag dreht sich der Dönerspieß. Wer den Laden betritt, sieht einen klassischen türkischen Imbiss – mit aufgeschnitten Tomaten, Salatblättern und Zwiebeln in silbernen Schalen. Zwei Tische für je vier Personen und ein Stehtisch mit zwei Stühlen befinden sich aktuell auf der etwa 45 Quadratmeter großen Verkaufsfläche. Zwei Tische mit vier Stühlen säumen den Eingang im Außenbereich. Alles nicht außergewöhnlich, hätte es nicht einen Döner-Boykott im Vorfeld gegeben.

Vertreter der Gemeinde hatten von der Bahn, die das Grundstück verpachtet, vehement eingefordert, dass in dem Laden Fahrkarten, Zeitschriften und Reiseproviant verkauft werden. Döner jedoch nicht – weil das türkische Fast Food bereits an zwei Stellen in nächster Nähe angeboten wird. Es folgten Proteste, ein Beschluss über eine Veränderungssperre und einen Bebauungsplan und eine Unterschriftensammlung. Es wurden zudem Pläne bekannt, in denen von einer Gastronomie mit 22 Sitzplätzen und sechs Tischen die Rede war.

Streifenkarten im Angebot

Von der tatsächlichen Umsetzung können sich die Gröbenzeller jetzt allerdings selbst ein Bild machen. Junior-Chef Resul Orhankazi gibt sich aufgeschlossen. „Wir wollen in Ruhe unser Geschäft betreiben und kommen der Gemeinde so gut es geht entgegen“, sagt er. Auch wenn es auf den ersten Blick nirgends zu erkennen ist: Es gibt hier Fahrkarten. „Streifenkarten fürs Erste“, erklärt Orhankazi. Später soll ein Automat folgen. Damit er die Fahrgäste ordentlich beraten kann, wird der Gastronom eine einwöchige Schulung der Bahn besuchen, erzählt er. Eine neue Erfahrung für den Döner-Verkäufer, dessen Familie seit 16 Jahren im Geschäft ist und zwei weitere Läden besitzt, einen in Germering beim AEZ und einen in Neu-Aubing. Dass sich das Ticket-Geschäft nicht wirklich für ihn rentiert, betont der Junior-Chef allerdings schon. Zwei Prozent würde er derzeit an den Streifenkarten verdienen, zehn Prozent, wenn er ein breiteres Angebot an Tickets abdeckt. „Da müsste ich sehr viele verkaufen, damit sich das lohnt“, sagt er. Aber der Friede sei es ihm wert.

Ähnliches gilt für die öffentliche Toilette, die der Bahn gehört, und für deren Sauberkeit und Papier die Gemeinde sorgt. Fahrgäste können sich jetzt im Imbiss einen Schlüssel abholen, um das WC zu nutzen. In dem Geschäft selbst gibt es nur eine Personaltoilette. Die Familie Orhankazi kümmert sich nach eigenen Angaben um die sanitären Anlagen, hat sie auch wieder hergerichtet. Die Reinigungskraft der Gastronomie überprüfe täglich den Zustand, erzählt der Junior-Chef des Ladens.

Zur Sorge der Anwohner gehörten auch Geruchs- und Lärmbelästigungen. Der Döner-Imbiss hat von 7 bis etwa 21 Uhr geöffnet, sagt Resul Orhankazi. Alkohol gibt es keinen, nur einen Automaten mit Softdrinks und Erfrischungen. Das Fett werde wie vorgeschrieben über eine Anlage gefiltert und per Dunstabzugshaube nach draußen geleitet. Eine kleine Komplikation gab es bei den Bauarbeiten: Am Dach durfte nicht eine einzige Schraube montiert werden oder überhaupt etwas verändert. Denn dieses gehört der Gemeinde. Nur das Gebäude darunter ist Eigentum der Bahn.

Lesen Sie auch: So sieht der Döner-Konkurrent aus und hier bekommen Sie ihn in München

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